Bielefeld. Der Mann lässt keine Zweifel daran aufkommen, wer künftig im Verein das Sagen haben wird. "Ich will nicht der Grüßonkel sein, sondern diesen Klub führen", sagt Wolfgang Brinkmann mit angehobener Stimme. Und das funktioniere nur, wenn er die entscheidenden Steuerungsinstrumente in der Hand halte.
Brinkmann, für den nach 15 Jahren an der Spitze der Bielefelder Stadtwerke (2.200 Beschäftigte, 702 Millionen Euro Umsatz) das Führen alltäglich ist, hat sich entschlossen, auch im Fußball-Klub die Zügel in die Hand zu nehmen. Neben dem Präsidentenamt will er maßgeblichen Einfluss im Aufsichtsrat behalten, sagt er ohne Umschweife. Und fügt hinzu, dass es vielleicht sogar Sinn mache, wenn er an die Spitze des Gremiums trete. Bisher ist er stellvertretender Vorsitzender, Chef ist der Steuerberater und Ex-Profi Norbert Leopoldseder. Und dann noch eine Ansage: "Bislang sprechen viel zu viele gleichzeitig für Arminia Bielefeld – das wird sich ändern."
Auch die Bedingungen, die er für sein Engagement an der Spitze des Fußball-Zweitligisten stellt, formuliert er ohne Abstriche. 1. Die Stadt Bielefeld muss die erforderlichen sechs Millionen Euro bereitstellen. 2. Die Mitgliederversammlung des DSC Arminia muss der geplanten Satzungsänderung zustimmen.
Schwick darf noch Danke sagen
Neben Brinkmann wirken Arminia-Präsidiumsmitglied (das soll er auch bleiben) Andreas Mamerow und Aufsichtsratsmitglied Norbert Lohmeier wie Statisten. Selbst der langjährige bisherige Präsident Hans-Hermann Schwick, der in der Pressekonferenz direkt an der Seite von Brinkmann sitzt, spielt offenbar keine Rolle mehr. Immerhin darf er noch Danke sagen: "Ich danke Wolfgang Brinkmann, dass er sich für das Präsidentenamt zur Verfügung stellt." Eine Aufwandsentschädigung würde Brinkmann für das neue Amt nicht beziehen. Alle Präsidiumsmitglieder verzichten laut Schatzmeister Andreas Mamerow seit Herbst 2009 auf Zahlungen.
In die Vergangenheit will Wolfgang Brinkmann nicht mehr schauen. "Dafür haben wir jetzt keine Zeit. Unsere ganze Kraft ist erforderlich, um Arminia die Lizenz zu retten und die Insolvenz abzuwenden." Nur zwei Sätze ringt er sich ab. Die sind nötig, um das finanzielle Desaster, in das Arminia durch den viel zu teuren Tribünenbau und den Abstieg aus der Ersten Liga geschlittert ist, wenigstens ansatzweise zu erklären. "Die Finanzierung der neuen Osttribüne ist nicht optimal gelaufen." Und: "Die Budgetplanung für diese Saison war zu optimistisch."
Am dramatischen Ergebnis dieser Fehlleistungen der DSC-Führung gibt es nichts schön zu reden, auch nicht von Wolfgang Brinkmann. "Wir haben einen Liquiditätsbedarf von zwölf Millionen Euro." Übermittelt bekam der Klub diese Summe am 20. April in einem Brief von der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Brinkmann betonte jedoch, dass der Ligaverband einige seinerzeit schon umgesetzte Sparmaßnahmen für diese Berechnungen nicht berücksichtigt habe. Und dann nennt er die magischen Zahlen. Drei Millionen Euro könne der Verein selbst aufbringen, drei Millionen Euro ist die Wirtschaft bereit zu geben, sechs Millionen müssen von der Stadt Bielefeld kommen.
Zentrale Rolle für das Stadion
Der Sozialdemokrat Brinkmann, gestählt durch lange Jahre in der Bielefelder Kommunalpolitik, ist Stratege und gewiefter Taktiker. Deshalb bleibt er im offiziellen Teil der Pressekonferenz zurückhaltend, wenn es um die Frage geht, wie denn bitteschön die Stadt Bielefeld mit ihrem Haushaltsdefizit von 150 Millionen Euro sechs Millionen Euro für Arminia aufbringen soll. "Da reden wir der Stadt nicht rein, dass muss sie selbst entscheiden." Im kleinen Kreis nach der Pressekonferenz aber wird dann doch schnell klar, dass das Stadion eine zentrale Rolle spielen wird. Denkbar sei beispielsweise, dass die Stadt Bielefeld oder eine ihrer Tochterfirmen das Stadion oder Teile davon erwerben könnten. Verhandlungen darüber unter Einbeziehung der Sparkasse Bielefeld laufen längst.
So geht`s nicht, Herr Brinkmann!
Da wirtschaftet sich ein Fußballklub sehenden Auges über Jahre zugrunde, weil hinter den Kulissen und im Management die Selbstdarsteller und Unwissenden größtenteils nur Ihre Profilneurosen befriedigen und die Bürger sollen`s nun richten. Auch Sie, Herr Brinkmann, sind doch seit Jahren in die Geschehnisse um den selbsternannten Klub der Ostwestfalen involviert, versuchen jetzt aber zum Saubermann zu mutieren. Wie, bitte schön, möchten Sie den Menschen, die mit Fußball nichts "am Hut" haben, erklären, warum eine marode Stadt – Bielefeld befindet sich in der Haushaltssicherung – einem Pleiteverein unter die Arme greifen soll? Überdimensionierte Gehälter im hohen sechsstelligen Bereich für mittelmäßige Spieler und Leistungen, Abfindungen in Millionenhöhe für Trainer, Manager bzw.
Sportgeschäftsführer, Lustreisen für Vorständler zu Spielen und in Trainingslager sollten die Streichliste bei Arminia anführen, um die Finanzen zu konsolidieren. Wie wollen Sie sonst Hartz IV –Empfängern, kinderreichen Familien, Schülern, Studenten, Rentner und und und, die täglich mit neuen Sparzwängen und Preiserhöhungen auch im öffentlichen Bereich konfrontiert werden, erklären, warum die Stadt Bielefeld ausgerechnet einen Fußballklub subventionieren soll?
Und noch eins Herr Sozialdemokrat Brinkmann: Was an Ihrer Forderung sozialdemokratisch ist, das müssen Sie den Menschen dann auch erklären! Sollte letztendlich aber trotz allem der Profifußball städtische Zuwendungen erhalten, zweifle ich an unserem Gemeinwesen. Vermutlich wird mir das erspart bleiben, denn ich halte die Detmolder Regierungspräsidentin für schlau genug, der "klammen" Stadt Bielefeld eine Millionenunterstützung an den OWL-Pleite-Klub Arminia Bielefeld zu untersagen. Firmen und auch Privatpersonen, die in die Insolvnez gehen bzw. gegangen sind, müssen sich auch aus eigener Kraft "regenerieren"!