Bielefeld. "Wir investieren in die Zukunft. Und die Aktion wird sich schnell amortisieren." Mit Engelszungen versuchte Dr. Johannes Kramer (CDU), Geschäftsführer des Klinikums Bielefeld, in der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem DSC Arminia die Kooperation zwischen dem städtischen Krankenhaus und dem Fußballclub zu verteidigen. Dennoch setzte es auch Mittwoch weiter harsche Kritik an der ungewöhnlichen Zusammenarbeit.
So äußerte sich FDP-Kreisvorsitzender Thomas Seidenberg, selbst Mitglied des neuen Klinik-Aufsichtsrates, der sich erst im März konstituieren wird, gestern im NW-Gespräch befremdet über das Vorgehen der Krankenhaus-Geschäftsführung. "Ich finde es wirklich nicht gut, dass offenbar nur der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende eingeweiht war", so Seidenberg. Da er bislang keine Einzelheiten kenne, könne er noch keine endgültige Einschätzung vornehmen.
Für den heimischen Landtagsabgeordneten Günter Garbrecht (SPD), der auch Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im NRW-Landtag ist, bleiben Fragen offen. "Aus welchen Mitteln will die Krankenhaus-Geschäftsführung den Kredit auszahlen", will Garbrecht wissen. Schließlich handele es sich beim Klinikum nicht um irgendeinen Privatkonzern, sondern um ein gemeinnütziges Krankenhaus.
Rückzahlungstermin bleibt unklar
Die Wogen schlagen hoch in Bielefeld. Das städtische Krankenhaus gewährt dem Zweitligisten einen günstigen Kredit. Was meinen Sie?
Rudolf Henke, Vorsitzender des "Marburger Bundes", ganz knapp: "Dieser Vertrag ist wirklich bizarr." Die Image-Kampagne sei höchst fragwürdig. Wer Geld habe für den Einkauf von Fußballprofis, solle nicht mehr erzählen, eine gute Bezahlung ärztlicher Bereitschaftsdienste wäre zu teuer, sagte der Vorsitzende des Ärzteverbandes vor dem Hintergrund zurzeit laufender Tarifverhandlungen.
Auch in der gestrigen Pressekonferenz wollte Kramer nicht sagen, bis wann der DSC den 250.000-Euro-Kredit zurückzahlen muss. Das scheint dem Geschäftsführer auch nicht so wichtig zu sein. Das Krankenhaus will die neu aufgestellte Klinik für Unfallchirurgie und Sportmedizin möglichst gut auslasten. Seit dem 1. Juli ist Dr. Alexander Rübberdt (41), der von der renommierten Unfallchirurgie der Universitätsklinik Münster nach Bielefeld gewechselt ist, Chef der 70-Betten-Abteilung. Als Oberarzt ist Dr. Ingo Meier (38) seit Anfang des Jahres für den Bereich Sporttraumatologie zuständig. Meier stammt aus Bielefeld und war zuletzt am Johanna-Etienne-Krankenhaus in Neuss tätig.
Die Kooperation mit dem DSC soll nun der sportmedizinischen Abteilung viele Sportpatienten aus den Reihen sämtlicher Arminia-Mannschaften zuführen. "Wir wollen uns als Sportkrankenhaus positionieren", erläuterte Kramer. Die Kooperation sei ein Baustein der Wachstumsstrategie des Klinikums. "Wir müssen uns in einem vom Gesetzgeber gewollten Wettbewerb am Markt behaupten und haben uns deshalb zu dieser ungewöhnlichen Aktion entschlossen", so Kramer.
Kredit wird Thema im Stadtrat
Und zwar nicht spontan, sondern langfristig geplant. Bereits seit Mitte des vergangenen Jahres gebe es entsprechende Überlegungen. Und weil Arminia gerade Spielerverpflichtungen vornehmen wollte, habe sich die Chance kurzfristig ergeben, die Kooperation zu realisieren. Der Klinik-Geschäftsführer räumte ein, dass das Krankenhaus der Öffentlichkeit die ungewöhnliche Kooperation sofort hätte erklären müssen. Heinz Anders, kaufmännischer Geschäftsführer von Arminia, äußerte seine Zufriedenheit mit der Kooperation, "auch wenn das Projekt ein ganz spezielles ist".
Der Arminia-Kredit des Klinikums wird auch im Hauptausschuss des Rates am 18. Februar zum Thema. Die Grünen haben dazu Mittwoch gleich eine ganze Reihe von Fragen gestellt.