Trainer Gerstner deckt nach dem 1:1 in Rostock individuelles Versagen in Angriff und Abwehr auf
Rostock/Bielefeld. Zwischen der Realität und deren Wiedergabe durch eine subjektiv eingebundene Person wie etwa einen Fußballtrainer bestehen bisweilen Unterschiede. Das liegt in der Natur der Sache. Meist sind die Vertreter jener Zunft Verbalakrobaten beim Vermeiden von Eingeständnissen oder Schuldzuweisungen. Arminia Bielefelds Thomas Gerstner hat seine Momente, in denen er aus der Art schlägt. Nach dem 1:1 gegen Hansa Rostock am Montagabend war so ein Moment. "Pavel hat versagt. Rostock hat die Dummheit meiner Mannschaft ausgenutzt."
Tatsächlich hatte Stürmer Pavel Fort in der 90. Minute einen präzisen Querpass von Michael Delura aufgenommen, stand allein vor Alexander Walke – und schoss den Rostocker Torhüter an. Ein Treffer hätte das 2:0 bedeutet, "der Drops wäre gelutscht gewesen", wie Gerstner es umschrieb. Stattdessen gelang Hansa der Ausgleich in letzter Sekunde.
Dabei hatte das nahende Unheil nicht nur in der Luft gelegen, es war mit dreifacher Ankündigung über die Arminia hereingebrochen. Rostocks Mario Fillinger hatte in der 85. Minute mit seinem Schuss ans Außennetz die erste Warnung aufgerufen. Die zweite Mahnung bekamen die Bielefelder von Schiedsrichter Wolfgang Stark: Zwei Minuten Nachspielzeit. "Da müssen wir einfach viel konzentrierter sein", wird Mannschaftskapitän Rüdiger Kauf später, zu spät, sagen. Als dritte und letzte Ermahnung lief Rostocks Keeper Alexander Walke längs über den Platz und gab erfolgreich den Unruhestifter im Strafraum der Arminen. Und doch fiel dieses vermaledeite Tor zum 1:1. Oliver Schröder stand in der dritten Minute der Nachspielzeit nach einer Ecke von Bradley Carnell frei am branchenüblich so bezeichneten "langen" Pfosten und schob den vom Bielefeld/Rostocker Paar Mijatovic/Bülow verlängerten Ball ganz und gar unbehelligt ein.
"Da hat einer gepennt"
Das Tor sorgte für "geschockte und frustrierte" Arminen, wie Trainer Thomas Gerstner es nach dem Schlusspfiff beschrieb. Sport-Geschäftsführer Detlev Dammeier versuchte, das Gegentor zu erklären, nachvollziehbar zu machen. "Rostock hatte dreimal gewechselt, wir zweimal, dazu taucht der Torwart bei uns im Strafraum auf. Da kann es passieren, dass die Zuordnung nicht mehr stimmt." Gerstner stellte klar: "Wir sind immer noch zehn gegen zehn, wenn der Torhüter nach vorne kommt. Da hat einer gepennt. Vielleicht ist nicht kommuniziert worden."
Dazu hatten die Arminen auf der direkten Rückreise im Bus fünfeinhalb Stunden lang Gelegenheit. Und beim gestrigen Training um 17 Uhr. "Bei einem Sieg wäre der Dienstag frei gewesen, das habe ich der Mannschaft vorher gesagt", meinte Gerstner und schloss: "So hat sie sich in einer Sekunde um zwei Punkte, eine angenehme Rückreise und einen freien Tag gebracht. Und mich leider auch."