Ahlen. Arminia Bielefeld schreibt weiter an der Geschichte der "dreckigen Siege", wie es Torhüter Dennis Eilhoff bezeichnete. Nach dem 2:1-Erfolg über Fürth in der Vorwoche rangen die Arminen diesmal Rot-Weiß Ahlen nieder. 1:0 hieß es nach 90 Minuten, von denen die zweiten 45 bisweilen dramatisch verliefen.
Arminen-Trainer Thomas Gerstner meinte, wie er sagte "überglücklich": "Wir haben den Gegner bestraft, weil er uns nicht bestraft hat. Ahlen hat lange eine Top-Leistung gezeigt. Wir hatten auch Glück." Tatsächlich begann die Partie mit drei höchst gefährlichen Warnungen der Rot-Weißen. Binnen acht Minuten mussten einmal Arminen-Torhüter Dennis Eilhoff und zweimal Schiedsrichter-Assistent Dirk Margenberg per erhobener Abseitsfahne retten. Das exakt 24 Stunden zuvor von den Arminen im Training studierte Attackieren des Gegners schon an dessen Strafraumgrenze demonstrierten die Ahlener mit höchstem Aufwand. Einzig die Effektivität fehlte.
Bielefeld hatte von Beginn an größte Probleme, die technisch anspruchsvoll ausgestattete Mittelfeldachse Delura/Federico/Katongo/Guela überhaupt in Position zu bringen. Erst in der 26. Minute kam Michael Delura nach einer gelungen Linksflanke Franck Manga Guelas zur ersten Arminen-Chance, kam aber mit dem Kopf nicht optimal hinter den Ball. Immerhin flaute der Ahlener Sturm nun etwas ab und verschaffte Bielefeld ein wenig Luft, ein kontrollierter Spielaufbau scheiterte jedoch entweder an ungenauen Zuspielen oder an den morastigen Platzverhältnissen im Wersestadion.
Die zweite Halbzeit begann mit einem Schock. Michael Lamey, vor der Pause gegen Alain Ollé Ollé zumeist überfordert und bereits in der 20. Minute mit Gelb bedacht, sah nach seinem nächsten Foul sein nächstes Gelb und flog mit Gelb-Rot vom Platz – dabei war die zweite Karte immerhin diskussionswürdig. Arminia also 42 Minuten in Unterzahl. "Das haben wir wohl gebraucht, da ging ein Ruck durch die Mannschaft", meinte Innenverteidiger Markus Bollmann nachher grinsend.
Dreimal versagten die Nerven
Trainer Thomas Gerstner sprach von einer "Zündung": Die Arminen kamen nun in die Zweikämpfe, behaupteten den Ball länger – und hatten schließlich den Mann, der den Unterschied ausmacht: "Ein bisschen Glück gehört auch dazu", wiegelte Giovanni Federico ab. Als er in der 62. Minute aus 19 Metern nach einem kurzen Blick aufs Tor ungestört mit rechts abzog, stand den rund 4.000 Ahlener unter den 5.212 Zuschauer schon der Schreck ins Gesicht geschrieben. So wie den Bielefelder Fans der Torjubel.
Sascha Kirschstein, ansonsten beinahe beschäftigungsloser Ahlener Torhüter, hatte beim Präzisions-Schuss ins lange Eck keine Chance. Als Ahlen in der Schlussphase mit Mann und Torhüter nach vorne preschte, und die Arminen "mit Mann und Maus verteidigten", so Eilhoff, hätten aus drei erfolgversprechenden Kontern auch noch mehr Tore für die Blauen fallen können. Doch den drei eingewechselten Daniel Halfar, Zlatko Janjic und Dominik Rotter versagten die Nerven. Gerstner meinte: "Das war nichts Schönes, aber effektiv. Auf diesem Platz von Fußball zu sprechen, ist schwierig. Wichtig ist darum nur, dass uns die drei Punkte weiterbringen. Das 0:0 vom Aufstiegskonkurrent St. Pauli nahm er "gelassen" zur Kenntnis. Der Freitagausflug war auch so befriedigend genug.
Rot-Weiß Ahlen - Arminia Bielefeld 0:1 (0:0)
Ahlen: Kirschstein - Busch (82. Book), Di Gregorio, Döring, Pelzer (87. Kittner) - Lartey (64. Stajic), Kern, Gorschlüter, Olle Olle - Bröker,
N'Diaye
Bielefeld: Eilhoff - Lamey, Mijatovic, Bollmann, Feick - Kauf - Delura (57. Janjic), Federico, Katongo, Guela (57. Halfar) - Fort (86. Rotter)
Tor: 0:1 Federico (62.)
Zuschauer: 5.212
Schiedsrichter: Guido Winkmann (Kerken)
Gelb-Rote Karte: Lamey wegen wiederholten Foulspiels (47.)
Gelbe Karten: Di Gregorio (5/4) - Fort (4), Janjic (2), Katongo (3)