Bielefeld. Zum Termin muss ihn Ehefrau Suzan mit dem Auto kutschieren. David Odonkor kann sich nur mit einer Krücke fortbewegen. Wieder einmal hat er sich einer Knie-Operation unterziehen müssen. "Der fünften seit 2006. Und immer rechts", erzählt der bei Betis Sevilla in der 2. spanischen Liga spielende Stürmer.
Derzeit befindet sich der verletzte Fußballprofi auf Heimaturlaub bei seinen Schwiegereltern in Steinhagen.Am 2. Februar geht es zurück nach Spanien. Odonkor muss beim Vereinsarzt zu einer Routineuntersuchung erscheinen. "Dann, so hoffe ich, kann ich in Deutschland meine dreiwöchige Reha beginnen", sagt der gebürtige Bünder. Ende März wolle er dann wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Die Verletzungsanfälligkeit seines rechten Knies führt Odonkor auf die steinharten Plätze in Sevilla zurück. "Auch einige andere Mitspieler mussten schon unters Messer. An der Beschaffenheit des Bodens wird aber nichts geändert", bedauert Odonkor.
Der Sohn eines Ghanaers und einer Deutschen spielte von 2002 bis 2006 bei Borussia Dortmund, ehe er nach der Weltmeisterschaft für eine Ablösesumme von 6,5 Millionen Euro nach Spanien wechselte und bei Betis Sevilla einen gutdotierten Vertrag bis 2011 unterschrieb. Nach gewissen Anpassungsschwierigkeiten (fremde Sprache) fühlen sich die Odonkors im sonnigen Süden sehr wohl. Vor allem auch nach der Geburt von Töchterchen Adriana im November 2008.
Vom Helden zum Edelreservisten
Sportlich hingegen kommt der Ostwestfale in seiner neuen Heimat überhaupt nicht zurecht. Während er in seiner letzten Saison für Borussia Dortmund 33 von 34 Spielen bestritt, gilt er bei Betis nur als Edelreservist. "Nach einer guten Vorbereitung habe ich in dieser Saison erst acht Spiele bestritten, ehe mich der Trainer dann aufs Abstellgleis schickte", schildert der pfeilschnelle Außenstürmer seine Situation. Deshalb habe er sich auch damit abgefunden, bei der Weltmeisterschaft in Südafrika nicht zum deutschen Aufgebot zu gehören. "Schlimmer wäre es, wenn ich fit wäre, aber aus sportlichen Gründen von Joachim Löw nicht berufen worden wäre."
Vier Jahre zuvor war Odonkor einer der Hauptakteure des deutschen Sommermärchens. Als Jürgen Klinsmann im Vorfeld der Weltmeisterschaft den talentierten Dortmunder ins WM-Aufgebot nahm, staunte ganz Deutschland. Selbst David Odonkor war überrascht, als an einem Sonntagmorgen um 8.15 Uhr das Telefon klingelte und Jürgen Klinsmann am anderen Ende der Leitung war. "Herr Klinsmann, Sie haben sich vertan. Hier ist Odonkor", waren seine ersten Worte. "Ich war mir ziemlich sicher, dass Herr Klinsmann sich verwählt hatte und einen anderen Spieler kontaktieren wollte", erinnert sich Odonkor. Der DFB-Teamchef wollte aber genau ihn sprechen und ihm die WM-Nominierung mitteilen.
Seinen stärksten WM-Auftritt hatte der Bünder am 14. Juni 2006 gegen Polen. Unermüdlich sprintete Odonkor die rechte Außenlinie hoch und runter. In der Nachspielzeit verwertete Oliver Neuville schließlich eine Flanke des Youngsters zum 1:0-Sieg. Odonkor war ein Held.
Bei der Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz kam Odonkor eine Halbzeit lang im Spiel gegen Kroatien zum Einsatz. Seitdem ruht seine Nationalmannschaftskarriere - wegen seiner diversen Knieverletzungen.
Sein größter Traum ist Arminia Bielefeld
WM 2006 und EM 2008 hat Odonkor abgehakt. "Das sind schöne Erinnerungen. Mehr nicht. Ich denke aber nach vorn und blicke zuversichtlich in die Zukunft", lautet seine Einstellung. Einen Vereinswechsel hat er schon ins Kalkül gezogen. Vergangenes Jahr zeigte ein englischer Klub Interesse. Die geforderte Ablösesumme von sechs Millionen Euro ließ das Geschäft platzen.
Sein größter Traum ist allerdings Arminia Bielefeld. "Mein Herz schlägt schon seit Jahren für diesen Verein", schwärmt Odonkor vom derzeitigen Zweitligisten. In der vergangenen Saison hätte es fast mit dem Wechsel geklappt. "Mit Sport-Geschäftsführer Detlev Dammeier habe ich einige Male gesprochen", erzählt Odonkor, der eng mit Arminias Torhüter Dennis Eilhoff befreundet ist. Da die gesamte Familie in Ostwestfalen lebt, könnten sich die Odonkors gut vorstellen, so schnell wie möglich in die Heimat zurückzukehren. "Für Arminia würde ich sogar einige finanzielle Abstriche in Kauf nehmen", sagt der Spieler, dessen Schnelligkeit sowohl in der Bundesliga als auch in Spanien unerreicht ist.
Zunächst nimmt aber die Wiedererlangung seiner Fitness den höchsten Stellenwert ein. Und sollte sein Transfer zu Arminia Bielefeld eines Tages tatsächlich wahr werden, darf sich David Odonkor auf nicht so knochenharte Trainingsplätze wie in Sevilla freuen.