Bielefeld. Den ersten Beifall des Abends gab es bereits vor Beginn des offiziellen Teils der Versammlung. Aus einer Mischung von Nostalgie und Zukunftsmusik.
Für Fatmir Vata, den wuseligen albanischen Wirbelwind, der für bessere Arminia-Zeiten steht. Für die 2. Mannschaft, die sich durch den 1:0-Sieg über Alemannia Aachen II auf einen Aufstiegsplatz in der NRW-Liga vorgearbeitet hat. Für die B-Jugend, die den Erzrivalen Preußen Münster im Westfalenpokal mit 3:2 ausschaltete.
Der Boden war bereitet für positive Zustimmung zur richtungweisenden Satzungsänderung des DSC Arminia. 95,4 Prozent der insgesamt 1.441 Menschen mit schwarz-weiß-blauem Herz, die Mittwoch in die Stadthalle gekommen waren, stimmten der Satzungsänderung zu – die erforderliche Dreiviertelmehrheit war deutlich überboten. Woran sicherlich auch Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen seinen Anteil hatte, der eine flammende Rede für den Erhalt des Profifußballs in Bielefeld hielt.
Wirtschaft setzt auf neue Satzung
Aus Sicht von Wolfgang Brinkmann, dem designierten neuen Präsidenten, hatte die außerordentliche Mitgliederversammlung ultimativen Charakter. Hätte die Arminia-Familie ihre Zustimmung zur Satzungsänderung verweigert, wonach ab sofort nicht mehr die Mitglieder direkt, sondern der Verwaltungsrat den Vorstand wählen – Brinkmann und sein Team hätten nicht als Präsidium zur Verfügung gestanden. Was zur Folge gehabt hätte, dass die heimische Wirtschaft ihre finanziellen Zusagen höchstwahrscheinlich nicht einhalten würde.
"Ich bin sehr optimistisch, dass ich auch dann eine Mehrheit bekommen würde, wenn ich mich einer direkten Wahl zu stellen hätte", erklärte der Geschäftsführer der Stadtwerke Bielefeld: "Aber es geht ja nicht um die Person Wolfgang Brinkmann, sondern um die Zukunft des DSC Arminia."
Für Brinkmann ist klar, dass es "einer Konzentration der Führungsfunktionen" bedarf, damit "wir wieder mit einer Zunge sprechen". Was bedeutet, dass er neben dem angestrebten Präsidentenamt auch den Posten im Aufsichtsrat behalten möchte - "ich eigne mich nicht dafür, nur der Grußonkel zu sein".
Wenige kritische Nachfagen
Dank der klugen Regie durch den neutralen Versammlungsleiter Christoph Schickhardt sowie den profunden Erklärungen von DSC-Berater Prof. Markus Buchberger hielt sich der Anteil der kritischen Nachfragen in Grenzen. "Sie geben ihr Wahlrecht ja nicht aus der Hand", erklärte Sport-Anwalt Schickhardt: "Sie legen es in die Hände des Verwaltungsrates, so wie es mittlerweile bei den meisten Profiklubs üblich ist."
Beide Hauptredner mussten einräumen, dass die neue Vereinstruktur auf sanften Druck von Wirtschaft und Sponsoren zustandegekommen sei, die sich durch die Änderungen ein Mehr an Einflussnahme erhoffen. Schickhardt: "Die neue Satzung ist keine Lebensversicherung. Aber Sie als Mitglieder haben das Recht und die Pflicht, den Verantwortlichen noch heftiger als zuvor auf die Finger zu klopfen."