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05.02.2010
"Wir stopfen keine Löcher"
INTERVIEW: Dirk U. Hindrichs, Sprecher der Unternehmerinitiative für Arminia Bielefeld
VON STEFAN SCHELP UND RAINER KLUSMEYER

Im Interview | FOTO: ANDREAS FRÜCHT

Arminia muss aufräumen, sonst gibt es kein Geld von der Wirtschaft, sagt Schüco-Chef Dirk U. Hindrichs im Interview mit Thomas Seim, Rainer Klusmeyer und Stefan Schelp.

Herr Hindrichs, haben Sie trotz der neuen Nachrichten über Arminia gut geschlafen?
DIRK U. HINDRICHS (lacht): Die Wucht der Nachricht hat mich schon überrascht. Ich hätte mir gewünscht, dass ich das nicht aus der Zeitung erfahren hätte. Andererseits: Ein Fußballverein lebt – mal von den guten, mal von den nicht ganz so guten Nachrichten. Es ist richtig von Arminia, dass der Verein, auch wenn er schlechte Nachrichten zu verkaufen hat, damit in die Öffentlichkeit geht.

Sie haben erst am Tag danach von den Vorgängen erfahren?
HINDRICHS: Das ist wahr.

Wie ernst ist die Lage tatsächlich?
HINDRICHS: Das kann ich nicht wirklich sagen. Aber ich glaube, auch die Vereinsgremien sind überrascht worden. Eigentlich ist es ein ganz normaler Prozess, dass ein Jahresabschluss vorgelegt wird und der Wirtschaftsprüfer ihn prüft. Das ist in jedem Wirtschaftsunternehmen so. Und Arminia ist ein ganz normales Unternehmen mit 30 Millionen Euro Umsatz. Wenn der Jahresabschluss kommt, dann kann das durchaus sein, dass die Zahlen aus der Betriebswirtschaft und aus dem Controlling nicht übereinstimmen. Ob man da, und wenn ja, wem man einen Vorwurf machen soll, kann ich nicht beurteilen. Anzumerken ist aber: Mit professionellen Strukturen hat das nichts zu tun. Ich glaube aber nicht, dass der Verein jetzt in die Insolvenz geht. Ich glaube auch nicht, dass das zu einem unüberwindbaren Problem wird. Aber die Lage ist sicherlich ernst.

Fordert die Wirtschaft jetzt Köpfe?
HINDRICHS: Nein, tut sie nicht. Die Wirtschaft sagt seit Mitte letzten Jahres: Das geht so nicht. Da ist nicht eine Einzelperson, da ist die Struktur schuld. Und dieses Strukturproblem muss der Verein lösen.

Was bedeutet diese Situation für das Engagement von Unternehmen?
HINDRICHS: Unser Mandat lautete bisher: Was muss man tun, um Arminia eine wesentlich bessere Zukunft zu ermöglichen. In dieser Woche sprechen wir allerdings darüber, dass der Verein ein gravierendes Finanzloch hat. Das hat mit unserem eigentlichen Projekt nichts zu tun und verändert die Ausgangslage völlig.

Für das Loch gibt es kein Geld?
HINDRICHS: Würden Sie in ein schwarzes Loch investieren?

Es könnte Sinn machen, kurzfristig Löcher zu stopfen, um danach langfristig zu helfen.
HINDRICHS: Das kann doch überhaupt erst funktionieren, wenn man eine Plattform hat, die belastbar ist. Also müssen sich alle Beteiligten erst einmal zusammensetzen und dafür sorgen, dass man ein Zahlenwerk hat, das den jetzigen Umständen entspricht und den Stempel eines unabhängigen Wirtschaftsprüfers hat.Die sportliche Leitung braucht für die Saisonplanung Zahlen, mit denen sie wirtschaften kann, sie muss wissen, wie viel Unterstützung von der Wirtschaft kommt.
HINDRICHS: Alle Beteiligten sind daran interessiert zu verstehen, wie innerhalb so kurzer Zeit aus einer Situation "Alles ist okay" ein Riesenproblem geworden ist. Ich habe das noch nicht verstanden. Das müssen wir neu bewerten. Danach kann man erst sagen: Darauf setzen wir auf.

Kann das Einfluss haben auf das Engagement der Wirtschaft?
HINDRICHS: Das Werben für unseren Plan wird nicht leichter.

Haben Sie heute Morgen schon Abmeldungen bekommen?
HINDRICHS: Ich habe es vorgezogen, nicht zu telefonieren.

Gehen Sie davon aus, dass die Unterstützerliste kürzer wird?
HINDRICHS: Ich glaube, dass es gut ist, dass wir nicht in dieser Woche Unterschriften sammeln. Wir müssen weiter am Konzept arbeiten. Teil davon wird sein, dass die Unternehmen eine Person ins Management von Arminia schicken, die sich mit Zahlen auskennt.

Wie lässt sich die Finanzlage nachhaltig verbessern?
HINDRICHS: Ein vernünftiges Konzept der Spielerentwicklung führt dazu, dass sich die Finanzen eines Vereins bessern. Schalke, Dortmund, Leverkusen spielen mit einer ganz jungen Mannschaft. Ein Spielerkader kann einem Verein grundsätzlich Stabilität geben.

Ist die Grundhaltung nicht eher: Wir brauchen Geld, damit wir in die Erste Liga kommen?
HINDRICHS: Ich glaube, wir würden uns alle darüber freuen, wenn wir einen Erstliga-Klub haben. Den Unternehmen geht es darum, den Standort Bielefeld interessant zu erhalten. Die Schlagzeilen dieser Woche tun der Region einfach nicht gut.

Konkret: Wie viel Geld gibt die Wirtschaft, um den Standortfaktor Arminia zu unterstützen?
HINDRICHS: Wünschen Sie mir Glück, dass wir möglichst viele Unternehmer bekommen, die mitmachen.

Wenn man etwas erreichen will, muss die Summe eher eine zweistellige als eine einstellige Millionensumme sein. Für die 15 Unternehmen, die ja offenbar auf der Liste stehen, ergäbe das je eine Million. Ist das realistisch?
HINDRICHS: Das glaube ich nicht. Die Gruppe der Unternehmen ist sicherlich noch nicht groß genug. Wir müssen wirklich zuerst wissen, wo der Verein finanziell steht. Dann kann man auf Unternehmen zugehen.

Wie gelingt es, Unternehmen von einem Arminia-Engagement zu überzeugen?
HINDRICHS: Fußball ist die Mediensportart schlechthin. Solange die Medien darüber berichten, hat das einen medialen Wert für alle Unternehmen. Zweites Argument ist, dass sich diese Unternehmen auch sonst in Ostwestfalen in überragender Art und Weise engagieren. Aber die Wirtschaft ist nicht bereit, sich kontinuierlich zu engagieren, sie ist bereit, einmal die Differenz zu überbrücken zwischen der tatsächlichen Situation und der gewünschten Situation.

Welchen Stellenwert hat dabei der sofortige Wiederaufstieg?
HINDRICHS: Es wäre ein toller Start, wenn der direkte Wiederaufstieg gelänge. Aber wenn das nicht passiert, bedeutet das auch nicht das Aus. Was wir wollen, ist, dass der Verein beurteilbar und berechenbar ist. Und wie wichtig das ist, das sieht man doch auch an den Ereignissen dieser Woche. Wir wollen unser Konzept offen auf den Tisch legen, so dass jeder anschließend seine Meinung sagen kann.

Warum eigentlich ist Arminia so eine besondere Form der Wirtschaftsförderung?
HINDRICHS: Es gibt keine größere Marke als einen Bundesliga-Klub. Das ist auch für uns ein Standortfaktor, wenn wir national und international Mitarbeiter anwerben wollen. Und es wäre ein Traum, wenn Arminia das Sammelbecken aller jungen Spieler der Region wäre.

Wann ist Arminia wieder raus aus der aktuellen Krise?
HINDRICHS: Nächste Woche.

Wo beendet Arminia die Saison?
HINDRICHS: Auf Platz drei. Oder höher.

Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
Kurze Anmerkung für Arminenanalyse und trinkmann: Wer nur in kleinen Grössen denkt, kann sich auch keine richtigen Grössen vorstellen! Die Summen, die ich genannt habe sind machbar! Es ist natürlich so, dass die sich schon als Gönner darstellen, wenn Sie eine Million spenden! Nur mit diesen Kleckerbeträgen kommt kein Verein in die obere Hälfte der ersten Bundesliga! Das ist "Spielgeld für Arme".

@Armine-1970: Du verkennst für meine Begriffe offensichtlich die Situation: Arminia braucht die Sponsoren und nicht umgekehrt. Ebenso sind deren Zuwendungen freiwillig, an professionelle Strukturen bei Arminia gekoppelt und keineswegs eine Verpflichtung! Letztlich kann ich auch verstehen, dass Hindrichs (und andere Sponsoren) erst dann investieren wollen, wenn Arminia professionelle Leute präsentiert. P.S: Deine finanziellen Vorstellungen halte ich für völlig überzogen und absurd...

Traurg das mit anzusehen...
Wieso werden denn nicht sofort erste Schritte eingeleitet und die Trbünen Preise gesenkt...
Man solle 10 bis 15 min vor Spielbeginn alle Karten zum Halbenpreis rauskloppen,leute die ins stadion wollen haben auch schon vorher die Karte...
Oder irgendwelche anderen Aktionen in dieser Richtung...
SING LOUD SING PROUD !

Hallo
Also wer ist jetzt der grosse Sprecher der Wirtschaft?
Hindrichs sagt wir stopfen kine Löcher.Weber sagt im Westfalen Blatt dann werden wier wohl die Löcher stopfen müssen.
Also was sollen wir jetzt glauben?Haben die Wirtschaftsbosse doche verschieden Ansichten was die Hilfe für unseren verein betrifft?

Herr HIndrichs ich fordere sie auf,treffen sie sich mit den FANS und reden sie mit uns.Hoffe die NW leitet das mal weiter.Wir wollen jetzt klarheit und nicht erst im Sommer.

@Armine-1970
Wann setzt Du eigentlich mal Deine schwarz-weiss-blaue-ach-der-arme-verein-brille ab ??? Wacht doch mal, wie sagte Hinrichs?? Würdest Du in ein schwarzes Loch investieren ?? Seit Jahren wird dieser Club jämmerlich geführt, ja auch und insbesondere unter Herrn Kentsch, was er letztendlich für diesen Verein erreicht hat sieht man jetzt. Keiner, aber auch Keiner hat mal den Mund aufgemacht als der Stadionumbau teurer als geplant wurde - Respekt, 50 % teurer für jeden privaten Bauherren wäre das die Pleite und es würde auch keiner hinnehmen - Also, wer hat das geplant und so genehmigt - Ach ja, die Baufirma ist ja im Sponsorring zu finden. Weiterhin 5 Jahre erste Liga und kein Geld auf der Kante bzw. um die Mannschaft zu verstärken. Die letzten Transfers sind doch nur durch Überschüsse bei den Verkäufen zustande gekommen, wenn das nicht gewesen wäre, wären wir schon längst da wo wir jetzt sind. Dann die Nicht-Vestärkungen in der letzten Winterpause, obwohl ja angeblich Geld da war, das ganze Theater um spilertransfers und dann wieder fehlender Gelder. Sorry, ich gehe seit über 30 Jahren zu diesem Verein , aber die Struktur und Führung ist nach wie vor jämmerlich und bei solchen Meldungen könnte ich koxxen.
Ja, ich hatte auch mal gedacht, die liebe Wirtschaft tönt nur rum und tut nix. Jetzt kann ich sie mehr als verstehen da auch ich mitlerweile fast schon denke last die Karre an die Wand fahren damit sich hier endlich mal was von Grund auf ändert !!!!!! Denn diese drittklassige Vereinsführung wird weder dafür sorgen das wir in der ersten Liga konkurenzfähig sind, noch das wir mehr als eine Zweitligasaison eine vernünftige Truppe auf dem Rasen haben. Ganz großer Sport ist auch, dass ich erst jeden Cent in ein Stadion stecke, das immer und immer wieder als Entschuldigung nehme um keine Geld für die Mannschaft zu haben und un dieses Stadion evtl. verkaufen muss um danach wieder Miete zu zahlen- Klasse, so stelle ich mir lukrative Geschäfte vor. Ich hatte mich schon die ganze Zeit gewundert warum ein Kentsch keine mediale Bomben nach seinem Rauswurf ablässt, hm, jetzt kann ich mir denken warum.....arme Arminia, dieser Imageschaden ist beträchtlich und das Sprichwort ....was hier vorne mit ein paar Händen aufgebaut wird....wird hinten wieder mit einigen Ärschen umgehauen passt nicht zum ersten Mal zum Sportclub der Ostwestfalen. Ich bin nur frustriert und verägert wie mit diesem Club umgegangen wird



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