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09.03.2010
Arminia: Hilflos, konzeptlos, ideenlos
Nach Heimpleite gegen Karlsruhe wackelt Trainer Gerstners Position
VON RAINER KLUSMEYER

Nur eine halbe Chance | FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

Bielefeld. Im Vereinsmagazin Halbvier erinnern die Arminen an die frühen 80-er Jahre, als es zur "hübschen Tradition" gehörte, den Karlsruher SC daheim mit mindestens drei Toren Unterschied zu bezwingen. Die Generation 2010 war meilenweit davon entfernt, jemals in nostalgischen Rückblicken erwähnt zu werden. Nach der 0:1 (0:1)-Heimpleite und einer desolaten Leistung ist an Wiederaufstieg kaum mehr zu denken.

In einer Beziehung aber hatte das Team von Thomas Gerstner die DSC-Berufskollegen von 1982/83 (5:1) oder 1984/85 (4:1) schon vor dem Anpfiff übertroffen: Es kamen dank der Freikartenaktion immerhin 12.500 Zuschauer – damals waren es trotz Erstklassigkeit (!) nur jeweils 10.000 Fans. So viel zur guten, alten Zeit . . .

Den gestrigen Besuchern wurde an einem eisig kalten Montagabend einmal mehr einiges an Geduld und Leidensfähigkeit zugemutet. Selbst gegen den durch sechs Rückrundenniederlagen angeknockten KSC wich Cheftrainer Thomas Gerstner nicht von seiner ganz auf Sicherheit ausgerichteten Spielweise ab. So ergänzten sich langatmige Passfolgen und unproduktive Soli zu einem unansehnlichen und zudem für den Gast völlig ungefährlichen Mix.

Pfeifkonzert zur Halbzeit

Wenn dann wenigstens die beabsichtigte Absicherungswirkung eingetreten wäre! Aber wie schon gegen Fürth und Duisburg leistete sich die DSC-Defensive den Luxus eines frühen Aussetzers. Arne Feick ließ den 17-jährigen Matthias Zimmermann ungestört flanken, Nils Fischer seinen Gegenspieler Gaetan Krebs ebenso ungehindert schießen – perfekt war das 0:1 in der 17. Minute. Der Treffer hatte bis zur Pause keinerlei Auswirkungen auf das Geschehen: Arminia werkelte weiter hilf-, konzept- und ideenlos vor sich hin.

Wohlwollend gestimmte Beobachter verzeichneten Kopfballversuche von Zlatko Janjic und Pavel Fort als halbe Chancen – zu wenig, um ein gellendes Pfeifkonzert beim Halbzeitpfiff abzuwenden. Auf eine identische Situation hatten die Bielefelder gegen Fürth und den MSV jeweils mit einer Steigerung in Sachen Kampf und Leidenschaft reagiert. Das Gefühl, der DSC wolle mit Macht die Wende erzwingen, wollte sich aber erst ab der 55. Minute einstellen, als Feick mit einem Direktschuss nach Janjic-Flanke KSC-Keeper Markus Miller erstmals eine Abwehrparade abverlangte. Für den als Vertreter von Oliver Kirch restlos enttäuschenden Janjic war es die letzte Aktion. Daniel Halfar kam und mit ihm – keine Besserung.

Niemand hatte eine zündende Idee, den stabilen Abwehrriegel des KSC auszuheben. Hohe Bälle auf Pavel Fort als einziges Mittel verfehlten ihre Wirkung, ein vermeintlicher Regisseur wie Giovanni Federico war gänzlich abgetaucht, von den Außenbahnen ging kaum Gefahr und Zielstrebigkeit aus. Für einen selbsternannten Aufstiegsanwärter bot Thomas Gerstners Elf erschreckend wenig.

Gerstner geladen

In der 75. Minute wechselte Gerstner Stürmer Besart Berisha ein. Immerhin hatte der Albaner eine Torchance (77.) Noch näher am Ausgleich war Andre Mijatovic mit seinem Linksschuss (79.), doch der KSC überstanden auch diese Situation.

Gerstner war geladen: "So kann man nicht auftreten. Die Leidenschaft aus dem Spiel in St. Pauli hat gefehlt. Ich will hier nichts schönreden: Darüber wird noch zu sprechen sein." Die Zeit drängt. Schon am Freitag geht’s nach Aachen. Ob der Trainer dann noch Gerstner heißen wird? Sport-Geschäftsführer Detlev Dammeier gab auf diese Frage kein Treuebekenntnis ab, sondern erklärte: "Wir werden erst einmal die Situation analysieren. Egal, was ich sage, es würde mir ja doch um die Ohren gehauen."

Fotostrecke
 
Klicken Sie auf ein Foto, um die Fotostrecke zu starten (8 Fotos).

Arminia Bielefeld - Karlsruher SC 0:1 (0:1)

Arminia Bielefeld: Eilhoff - Fischer (84. Rotter), Mijatovic, Bollmann, Feick - Risgård (75. Berisha) - Janjic (56. Halfar), Katongo, Federico, Guela - Fort

Karlsruher SC:
Miller - Zimmermann, Sebastian Langkamp, Matip, Demirtas - Staffeldt, Aduobe, Engelhardt, Krebs (90. Schäfer) - Iaschwili (87. Stindl), Chrisantus (73. Tarvajärvi)

Tor: 0:1 Krebs (17.)

Zuschauer: 12.500

Schiedsrichter:
Perl (Pullach) -

Gelbe Karten: Bollmann (5), Katongo (4), Mijatovic (4) / Engelhardt (5)


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Kommentare
Gerstner kommt mir vor wie ein Verkäufer, der auch noch den letzten Ladenhüter schönzureden versucht. Er soll bitte gehen -
und der schon lange völlig planlos agierende 'Dummdamm' am besten gleich mit ihm!

Es ist traurig, das von niemandemauch nur der Hauch eines "Vorwärts" Gefühls ausgeht. Vorstände kleben an Posten, der Präsident klebt am Stuhl. Der Trainer kann nicht mehr motivieren. Führen die Verantwortlichen auch so ihre eigenen Firmen. Ich möchte nicht mit Scham auf Geschäftsreisen den bielefelder Dilletantismus erklären. Ein Mittelklasseclub ist ja ein super Aushängeschild für die Bielefelder Kliniken.

Ob es nun das schlechteste Spiel war oder nicht ist doch egal. Tatsache ist, das wir eigentlich gute Spieler haben, aber die Mannschaft spielt nicht gut, KEINE Kombinationen und KEIN Kampf! Das ist seit langer Zeit so, und so sollte man nicht aufsteigen. Wenn ich nur gewinnen will, dann kann ich gleich Bayern fan werden. Aber ich bin Arminia-fan, weil mir die Einstellung der Mannschaft, der Kampf und die Leidenschaft immer super gefallen hat! All das ist weg! Die Siegesserie letztes Jahr war toll, aber gute Spiele waren da auch kaum dabei (und das sage ich nicht nur jetzt).
Also Konsequenzen sind dringend notwendig. So ist das unzumutbar, und zwar nicht wegen der Ergebnisse, sondern wegen der Art und Weise wie gespielt wird!! Dass der Kader mehr drauf hat ist wohl jedem klar. Aufsteigen werden wir mit TG nicht mehr, und gute Spiele gibt es unter ihm nicht. Das wiederum bedeutet mehr Zuschauerschwund, weniger Geld und schlechteres Image. Wenn man sich jetzt nicht festlegen will, da im Mai wohl (hoffentlich) der Schulterschluss mit der Wirtschaft bevorsteht, koennte man ja den Boehme ran lassen. Absteigen koennen wir nicht mehr, und sebst wenn wir dann mal 2:4 anstatt 0:1 verlieren, konnten wir wenigstents zweimal mehr jubeln als jetzt. Was wir brauchen ist ein neuer Wind und Mut zum Risiko.

Es ist hier auf den Philippinen 7 Uhr morgens. Hoffnungsvoll öffne ich die Homepage der NW und was lese ich, bzw. lese ich nicht: die Beurlaubung von Gerstner. Also darf der Typ so weiter machen wie bisher. Ich verstehe diesen Vorstand unter Schwick einfach nicht mehr. Warum intronisiert man nicht Böhme. Der steht eh im Gehalt, würde also vorerst keine weitere finanzielle Belastung bringen und kennt die Mannschaft.+++
Wenn es so weiter geht, können die Einlasskontrolleure die Fans bald mit Handschlag begrüßen, da, wie ich vernehme, immer mehr ihre Dauerkarte in den Reißwolf stecken. Tageskartenkäufer gibt es eh nicht mehr.++++
Und dann sind auch noch die Arroganzbayern weiter gekommen! Der Tag ist gelaufen.

um noch eins anzufügen... jedem trainer stehen schwächere phasen zu so lange eine vision und eine philosophie hinter dem ganzen steht. ein fähiger trainer, vlt auch als teammanager, braucht zeit um eine schlagkräftige truppe über einen längeren zeitraum zu formen. aber all das - eine philosophie, eine vision.... alles das fehlt! und die fans lechzen danach; einfach der beweis, dass sich etwas tut und das ein plan in die tat umgesetzt wird. so kann man aus dem abstieg eine chance machen, indem man beispielsweise die wirtschaft mit ins boot holt und gestärkt aus dem schlamassel wieder hevorkommt. mit dem jetzigen personal, ich möchte den viel kritisierten dammeier ausdrücklich ausklammern, scheint mir dieses nicht möglich.



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