Die Finanzprobleme des Vereins sind beim 2:1-Sieg des DSC gegen Greuther Fürth das Hauptthema und werfen Fragen über Fragen auf
Bielefeld. "Die ganze Stadt ist wie verhext und schaut mal wie das Punktekonto wächst." So lautet eine beliebte Zeile in einem Arminia-Fanlied. Das Punktekonto wächst zwar in regelmäßigen Abständen in der 2. Fußball-Bundesliga, doch verhext ist die Stadt schon lange nicht mehr. Die Zahl der Fans wird anscheinend eher weniger als mehr, die Grundstimmung ist nicht immer nur pro DSC Arminia. Das spiegelt sich auch in den Reaktionen der NW-Internet-Nutzer und der Fans wider, die sich mit Finanzproblemen des Klubs beschäftigen.
Die Internet-Kommentare auf nw-news.de schwanken zwischen Ironie, Realismus, Enttäuschung und Sorge. "hermann" schreibt: "Arminia hat sich schlicht an der neuen Tribüne verhoben. Ohne Steuermittel ist so ein Bau für einen kleinen Klub kaum zu stemmen, wobei auch die Kostensteigerung um 50 Prozent extrem fragwürdig ist. Mich überrascht vor allem die Größenordnung, um die es hier geht." Der "Ostwestfale" meint: "Es ist eben so, dass Bundesligastrukturen mit Zweitligaeinnahmen nur schwer aufrecht zu erhalten sind. Wenn Arminia diese Saison nicht aufsteigt, wird es immer schwieriger. Es muss jetzt endlich der Kollege Hinrichs mit seinen 14 Freunden aus der Wirtschaft Farbe bekennen."
Die vielleicht schönste Idee, den DSC vor der Zahlungsunfähigkeit zu retten, hat der Fan mit dem Pseudonym "Alm-Jörg": "Hier kann nur Peter Zwegat helfen. Mal ehrlich, so eine Live-Doku mit Zwegat am Flipchart, davor sitzen Vorstand und Aufsichtsrat - dafür würde man von RTL locker 2,5 Millionen Euro kriegen."
"ratzke03" schaut in die Zukunft und will Aufbruchstimmung erzeugen: "Ja, der Verein ist etwas Besonderes! Für mich und für viele andere auch. Arminia hat viele Fehler gemacht, in der Tat. Aber darum geht es jetzt nicht. Es geht darum fest zusammenzuhalten und die Wirtschaft auf unsere Seite zu bekommen. Ein Neuanfang mit Profis und mit uns Fans."
Doch nicht nur im Internet waren die Finanzprobleme das alles überschattende Thema. Auch beim gestrigen Spiel gegen Fürth befasste sich kaum ein Gespräch nicht mit dem Millionenloch. Zurückhaltend und gelassen reagierte der ehemalige Arminen-Coach Benno Möhlmann: "In meinen drei Jahren als Trainer gab es auch immer wieder finanzielle Probleme, da hat man auch schon mal ein bisschen länger auf sein Geld gewartet. Ich mache mir da wirklich keine weltbewegenden Sorgen. Sollte der Aufstieg klappen geht es sowieso weiter, falls nicht muss man halt Veränderungen vornehmen. Dann müssen Ansätze gefunden werden, wie auch mit den reduzierten Mitteln der Zweiten Liga ein gutes Team aufgestellt werden kann."Die Fans sind nicht so entspannt wie Möhlmann. Peter Schneider glaubt, dass die schlimmen Zeiten erst noch kommen: "Wie kann man den fünf Jahre in der Bundesliga spielen und keinerlei Kohle haben? Man kann sich wirklich bei Herrn Kentsch (ehemaliger Finanzchef der Arminia, Anm. der Red.) bedanken. Uns hat er damals versprochen, dass sich die neue Tribüne selbst finanziert. Und heute seh ich schon die ersten Leute, die aus Spaß mit Sammeldosen durch die Reihen laufen. Traurig was aus dem Club geworden ist. Ich will nicht t wissen was noch kommt, wenn die Liga erstmal die Lizenz genauer überprüft."
Matthias "Coach" Weber von der Punkband "ZZZ Hacker" hat einen Vorschlag, wie das Problem zu lösen sei. "Schuld an der ganzen Misere ist doch die neue Tribüne. Wir als Hacker fordern endlich wieder mehr Stehplätze im Stadion. Man soll die Hälfte der neuen Tribüne einfach wieder als Stehplätze anbieten. Denn viele Fans stehen lieber und zahlen dafür weniger. Doch der Verein scheint uns Stehplatzidioten ja nicht zu wollen. Im Vorstand glaubt man ja, dass teure Sitzplätze sich besser verkaufen. Allerdings bin ich mir auch sicher, dass die Finanzen nicht wirklich so schlecht sind wie plötzlich getan wird, es ist jetzt halt gerade ein Thema in der Öffentlichkeit."
Auch Arminen-Anhänger Horst Müller sieht das Kernproblem bei der neuen Haupttribüne: "Die ist doch einfach ein Flop. Viel zu teuer, die Stimmung ist seitdem auch schlechter. Ich mache mir schon große Sorgen. Hoffentlich geht das alles gut aus. Ich fürchte aber, dass noch nicht alles in die Öffentlichkeit gelangt ist. Es kommen dunkle Zeiten auf den Club zu."
Der ehemalige Torwart der Schwarz-Weiß-Blauen, Wolfgang Kneib, kann die Sorgen nicht teilen. "Als Außenstehender kenne ich ja keine Zahlen, aber es ist nie gut wenn so etwas in die Öffentlichkeit gelangt. Aber Finanzprobleme gehören bei Arminia doch auch einfach dazu. Ich habe in dem Verein hier so einiges mitgemacht, ich bin mir sicher, dass auch diese Nummer gut ausgehen wird. Am besten steigen die Jungs einfach auf, dann sollten sich die meisten Probleme von selbst geregelt haben. Die Spieler müssen die Probleme jetzt einfach ausblenden und sich auf Fußball konzentrieren. Alles andere macht keinen Sinn. Raus auf den Platz und fertig ."
"Bin immer ansprechbar"
"Mich überrascht es nicht, dass Arminia nach dem Abstieg weniger Einnahmen hat und aufgrund der wirtschaftlichen Lage die Sponsoren nicht gerade Schlange stehen", sagt Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen, der aber über die Haushaltslage des DSC keine Kenntnisse hat. "Ich weiß alles auch nur aus der Zeitung."
Pit Clausen ist glühender Fan des DSC Arminia. Wenn es seine Zeit zulässt, ist er bei Heimspielen immer in der Schüco-Arena zu finden. Dies war auch schon so, bevor er den Posten des Oberbürgermeisters bekleidete. Das Schicksal des Vereins ist Clausen auf keinen Fall egal.
"Ich bin immer ansprechbar, die Stadt steht dem DSC Arminia wohlwollend gegenüber", erklärt Clausen. "Aber auch unsere Kassen sind auch leer." Einen Deal wie in Gelsenkirchen - die dortigen Stadtwerke haben für 25 Millionen Euro Anteile am Stadion des FC Schalke 04 gekauft - kann sich Clausen schon gar nicht vorstellen. "Wir haben doch die Arena erst vor zwei Jahren an den DSC abgegeben", sagt der OB. "Ich freue mich auf die Spiele und werde den Verein als Fan unterstützen."