Bielefeld. Bevor Thomas Gerstner im Juni bei Arminia anheuerte, hat er gewusst, dass seine Mission in Bielefeld vorzeitig würde enden können. Dass es vergangenen Mittwoch auch so gekommen ist, war trotzdem überraschend und ein emotional bewegender Moment für den 43-Jährigen. Nachdem er sich selbst eine Schweigepflicht auferlegt hatte, redete er jetzt offen über seine kurze, aber intensive Zeit in Bielefeld.
Viel ist ihm seitdem durch den Kopf gegangen. Wenig, was er im Nachhinein anders machen würde, viel was aus seiner Sicht in Ordnung war. "Was Trainingsmethodik, Fitness der Mannschaft und auch die erreichte Punktzahl angeht, werfe ich mir nichts vor", sagte Gerstner. "Bis zu meiner Entlassung haben wir 43 Punkte geholt und lagen drei Zähler hinter dem Dritten St. Pauli." Natürlich habe es zuletzt schwächere Heimspiele gegeben, und "wir haben es nicht geschafft, den offensiven Fußball zu spielen, den ich mir vorgestellt habe, aber wichtiger ist doch, dass wir gewinnen".
Dass dies gegen Karlsruhe nicht geklappt hat, wog am Ende zu schwer und löst selbstkritische Töne bei Gerstner aus. "Ich muss mir vorwerfen, dass ich die Mannschaft in diesem Spiel zu defensiv eingestellt habe. Wir wollten den Gegner kommen lassen, um einen Rückstand zu vermeiden. Doch genau das ist uns passiert." Zwei weitere Dinge kreidet er sich an: "Im Heimspiel gegen Augsburg habe ich personelle Änderungen vorgenommen. Da hätten wir lieber weiter gemacht wie vorher und womöglich nicht verloren."
Eine weitere Lehre, die er aus seiner Zeit bei Arminia gezogen hat: "Ich hätte als Trainer im Winter mit mehr Nachdruck einige Personalien durchdrücken sollen. Da habe ich vielleicht zu sehr im Interesse des Vereins gehandelt, obwohl es nicht unbedingt um Geld ging." Im Rückblick findet Gerstner einige Mosaiksteinchen, die den Saisonverlauf beeinflusst haben. Dazu gehören auch kritische Schiedsrichterentscheidungen (gegen 1860 und in Düsseldorf). Als Ausreden möchte er das aber nicht verstanden wissen.
Nachdenklich stimmt ihn die hohe Erwartungshaltung, die er selbst im Sommer geweckt hatte. "Vielleicht waren wir ein wenig zu früh Tabellenerster. Augsburg hat da sicherlich den besseren Weg genommen." Besonders die letzten Heimspiele beschäftigen ihn. "Gegen Fürth hat das Team Moral bewiesen und den Rückstand aufgeholt, gegen Duisburg wollten wir vielleicht zu viel - allein gegen Karlsruhe waren wir schlecht." Nicht umsonst habe er gesagt, man solle die Spieler fragen, was mit ihnen los sei. "Es hat gewisse Dinge gegeben, die Einfluss auf die Leistung hatten. Darüber rede ich aber nicht, weil sie privat sind." Am Ende, so glaubt Gerstner, werden die drei Teams oben stehen, bei denen am meisten Ruhe herrschte: Kaiserslautern, Augsburg und St. Pauli.