Sport-Geschäftsführer Dammeier ab sofort freigestellt / Verein bietet Stelle als Nachwuchskoordinator an
Bielefeld. Wie das heutzutage so ist im unbarmherzigen Profigeschäft: Zum Abschied gab es ein paar dürre Zeilen auf Vereinsvordruck-Standardpapier: "Detlev Dammeier wurde am heutigen Dienstag als Geschäftsführer der DSC Arminia Bielefeld Management GmbH mit sofortiger Wirkung freigestellt", hieß es da schwarz auf weiß. Es folgten Worte des Dankes durch den Aufsichtsrats-Vorsitzenden Norbert Leopoldseder, eine Beschreibung der angestrebten Neuordnung der Arbeit (Aufgaben des Trainers und des Sport-Geschäftsführers in einer Stelle bündeln) sowie die Mitteilung, dass ab sofort Frank Eulberg als verantwortlicher Cheftrainer das Zweitligateam betreuen soll.
Seit dem 20. März 2008 ist Dammeier als Nachfolger des ebenfalls glücklosen Reinhard Saftig Sport-Geschäftsführer eines Vereins, bei dem er auch seine 20 Jahre währende sportliche Karriere ausklingen ließ. Sechs Jahre Fußballprofi in Bielefeld, zwischenzeitlich Trainer der 2. Mannschaft, dann Sportchef und – nach der Entlassung von Thomas Gerstner – zusätzlich für drei Spiele Interims-Coach der Profimannschaft: "Herr Dammeier ist ein Armine, wie er im Buche steht", sagt Leopoldseder, dem es eine Herzensangelegenheit ist, dem gerade entlassenen höchsten Angestellten des Vereins eine persönlichere Würdigung angedeihen zu lassen. "Charakterlich und persönlich", so der Aufsichtsrats-Chef, genieße Dammeier bei ihm "hohe Wertschätzung". Und genau dies habe er dem Ex-Profi auch bei einem Vier-Augen-Gespräch am Dienstagmorgen mitgeteilt.
Arminia Bielefeld entbindet Detlev Dammeier von seinen Aufgaben als Sport-Geschäftsführer. Was halten Sie von dieser Entscheidung?
Das abrupte Ende der Tätigkeit als Sport-Geschäftsführer, die vertraglich bis 30. Juni 2011 dauerte, soll deshalb nicht das Ende von Dammeiers Arbeit für Arminia gewesen sein. Leopoldseder: "Wir sehen in Herrn Dammeier den richtigen Mann für den Jugend- und Nachwuchsbereich, ein Teil des Vereins, dem wir uns in der Zukunft viel intensiver widmen müssen als bisher – allein schon wegen der finanziellen Situation." Wenn er sich so "die Tesches dieser Welt" angucke – also die talentierten Arminen, die es in die Fremde verschlagen hat –, dann würde noch deutlicher, wie wichtig ein erfahrener Mann wie Dammeier auf diesem Gebiet sein könne.
Der umworbene Beurlaubte hat "noch keine Tendenz", ob er das Alternativ-Angebot annehmen wird. Dammeier gibt zu berücksichtigen, dass es zweifelhaft sei, "wie es bei den Mitstreitern ankommt, wenn jemand aus der Chefetage eine Etage runtergestuft" wird. Man werde sich aber noch mal zusammensetzen und ein "Ja" sei nicht ausgeschlossen – "wenn es der Verein wirklich will".
Das Ringen um die richtigen Worte an einem schweren Tag verdeutlicht, dass der 41-Jährige zu knabbern hat an der Entlassung, auch wenn diese "ja nicht aus heiterem Himmel kam". Nur: Im Gefühl, sich "nichts vorwerfen zu müssen", haben ihm die Aggressionen der letzten Wochen arg zugesetzt. "Zugegeben, wir verdienen gutes Geld", sagt Dammeier: "Aber kein Geld der Welt wiegt auf, was durch diese Antistimmung angerichtet wird. Wie waren wir vor kurzem noch alle zu Tode betrübt über Robert Enkes Freitod – und jetzt sieht man, wie schnell wieder zum Alltag übergegangen wird."
Der Mann, der 1987 mit der deutschen U-20-Nationalmannschaft Vize-Weltmeister war, wird die zwei Sportchef-Jahre als "interessant und erfahrungsreich" einstufen. Für die Gründe, die zu seiner Beurlaubung geführt haben (Abstieg aus der Bundesliga; falsche Transferpolitik) hat Dammeier " ein Lächeln übrig. Ich habe bestimmt nicht alles richtig gemacht, aber die meisten Entscheidungen würde ich wieder so treffen."