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01.05.2010
Wie Wolfgang Brinkmann Arminia Bielefeld retten will
Stadtwerke-Chef gibt sich als entschlossener Präsidentschaftskandidat
VON LOTHAR SCHMALEN UND JENS REDDEKER

Will starker Mann werden | FOTO: ANDREAS FAHL

Bielefeld. Der Mann lässt keine Zweifel daran aufkommen, wer künftig im Verein das Sagen haben wird. "Ich will nicht der Grüßonkel sein, sondern diesen Klub führen", sagt Wolfgang Brinkmann mit angehobener Stimme. Und das funktioniere nur, wenn er die entscheidenden Steuerungsinstrumente in der Hand halte.

Brinkmann, für den nach 15 Jahren an der Spitze der Bielefelder Stadtwerke (2.200 Beschäftigte, 702 Millionen Euro Umsatz) das Führen alltäglich ist, hat sich entschlossen, auch im Fußball-Klub die Zügel in die Hand zu nehmen. Neben dem Präsidentenamt will er maßgeblichen Einfluss im Aufsichtsrat behalten, sagt er ohne Umschweife. Und fügt hinzu, dass es vielleicht sogar Sinn mache, wenn er an die Spitze des Gremiums trete. Bisher ist er stellvertretender Vorsitzender, Chef ist der Steuerberater und Ex-Profi Norbert Leopoldseder. Und dann noch eine Ansage: "Bislang sprechen viel zu viele gleichzeitig für Arminia Bielefeld – das wird sich ändern."

Auch die Bedingungen, die er für sein Engagement an der Spitze des Fußball-Zweitligisten stellt, formuliert er ohne Abstriche. 1. Die Stadt Bielefeld muss die erforderlichen sechs Millionen Euro bereitstellen. 2. Die Mitgliederversammlung des DSC Arminia muss der geplanten Satzungsänderung zustimmen.

Schwick darf noch Danke sagen

Neben Brinkmann wirken Arminia-Präsidiumsmitglied (das soll er auch bleiben) Andreas Mamerow und Aufsichtsratsmitglied Norbert Lohmeier wie Statisten. Selbst der langjährige bisherige Präsident Hans-Hermann Schwick, der in der Pressekonferenz direkt an der Seite von Brinkmann sitzt, spielt offenbar keine Rolle mehr. Immerhin darf er noch Danke sagen: "Ich danke Wolfgang Brinkmann, dass er sich für das Präsidentenamt zur Verfügung stellt." Eine Aufwandsentschädigung würde Brinkmann für das neue Amt nicht beziehen. Alle Präsidiumsmitglieder verzichten laut Schatzmeister Andreas Mamerow seit Herbst 2009 auf Zahlungen.

In die Vergangenheit will Wolfgang Brinkmann nicht mehr schauen. "Dafür haben wir jetzt keine Zeit. Unsere ganze Kraft ist erforderlich, um Arminia die Lizenz zu retten und die Insolvenz abzuwenden." Nur zwei Sätze ringt er sich ab. Die sind nötig, um das finanzielle Desaster, in das Arminia durch den viel zu teuren Tribünenbau und den Abstieg aus der Ersten Liga geschlittert ist, wenigstens ansatzweise zu erklären. "Die Finanzierung der neuen Osttribüne ist nicht optimal gelaufen." Und: "Die Budgetplanung für diese Saison war zu optimistisch."

Am dramatischen Ergebnis dieser Fehlleistungen der DSC-Führung gibt es nichts schön zu reden, auch nicht von Wolfgang Brinkmann. "Wir haben einen Liquiditätsbedarf von zwölf Millionen Euro." Übermittelt bekam der Klub diese Summe am 20. April in einem Brief von der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Brinkmann betonte jedoch, dass der Ligaverband einige seinerzeit schon umgesetzte Sparmaßnahmen für diese Berechnungen nicht berücksichtigt habe. Und dann nennt er die magischen Zahlen. Drei Millionen Euro könne der Verein selbst aufbringen, drei Millionen Euro ist die Wirtschaft bereit zu geben, sechs Millionen müssen von der Stadt Bielefeld kommen.

Zentrale Rolle für das Stadion

Der Sozialdemokrat Brinkmann, gestählt durch lange Jahre in der Bielefelder Kommunalpolitik, ist Stratege und gewiefter Taktiker. Deshalb bleibt er im offiziellen Teil der Pressekonferenz zurückhaltend, wenn es um die Frage geht, wie denn bitteschön die Stadt Bielefeld mit ihrem Haushaltsdefizit von 150 Millionen Euro sechs Millionen Euro für Arminia aufbringen soll. "Da reden wir der Stadt nicht rein, dass muss sie selbst entscheiden." Im kleinen Kreis nach der Pressekonferenz aber wird dann doch schnell klar, dass das Stadion eine zentrale Rolle spielen wird. Denkbar sei beispielsweise, dass die Stadt Bielefeld oder eine ihrer Tochterfirmen das Stadion oder Teile davon erwerben könnten. Verhandlungen darüber unter Einbeziehung der Sparkasse Bielefeld laufen längst.
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Kommentare
Bielefeld ist auch ohne Arminia schön...

So geht`s nicht, Herr Brinkmann!
Da wirtschaftet sich ein Fußballklub sehenden Auges über Jahre zugrunde, weil hinter den Kulissen und im Management die Selbstdarsteller und Unwissenden größtenteils nur Ihre Profilneurosen befriedigen und die Bürger sollen`s nun richten. Auch Sie, Herr Brinkmann, sind doch seit Jahren in die Geschehnisse um den selbsternannten Klub der Ostwestfalen involviert, versuchen jetzt aber zum Saubermann zu mutieren. Wie, bitte schön, möchten Sie den Menschen, die mit Fußball nichts "am Hut" haben, erklären, warum eine marode Stadt – Bielefeld befindet sich in der Haushaltssicherung – einem Pleiteverein unter die Arme greifen soll? Überdimensionierte Gehälter im hohen sechsstelligen Bereich für mittelmäßige Spieler und Leistungen, Abfindungen in Millionenhöhe für Trainer, Manager bzw.
Sportgeschäftsführer, Lustreisen für Vorständler zu Spielen und in Trainingslager sollten die Streichliste bei Arminia anführen, um die Finanzen zu konsolidieren. Wie wollen Sie sonst Hartz IV –Empfängern, kinderreichen Familien, Schülern, Studenten, Rentner und und und, die täglich mit neuen Sparzwängen und Preiserhöhungen auch im öffentlichen Bereich konfrontiert werden, erklären, warum die Stadt Bielefeld ausgerechnet einen Fußballklub subventionieren soll?
Und noch eins Herr Sozialdemokrat Brinkmann: Was an Ihrer Forderung sozialdemokratisch ist, das müssen Sie den Menschen dann auch erklären! Sollte letztendlich aber trotz allem der Profifußball städtische Zuwendungen erhalten, zweifle ich an unserem Gemeinwesen. Vermutlich wird mir das erspart bleiben, denn ich halte die Detmolder Regierungspräsidentin für schlau genug, der "klammen" Stadt Bielefeld eine Millionenunterstützung an den OWL-Pleite-Klub Arminia Bielefeld zu untersagen. Firmen und auch Privatpersonen, die in die Insolvnez gehen bzw. gegangen sind, müssen sich auch aus eigener Kraft "regenerieren"!

So wie Herr Brinkmann meint, darf es auf gar keinen Fall gehen. Mal wieder sollen die privaten Schulden verstaatlicht werden. Wenn Arminia in der Region verankert ist und ein wertvolles Markenzeichen darstellt, dann ist auch privates Engagement gefragt, um die Marke zu erhalten. Die Rechnung ist doch ganz einfach: 8.000 Dauerkarten für die nächste Saison à 1.000.-€ (Verkauf ab sofort) bringen 8. Mio. Damit ist das Defizit nach bisherigem Stand weitgehend weg. Falls es in Ostwestfalen keine 8.000 betuchten Bürger gibt, denen Arminia eine solche Summe wert ist, haben wir auch keinen besseren Verein verdient als Wuppertal oder Krefeld

Das ist hier doch nicht das Ende, das ist erst der Anfang! Jeden Tag was neues und die gleichen Leute auf unterschiedlichen Posten! Da ist das Ende der Fahnenstange noch lang nicht erreicht!
Zeit den Sumpf trocken zulegen!

Was heißt Elite im zusammenhang mit dem Stadttheater.
Da kann jeder hingehen!

Glaubt irgendwer, daß die Stadt beim Nichtunterstützen von Arminia die genannte Summe von 6 Mio andersweitig einbringen wird.?! Natürlich nicht. Hier geht es um die Hilfe für eine Institution der Stadt Bielefeld ! Der Verein Arminia hat zugegebenermaßen in letzter Zeit nur für negative Schlagzeilen gesorgt. Nichts desto trotz ist Arminia neben den großen Wirtschaftsunternehmen wie z.B. Oetker, Gerry Weber oder Schüco der Werbeträger Nr. 1. unserer Region ! Ich als gebürtiger Bielefelder, der seit einigen Jahren in Düsseldorf lebt, habe mein Herz seit Geburt an meine Heimatstadt und die Arminia vergeben ! Mich kotzt es immer noch an, daß dieses Märchen, daß es Bielefeld nicht gibt, umhergeht. Alleine nur schon deswegen brauchen wir als Gegenpol die Arminia ! Was mich in Rage bringt ist die Tatsache, daß alle beteiligten Personen bzgl. des Baus der neuen Tribüne ungeschoren davon gekommen. (...) Wenn ich dann noch höre, daß die Zuschauerzahlen zu optimistisch geschätzt wurden, dann schlägt`s 13. Auf diesem Wege wurden andere finanzielle Mißstände unter den Teppich gekehrt. Ich weiß nur eines: Bielefeld ist Arminia und Arminia ist Bielefeld. Wer sich mit Bielefeld identifiziert, der sollte dieses auch mit der Arminia tun. Fußball ist ein seltsames Business, aber die Emotionen sind der Antrieb ! Daher mein Appell, stimmt der Umstrukturierung zu und auf zu neuen hoffentlich professionelleren Ufern als bisher geschehen !!! Einmal Armine immer Armine !!!!



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