Bielefeld. Aus der Gruppe der "Kritischen Arminen" hervorgegangen, ist Friedrich Straetmanns (48) seit einiger Zeit co-optiertes Mitglied des Aufsichtsrats von Arminia Bielefeld. Er berät mit, darf aber nicht abstimmen. Am Freitagabend stand er mitten unter den Fans. Im Gespräch mit Peter Burkamp rät der Sozialrichter, das Fan-Umfeld ernst zu nehmen, und sieht im Verkauf des Stadions eine Option zur Verbesserung der Finanzen.
Herr Straetmanns, die Meldungen über Arminias Finanzkrise haben viele Fans aufgeschreckt. Wie bewerten Sie die Lage?FRIEDRICH STRAETMANNS: Die Gefahr einer Insolvenz sehe ich nicht. Aber es ist eine Situation, in der wir realistische Lösungen brauchen und uns erarbeiten müssen. Das Modell des Stadionverkaufs sehe ich als mögliche Option. Der Verkauf ist nicht die Wunschlösung, aber er scheint auf den ersten Blick von allen Szenarien die bessere Variante. Wichtig ist mir dabei, dass die Mitglieder nicht alle Rechte abgeben. Dies könnte durch die Rückkaufoption gewährleistet werden. Das sollte vor der nächsten Hauptversammlung technisch soweit geklärt sein.
Wie konnte es überhaupt zu dieser kritischen Lage kommen?STRAETMANNS: Wir sind dabei, uns in die Zahlen zu vertiefen. Man hat Ähnliches zuletzt bei großen Banken und Wirtschaftsunternehmen erlebt. Ohne jemandem Vorwürfe machen zu wollen, aber die Kontrollmechanismen haben da versagt. Wir müssen das Ganze aufarbeiten, ein "weiter so" kann es nicht geben.
Im Dezember haben Sie Ihre erste Aufsichtsratsitzung erlebt. Hat die Realität bei Ihnen für Ernüchterung gesorgt?STRAETMANNS: Das will ich nicht sagen. Manche Entscheidungen, die ich von außen nicht verstanden habe, sind für mich nachvollziehbarer geworden. Bei anderen bin ich sehr diskussionsfreudig. Insgesamt ist der zeitliche Aufwand für alle Beteiligten höher als wahrscheinlich von außen wahrgenommen.
Die Finanzkrise ist von den Verantwortlichen offen dargestellt worden. Ist das der richtige Weg? STRAETMANNS: Diese Transparenz ist absolut in Ordnung und außerdem eine vertrauensbildende Maßnahme. Es gibt aber auch Themen, die gehören nicht in die Öffentlichkeit, weil das kontraproduktiv wäre.
Was bedeutet Transparenz für den Umgang mit den Fans?STRAETMANNS: Es ist ganz wichtig, und wir können uns da noch weiter verbessern. Niemand sollte das Umfeld unterschätzen. Es lohnt sich, sich mit den Fans auseinanderzusetzen. Fan-Kreise müssen gepflegt werden, man sollte sich mit ihnen beschäftigen. Ich denke, dass man auf Akzeptanz und Unterstützung stoßen wird, wenn wenn man versucht, Sachverhalte rüberzubringen.
Welche Rolle kann das Internet dabei spielen? STRAETMANNS: Darüber könnten Anregungen und Ideen kommuniziert und diskutiert werden. Allerdings muss man auch berücksichtigen, dass nicht jede Meinung in den Foren für eine Mehrheit steht. Mir tut es gelegentlich fast weh, wenn ich manche Fehlbehauptung lese.
Was möchten Sie dem Fan-Umfeld mitgeben.STRAETMANNS: Mir fehlt ein wenig der aufrechte Gang, das Umfeld sollte weniger verzagt sein. Da ist zu viel Selbstzerfleischung und zu wenig Optimismus. Es gibt genügend Potenzial, wenn ich an die 70er und 80er Jahre denke, als 30.000 bis 35.000 Leute auf der Alm waren. Wir müssen jetzt daran arbeiten, das Stadion und besonders die neue Tribüne zu füllen.
Wie und wo haben Sie den Sieg über Fürth erlebt?STRAETMANNS: Ich habe auf Block 2 gestanden, mit Schwiegervater, Patensohn und dessen Vater. Trotz der Krisenmeldungen war die Unterstützung da. Wir haben tolle Fans. Als die Mannschaft in der zweiten Halbzeit bis zum Anschlag gekämpft hat, hat sich das auf die Fans übertragen.
Glauben Sie, dass die Partnerschaft mit der regionalen Wirtschaft gelingt?STRAETMANNS: Ich bin da guter Dinge. Auf beiden Seiten ist viel guter Wille da, und wenn es scheitern würde, wären alle Verlierer. Wir müssen den Weg aber auch gehen wollen. In dieser Region ist eine Menge möglich, das sollten wir nicht mit Fleiß kleinreden. Allerdings dürfen wir auch nicht die Bodenhaftung verlieren. Es darf nicht nur um einen Mittelplatz in der Bundesliga gehen, sondern auch um die zweite Mannschaft und die Jugendarbeit.