Donnerstag, 09.02.2012
Homepage-Ticker | RSS | Twitter | Impressum | Kontakt | AGB | Mediadaten


Schrift

11.05.2010
FUSSBALL
Hain: "St. Pauli ist ein Lebensgefühl"
Ex-Armine erklärt, was den Aufsteiger neben sportlichem Erfolg noch auszeichnet
VON PAULA BERG

Wohlfühlfaktor St. Pauli | FOTO: DPA

Hamburg. "Es gibt so Momente, in denen weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe", sagt St. Pauli-Keeper Mathias Hain. Was er damit meint? Natürlich den grandiosen Aufstieg seines Vereins in die Bundesliga - und die berauschenden Liebesbeweise von mehr als 100.000 Fans, die am Sonntag den Erfolg mit ihren Braun-Weißen feierten.

"Es war überwältigend, auf dem Balkon vom Schmidt’s Tivoli auf der Reeperbahn zu stehen und auf dem Spielbudenplatz unter mir ein Meer aus Menschen zu sehen, die alle nur unseretwegen gekommen waren", sagt er sichtlich bewegt. "Das habe ich in diesem Ausmaß noch nie erlebt."

Dabei wäre er fast gar nicht dabei gewesen. Denn noch in der vergangenen Woche lag der 37-jährige Ex-Armine mit einer Kieferfraktur, Gehirnerschütterung und gerissener Lippe im Krankenhaus, nachdem er im Spiel gegen Greuther Fürth mit Stephan Fürstner zusammengestoßen war. Es war das vorletzte Spiel der Saison - und die Paulianer sicherten sich schon hier mit einem grandiosen 4:1 ihren Aufstieg.

Zweimal mit Arminia aufgestiegen

"Das war wirklich Pech", fasst Hain sein frühes Ausscheiden aus dieser Partie knapp zusammen und erzählt, dass er sich nur vernebelt an seine letzten Minuten im Stadion erinnern kann. "Ich war wohl ohnmächtig. Als ich wieder zu mir kam, hatte ich solche Schmerzen, dass ich um mich herum nichts mitbekommen habe."

Info

Wahnsinn am Millerntor

Die Regel "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel" bekommt am Millerntor eine ganz neue Bedeutung. Als um 16.55 Uhr die "Hells Bells"-Einlaufmusik ein zweites Mal ertönt, kommen 14 Kicker in Trikots von Erstligisten auf den Platz, und es heißt: Pauli gegen die Bundesliga. Klarer Sieger des Duells ist natürlich die Heim-Elf; klarster Verlierer der ungeliebte HSV. Timo Schultz ist in ein Jarolim-Trikot geschlüpft und schwalbt schon vor Anpfiff über den Acker. "Schulle" alias Jarolim kassiert unter tosendem Applaus Doppelrot, bevor das Spiel überhaupt angepfiffen ist.
Im Spiel grätschen die Bundesliga-Vertreter kollektiv ins Leere, und Ralph Gunesch ballert den Ball ins Tor. Als die Kiezkicker Trainer Stanislawski in Raubtier-Manier für eine Bierdusche erlegen, sagt dieser scherzhaft: "Alle Spieler werden entlassen, nächstes Jahr gibt’s ’ne komplett neue Truppe." Feiertechnisch unter dem Motto "Wir rocken die Bundesliga" ist Pauli jetzt schon erstklassig.

Dass er unter Standing Ovations selbst der Greuther-Fans hinausgetragen wurde, hat er später aus Erzählungen erfahren. So war für den Rest des Spieles Ersatzkeeper Benedikt Pliquett für Pauli im Einsatz und vertrat den Verletzten würdig. "Er hat einen super Job gemacht", sagt Hain anerkennend und erzählt dann tapfer, wie sehr er seinen Jungs gerade diesen Sieg gegönnt hat, weil er den Druck vor dem letzten Spiel genommen hat.

Und, dass es ja nicht so schlimm sei, dass er nicht dabei war - und auch am Sonntag nur Zuschauer war. "Ich bin mit Arminia zweimal aufgestiegen und weiß, wie sich das anfühlt: auf dem Rasen zu stehen, die glücklichen Gesichter der Fans zu sehen, ihre Energie zu spüren." Das hätte er mit seinen Braun-Weißen natürlich auch gerne erlebt. "Aber ich bin glücklich, dass ich überhaupt dabei war, und nicht das Bett hüten musste", sagt er und fügt schmunzelnd hinzu: "Ich hatte vom Arzt grünes Licht für ein, zwei Gläser Sekt bekommen."

Liebe für St. Pauli geht über das Berufliche hinaus

Ein, zwei Gläser Sekt, damit hätte er sich also schon zufrieden gegeben. Doch da hatte er die Rechnung ohne seine Mannschaft gemacht. Die nämlich hatte sich für die Begrüßungsrunde vor diesem letzten Spiel Trikots mit Hains Rückennummer 25 angezogen. "Das hat mich fast von der Bank gehauen", sagt er. "Das war ein echter Freundschaftsbeweis."Dass seine Jungs dann die Chance auf die Meisterschale verspielt haben, fand Hain zwar schade - "aber die Begeisterung über den dann offiziell besiegelten Aufstieg war einfach größer". Und so ließ er sich dann mitreißen vom allgemeinen Glücksrausch und fuhr mit der Mannschaft im Doppeldeckerbus vom Millerntor zur Mega-Party auf der Reeperbahn.

Dem Torwart war es wichtig, seine Fans dort zu treffen, denn seine Liebe für St. Pauli geht über das Berufliche hinaus. "St. Pauli ist ein Lebensgefühl", sagt er. "Dieser Stadtteil ist einzigartig und der Fußball ist ein fester Bestandteil dessen." Hain arbeitet hier - und er lebt hier. Genauso wie viele seiner Team-Kollegen. "Flo Lechner wohnt bei mir um die Ecke, Marcel Eger direkt gegenüber. Vor den Heimspielen gehen wir zusammen zu Fuß über den Kiez zum Stadion. Das gehört dazu und erdet irgendwie." Gerade darum kann er das bisschen Wehmut in seiner Stimme dann doch nicht so ganz überspielen. Immerhin war er bis zu seinem Unfall in jedem Spiel der Saison von der ersten bis zur letzten Minute auf dem Rasen - und das, obwohl er mit seinem Ende bei Arminia eigentlich schon mit dem Fußball abgeschlossen hatte.

Doch dann kam gerade im richtigen Moment der Anruf aus Hamburg. Es war Pauli-Geschäftsführer Helmut Schulte. Ob Hain sich vorstellen könnte, bei St. Pauli zu spielen. "Klar konnte ich", sagt er fröhlich. Kurz nach dem Telefonat traf er sich mit Trainer Holger Stanislawski (40). Danach war klar: "Da unterschreibe ich." Es war eine Entscheidung des Herzens, nicht des Verstandes. "Ich war Feuer und Flamme."

Diese Flamme brennt bis heute: "Die Zeit hier hat meinen Horizont unglaublich erweitert." Dass St. Pauli jetzt auch noch in die 1. Liga aufgestiegen ist, ist für ihn das Sahnehäubchen. Zumal sein ursprünglicher Zweijahresvertrag kürzlich für ein Jahr verlängert wurde. Und danach? "Ich bin gerade dabei, Trainerscheine zu machen. Ich bin seit 20 Jahren Profi-Fußballer. Das ist das, was ich am besten kann. Warum soll ich mein Wissen nicht an andere weitergeben?" Die anderen, das wird vermutlich auch sein Verein sein. Der hat angefragt, ob er sich vorstellen könne, unter anderem als Torwart-Trainer für die Braun-Weißen weiterzuarbeiten. "Das war auch so ein Moment", sagt Mathias Hain, "da wusste ich, warum die Tür in Bielefeld zugegangen war. Das ist passiert, weil eine andere Tür ganz weit für mich offenstand."


Schrift

Kommentare
Westberlin war auch vor der Wende nicht gerade klein und die Konkurrenz im Westteil der Stadt konnteste inna Pfeife rauchen...

Ach weißte, die Hertha gab es schon vor der Maueröffnung und hatte zu der Zeit genauso geringe Zuschauerzahlen wie jetzt. Manche Kommentare regen wirklich zum nachdenken an ;-))

Das Beispiel Berlin ist wohl doch nicht so gut, denn es gibt mit Union, Dynamo usw. viele Mitbewerber um Zuschauerzahlen. Dieser NW-Bericht über Zuschauerzahlen beim DSC regt zum Nachdenken an, wenn man die Kommentare dazu liest.

Laut aktuellsten NW Bericht hatte die Arminia ihren besten Zweitliga-Zuschauerschnitt aller Zeiten, ist schon ein Unterschied, ob 5000 (in den 80ern), 11000 oder 14000 zu Spielen gegen Vereine wie Ahlen oder Paderborn kommen. Wenn man ein ausverkauftes Haus gegen den Nachbarn Paderborn erwartet, versteht man wirklich so einiges nicht...und noch was: Die Einwohnerzahl einer Region hat NICHTS mit der Zuschauerzahl zu tun, bestes Beispiel: Die Hertha, immer schon einen miserablen Schnitt gehabt!!

Sorry, so ganz verstehen muss man das nicht, oder ???
Es wird von einer Einwohnerzahl in Bielefeld geredet und geschrieben !!!
Jedoch redet die Ostwestfälische Wirtschaft davon das Arminia das Aushängeschild der Region sei und ist.
Also kann es doch wohl nicht sein das nur über Bielefelder Bürger, Stadionbesucher und Fans geredet wird.
Wie Tim schon schrieb, kommen ca.10000 Fans aus der Ostwestfälischen Region, da ist er Kreis Minden, Gütersloh und zum Teil auch Paderborn und Lippe dabei.
Es wird von einer Einwohnerzahl von 350.000 in Bielefeld geschrieben, jedoch hat der Raum OWL eine Menge mehr Einwohner.
Sicher ist da was bei wenn man aus Gladbach, Kaiserslautern eine Tradition hat wo Spieler spielten die heute noch ein Kultstatus haben.
Aber es geht um die Gegenwart und nicht das was war.
In der 1.Bundesliga kamen auch mehr Zuschauer ins Stadion gegen Mannschaften wie Bayern, Schalke, Dortmund, Köln. u.s.w !!!
Sorry wenn es gegen Paderborn nicht ausverkauft war.
Aber bei solchen Derby sollte man sowas eigentlich erwarten dürfen.
Leipzig und Dresden haben in der 3.ten Liga mehr Zuschauer zu bieten wie hier in OWL.
selbst Osnabrück hatte mehr Fans bei Heimspielen in der 3.ten Liga.
Mein Trinkwasser ist OK, weiss ja nicht was mit deinem Trinkwasser nicht stimmt.



 Seite 1 von 8
weiter >
  >>


WAS MEINEN SIE? SCHREIBEN SIE IHRE MEINUNG



Sicherheitscode:

Bitte geben Sie oben
stehenden Code hier ein*:


*Pflichtfelder




Hier Arminia-Tickets bestellen

Weitere Nachrichten über Arminia Bielefeld
Fabian Klos: Musterbeispiel der Arminia
Aller guten Dinge sind drei. Nachdem bereits Marc Rzatkowski und Johannes Rahn in den vergangenen Wochen als Kandidaten für die Wahl zum Drittliga... mehr
Für Arminia-Trainer Krämer muss die Null wieder hinten stehen
Bielefeld. Arminia Bielefelds Trainer Stefan Krämer muss seine Abwehr am Samstag beim Auswärtsspiel in Wehen (14 Uhr) erneut umstellen. Manuel Hornig... mehr

Kämpferisches Kullmann-Debüt bei Arminias Niederlage
Samir Arabi war auch eine halbe Stunde nach dem Abpfiff noch angefressen. Die 1:3-Niederlage gegen Sandhausen war vermeidbar... mehr
Noten und Statistik: Arminia Bielefeld - SV Sandhausen
SV Sandhausen: Ischdonat – Schauerte, Pischorn, Daniel Schulz, Kandziora – Fießer – Klotz, Danneberg, Ulm, Blum – Löning... mehr


DSC Arminia: Meistgeklickt heute vor ...

Anzeige


Anzeigen

Trainerspiel
Videos
Umfrage
Fabian Klos ein Spieler des Monats?





Aktuell im Forum: Diskutieren Sie mit!

Arminia-Fotos
Arminia gegen SV Sandhausen
Arminia gegen SV Sandhausen
Arminia Bielefeld - Darmstadt 98 3:2
Arminia Bielefeld - Darmstadt 98 3:2
Arminia: Ex-Armine Ansgar Brinkmann kickt mit Weltstars für guten Zweck
Arminia: Ex-Armine Ansgar Brinkmann kickt mit Weltstars für guten Zweck
VfR Aalen - Arminia Bielefeld 3:1
VfR Aalen - Arminia Bielefeld 3:1
Testspiel gegen den Hamburger SV
Testspiel gegen den Hamburger SV
Enger: Arminia Bielefeld trainiert im Sportpark
Enger: Arminia Bielefeld trainiert im Sportpark


SC Paderborn 07
SC Paderborn: Lediglich Lauftraining
Paderborn (hakl). Beim Fußball-Zweitligisten SC Paderborn ist weiter unklar, ob im kommenden Punktspiel in Fürth (Sonntag... mehr

PADERBORN: Weiter Nulltarif am Stadion
Paderborn. Die Energieteam-Arena bleibt eines der wenigen deutschen Zweitliga-Stadien, an denen Fußballfans kostenlos ihr Auto parken können.... mehr

SC Paderborn: Hornberger verkündet im NW-Chat Aus für Parkgebühren-Konzept
Paderborn (red). Riesiger Ansturm auf den SC-Paderborn-Chat bei nw-news.de: SCP-Manager Michael Born und Vizepräsident Martin Hornberger hatten... mehr

Von 13 bis 14 Uhr: Live-Chat mit Michael Born und Martin Hornberger
Paderborn (red). Fußball-Fans, aufgepasst: Treffen Sie heute zwischen 13 und 14 Uhr zwei der Väter des Erfolges beim Fußball-Zweitligisten SC... mehr

SC Paderborn: Kreuzbandriss bei Sören Gonther
Die schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden: Sören Gonther von Fußball-Zweitligisten SC Paderborn hat sich im Spiel gegen Union Berlin einen... mehr


Fußball
Stanislawski weg - Babbel möglicher Nachfolger
Zuzenhausen - Fußball-Bundesligist 1899 Hoffenheim hat nicht viel Geduld mit Holger Stanislawski bewiesen und dem Trainer nach nicht einmal acht... mehr

Bayern geschockt: Schweinsteiger fällt wieder aus
Stuttgart - Dem eigentlich so befreienden Sieg folgte nur einen Tag später der Schock: Der FC Bayern München muss im Titelrennen der Fußball... mehr

BIELEFELD: Löhner Nationalspielerin Lena Goeßling im Interview
Bielefeld. "Hallo", ertönt es am anderen Ende der Leitung. Die Stimme Lena Goeßlings klingt erfrischend klar und vermittelt den Eindruck... mehr

Wolfsburger Optimismus: Europapokal-Platz im Visier
Wolfsburg - Der Ausgang der DFB-Pokalspiele hat die Europapokal-Fantasien beim VfL Wolfsburg beflügelt. Weil mit Bayern... mehr

Sambia und die Elfenbeinküste Afrika-Cup-Finale
Bata/Libreville - Die Fußball-Nationalmannschaften von Sambia und der Elfenbeinküste bestreiten das Endspiel um den Afrika-Cup. Sambia schaltete im... mehr