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09.02.2010
BIELEFELD
Arminias Tribüne als Millionengrab
Not mit Ansage: Chronologie der steigenden Kosten für ein Prestige-Objekt
VON ANSGAR MÖNTER

Seid verschlungen, ihr Millionen | FOTOMONTAGE: ANDREAS FRÜCHT

Bielefeld. Arminias aktuelle Geldnot ist kein plötzlich auftretendes Phänomen. Ursache und Wirkung steigern sich in knapp einem Jahrzehnt kontinuierlich. Am Ende kostet die neue Osttribüne deutlich mehr als doppelt so viel wie in den Anfangs-Planungen. Hier die Chronologie einer unglaublichen Kostensteigerung, gesammelt aus dem Archiv der Neuen Westfälischen:

April 2001: Die Pläne für den Neubau der Osttribüne sind fertig. DSC-Vorstandsmitglied Werner Vogt schätzt die Kosten auf 15 Millionen Mark – wegen des Glasdachs. Noch wird mit Sitz- und Stehplätzen geplant.

Mai 2002: Die neue Osttribüne soll frühestens in einem Jahr gebaut werden, eventuell mit Logen. Sollte in das transparente Dach eine Photovoltaik-Anlage integriert werden, würden die Kosten von 7,5 Millionen auf etwa 10 Millionen Euro steigen.

Januar 2003: Arminia sucht einen Namensgeber für die Alm, der einen Teil der Baukosten von 8 Millionen Euro für die Osttribüne übernehmen soll.

März 2003: Ein Student aus Hannover untersucht die Machbarkeit des Ausbaus in einer Diplomarbeit. Der Betriebswirt empfiehlt unter anderem die Ausgabe von Aktien (Genussscheinen) zur Finanzierung.

Dezember 2004: Der Neubau wird bis 2006 verschoben. Kosten: noch 8 Millionen Euro.

Dezember 2005: Großer Auftritt von Roland Kentsch, Ulrich Möntmann und Frank Stopfel. Finanzgeschäftsführer, Immobilienmakler und Architekt stellen das neue Haupttribünen-Gebäude vor – mit 14 Logen. Kentsch beziffert die Kosten auf 10 Millionen Euro. Die Finanzierung ist noch ungeklärt.

Februar 2006: Ex-Sportminister Michael Vesper warnt Arminia vor "finanziellen Abenteuern". Kentsch sieht jedoch wegen der "sportlichen Erfolge eine gute Basis für die Finanzierung".

März 2006: Die "Lösung aller Probleme" wird vorgestellt. Tribünen-Gebäude mit Glasfassade, zwei Rängen, Business-Terrasse, Läden, Logen, Büros. Makler Möntmann soll gut 2.500 Quadratmeter Bürofläche – "Sky Office" oder "VIP Office" genannt – verkaufen. "Wir erhoffen uns dadurch 5 Millionen Euro", sagt Kentsch. 6 Millionen fehlen noch von den Gesamtkosten von 11 Millionen Euro. Möntmann: "Ich habe schon drei mündliche Kaufzusagen."

Januar 2007: Die Bau-Pläne werden überarbeitet. Architekt Stopfel hat nochmal nachgerechnet: Es bleibt bei 11 Millionen Euro. Kentsch freut sich über die "Abmilderung des Wettbewerbsnachteils" gegenüber andern Clubs; Möntmann sagt zur Vermarktung der Sky Offices: "Ich bin sehr zuversichtlich."

Juni 2007: Finanzgeschäftsführer Kentsch verkündet: Aus den "ursprünglich" 11 Millionen Euro Kosten werden 13 Millionen Euro.

September 2007: Die Osttribüne wird "etwas teurer als bisher angenommen": 15 Millionen Euro. Das teilt Kentsch mit. Zugleich lässt er wissen, dass an den Stehplätzen der Gäste nachgebessert werden muss. Und das sich der Finanzierungsplan ändert: Die Sky Offices und VIP Offices sollen nun doch nicht verkauft werden, sondern nur vermietet. Grund: Arminias finanzielle Lage hätte sich gebessert, man könne den Neubau aus eigener Kraft schultern.

August 2008: Stadionfest. Besucher bestaunen die Haupttribüne mit gepolsterten "Business-Seats" und "Premium-Logen". Ein Fan sagt: "Das ist das Lebenswerk des Vorstands."

November 2008: Mit "Fan-Anleihen" leiht sich Arminia 3 Millionen Euro von den Anhängern. Es gibt 6,5 Prozent Zinsen. 2011 soll alles zurückgezahlt werden. "Das ist sicherer als Lehman Brothers", sagt ein Präsidiums-Mitglied.

Februar 2010: Arminias Aufsichtratsmitglied Klaus Langenscheidt, zugleich beauftragter Bauunternehmer für das Stadion, moniert, dass der "knapp 19 Millionen Euro" teure Umbau überdimensioniert sei.

Kommentare
@Gunnar schrieb am 11.02.2010 08:18 Uhr: Das die neue Tribüne an unseren und Bielefelds Bedürfnissen vorbeigebaut wurde ist unbestritten und habe ich bereits anderweitig gepostet. Nur die Steht jetzt da, Umbaumaßnahmen bei der Planung fast nicht möglich mit Stehplätzen im unteren Bereich und jeder Umbau kostet auch wieder Geld. Die Fehler sind gemacht worden und fast nicht zu reparieren. Also was tun? Um zu unterstützen sollte jeder Bielefelder dem Arminia wichtig ist mal überlegen ob man für den Verein nicht doch die neue Tribüne bevölkert, auch wenns teurer ist. Hier ist jedoch auch der Verein in der Pflicht und sollte seinen sturen Kurs der Preisgestaltung schnellstens überdenken. Ist schon peinlich, 1.BL und unsere neue HAUPTTRIBÜNE überwiegend mit Auswärtigen gefüllt, einmalig in der Republik. Die Mängel der Tribüne müssen angemahnt werden, aber auch da ist der Verein am Zuge dieses zu tun und nicht einfach ohne Murren alle Mehrkosten bezahlen. Die "Schuldigen" müssen zur rechenschaft gezogen werden und für die Planungs- und Ausführungsfehler gerade stehen.

@Jay. Kurz noch mal zur Erklärung: Ich gehe über 30 Jahre ins Stadion und habe eine Dauerkarte. Es geht hier nicht um mich, sondern um die finanziellen Probleme, die auch und im Besonderen durch den neuen Tribünenbau entstanden sind. Du hast Recht, ich hätte mich klarer ausdrücken sollen, dass ich vorrangig die Sitzplatzbesucher der neuen Tribüne meinte. Ich dachte, das wäre klar, weil's ja um die Tribüne im Artikel geht. Aber das ich Recht habe, dass das von Anfang an stark kritisierte und realisierte Tribünenkonzept nicht passt, das zeigen doch die Besucherzahlen oder nicht? Es ist doch auch egal, was andere Stäte machen, es geht doch um uns Bielefelder! Hätte man das Konzept nach den Bedürfnissen der Bielefelder Zuschauer realisiert, ging es Arminia jetzt besser. Und mit, "dann bleibt doch weg", erreicht man gar nichts!

@Gunnar schrieb am 10.02.2010 15:38 Uhr: Geh nach Paderborn, nicht mal da kannst du auf den Geraden stehen, in allen B-Liga Stadien Land auf Land ab kann wenn überhaupt nur noch hinter den Toren gestanden werden. Stimmt, der Artikel geht über die Osttribüne, wohlgemerkt der ARTIKEL. Ich beziehe mich auf Deinen KOMMENTAR, in dem Du die Sitzplatzzuschauer als nicht wirkliche Fans bezeichnet. Wie gesagt, wir gehen aber ohne uns über Preise zu beschweren hin. Wenn du auf einer Gerade in einem deutschen Stadion noch stehen möchtest, empfehle ich Dir die Spiele in Amateurliegen zu besuchen, da kannst du dann gepflegt auf der Geraden stehen und das Spiel genießen. Toller Fan, der jetzt schmollt, weil Sie ihm seinen Sandkasten auf Block 6 weggenommen haben. Wenn Du wirklich Armine wärst, würdest Du auch auf den ungeliebteb Sitzplätzen, egal welcher Block und Bereich des Stadions unsere Arminen verfolgen und Sie unterstützen, sogar noch besser, da die Karten bei den nicht wirklichen Fans ja teurer sind. Block3, dann 5 jetzt J. Seit 35 Jahren. JMXIM

@Jay, du solltes auch erst richtig lesen, bevor du alles Besser weißt. 1. Nicht alle, sondern die meisten Besucher der neuen Tribüne (um die neue Tribüne geht's in dem Artikel). 2. Ich habe doch geschrieben, dass es nicht um den Preis geht, sondern um das Stehen mit guter Sicht von der Geraden aus, wie auf der alten Osttribüne. Ich kenne genug, die wollen Stehen und das nicht wegen des Preises, aber nicht aus einer Zweite-Klasse-Sicht. Aber wenn du das als Fan schon nicht verstehst, wie sollen es dann die hohen Herren erst verstehen? Und wenn alle weg bleiben sollen, dann frage ich mich, wie sollen die finanziellen Probleme gelöst werden? Insolvenz, Vereinsauflösung? OK, dann können alle weg bleiben, super Jay!

@Champangner - Willi: Glaub du mal einfach Alles was in der Zeitung steht. "Diese schludrige Recherche wollen wir der NW mal nachsehen." Super Aussage von dir, bezeichnend. Und dann noch der Hinweis "Das ist sicherer als Lehman Brothers", sagt ein Präsidiums-Mitglied. Das zeigt doch nur wie reisserisch der Artilkel aufgemacht ist. 2006 haen doch nur die Wenigsten an Lehman Brothers gedacht, ja noch nicht mal gekannt. Aber für viele liest es sich halt schön runter, ob die einzelnen Meilensteine stimmen oder nicht interessiert dabei doch die wenigsten.



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