Bielefeld. Im Vereinsmagazin Halbvier erinnern die Arminen an die frühen 80-er Jahre, als es zur "hübschen Tradition" gehörte, den Karlsruher SC daheim mit mindestens drei Toren Unterschied zu bezwingen. Die Generation 2010 war meilenweit davon entfernt, jemals in nostalgischen Rückblicken erwähnt zu werden. Nach der 0:1 (0:1)-Heimpleite und einer desolaten Leistung ist an Wiederaufstieg kaum mehr zu denken.
In einer Beziehung aber hatte das Team von Thomas Gerstner die DSC-Berufskollegen von 1982/83 (5:1) oder 1984/85 (4:1) schon vor dem Anpfiff übertroffen: Es kamen dank der Freikartenaktion immerhin 12.500 Zuschauer – damals waren es trotz Erstklassigkeit (!) nur jeweils 10.000 Fans. So viel zur guten, alten Zeit . . .
Den gestrigen Besuchern wurde an einem eisig kalten Montagabend einmal mehr einiges an Geduld und Leidensfähigkeit zugemutet. Selbst gegen den durch sechs Rückrundenniederlagen angeknockten KSC wich Cheftrainer Thomas Gerstner nicht von seiner ganz auf Sicherheit ausgerichteten Spielweise ab. So ergänzten sich langatmige Passfolgen und unproduktive Soli zu einem unansehnlichen und zudem für den Gast völlig ungefährlichen Mix.
Pfeifkonzert zur Halbzeit
Wenn dann wenigstens die beabsichtigte Absicherungswirkung eingetreten wäre! Aber wie schon gegen Fürth und Duisburg leistete sich die DSC-Defensive den Luxus eines frühen Aussetzers. Arne Feick ließ den 17-jährigen Matthias Zimmermann ungestört flanken, Nils Fischer seinen Gegenspieler Gaetan Krebs ebenso ungehindert schießen – perfekt war das 0:1 in der 17. Minute. Der Treffer hatte bis zur Pause keinerlei Auswirkungen auf das Geschehen: Arminia werkelte weiter hilf-, konzept- und ideenlos vor sich hin.
Wohlwollend gestimmte Beobachter verzeichneten Kopfballversuche von Zlatko Janjic und Pavel Fort als halbe Chancen – zu wenig, um ein gellendes Pfeifkonzert beim Halbzeitpfiff abzuwenden. Auf eine identische Situation hatten die Bielefelder gegen Fürth und den MSV jeweils mit einer Steigerung in Sachen Kampf und Leidenschaft reagiert. Das Gefühl, der DSC wolle mit Macht die Wende erzwingen, wollte sich aber erst ab der 55. Minute einstellen, als Feick mit einem Direktschuss nach Janjic-Flanke KSC-Keeper Markus Miller erstmals eine Abwehrparade abverlangte. Für den als Vertreter von Oliver Kirch restlos enttäuschenden Janjic war es die letzte Aktion. Daniel Halfar kam und mit ihm – keine Besserung.
Niemand hatte eine zündende Idee, den stabilen Abwehrriegel des KSC auszuheben. Hohe Bälle auf Pavel Fort als einziges Mittel verfehlten ihre Wirkung, ein vermeintlicher Regisseur wie Giovanni Federico war gänzlich abgetaucht, von den Außenbahnen ging kaum Gefahr und Zielstrebigkeit aus. Für einen selbsternannten Aufstiegsanwärter bot Thomas Gerstners Elf erschreckend wenig.
Gerstner geladen
In der 75. Minute wechselte Gerstner Stürmer Besart Berisha ein. Immerhin hatte der Albaner eine Torchance (77.) Noch näher am Ausgleich war Andre Mijatovic mit seinem Linksschuss (79.), doch der KSC überstanden auch diese Situation.
Gerstner war geladen: "So kann man nicht auftreten. Die Leidenschaft aus dem Spiel in St. Pauli hat gefehlt. Ich will hier nichts schönreden: Darüber wird noch zu sprechen sein." Die Zeit drängt. Schon am Freitag geht’s nach Aachen. Ob der Trainer dann noch Gerstner heißen wird? Sport-Geschäftsführer Detlev Dammeier gab auf diese Frage kein Treuebekenntnis ab, sondern erklärte: "Wir werden erst einmal die Situation analysieren. Egal, was ich sage, es würde mir ja doch um die Ohren gehauen."
Arminia Bielefeld - Karlsruher SC 0:1 (0:1)
Arminia Bielefeld: Eilhoff - Fischer (84. Rotter), Mijatovic, Bollmann, Feick - Risgård (75. Berisha) - Janjic (56. Halfar), Katongo, Federico, Guela - Fort
Karlsruher SC: Miller - Zimmermann, Sebastian Langkamp, Matip, Demirtas - Staffeldt, Aduobe, Engelhardt, Krebs (90. Schäfer) - Iaschwili (87. Stindl), Chrisantus (73. Tarvajärvi)
Tor: 0:1 Krebs (17.)
Zuschauer: 12.500
Schiedsrichter: Perl (Pullach) -
Gelbe Karten: Bollmann (5), Katongo (4), Mijatovic (4) / Engelhardt (5)
und der schon lange völlig planlos agierende 'Dummdamm' am besten gleich mit ihm!