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28.05.2010
Nur noch ein Wunder kann Arminia retten
Fußballverein blickt in den tiefen Abgrund
VON RAINER KLUSMEYER UND TORSTEN ZIEGLER

Leiden | FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Bielefeld. Die Sitzung beginnt um 15 Uhr, ist öffentlich und so bedeutungsvoll, wie wohl nie zuvor eine Zusammenkunft des Bielefelder Rates. Es geht um die Existenz eines Sportvereins, der sich in stolzeren Zeiten "Club der Ostwestfalen" nannte. Doch heutzutage ist der Zustand des DSC Arminia nicht einmal mehr geeignet, die Stadt, in der er seit 105 Jahren beheimatet ist, für sich zu gewinnen. 4,85 Millionen Euro als Sofort-Darlehen benötigen die Arminen, um das letzte Riesenloch im Vereinshaushalt zu stopfen.

Das haben Andreas Mamerow vom DSC-Vorstand und Norbert Leopoldseder als Aufsichtsratsvorsitzender dem Hauptausschuss der Stadt gestern in zweieinhalbstündiger Sitzung dargelegt.

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Live-Ticker von der Ratssitzung

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Die folgende Abstimmung lässt jedoch das Schlimmste für Arminia unausweichlich erscheinen. Nur die SPD stimmte für den Kredit, alle anderen Parteien stellten sich dagegen. Bewilligt der Rat die Nothilfe heute erwartungsgemäß nicht, dürfte die Deutsche Fußball Liga (DFL) dem Zweitligisten zum Stichtag 2. Juni die Lizenz endgültig verweigern. Dann wäre nach Aussagen aller Arminia-Verantwortlichen die Insolvenz eine unabwendbare Folge.

Fünf Monate gekämpft

Norbert Leopoldseder, Aufsichtsrats-Vorsitzender, hatte schon vor dem Gang zum Hauptausschuss kein gutes Gefühl. Nach allem, was er gelesen und in persönlichen Gesprächen erfahren habe, glaube er nicht, dass "es zu einem positiven Ende kommt", meinte der zutiefst resigniert klingende Ex-Profi. Die Skepsis war begründet.

Fünf Monate lang hat Leopoldseder nach Bekanntwerden des gigantischen Minus’ in der Vereinskasse gemeinsam mit dem designierten neuen DSC-Präsidenten Wolfgang Brinkmann und den Mitarbeitern der Geschäftsstelle um den Fortbestand der Bielefelder Bundesliga-Tradition gekämpft. Nun, auf der Zielgeraden, hatte sich bei ihm "der Eindruck festgesetzt, dass kurz vor Schluss die Luft ausgegangen ist". "Alles, aber auch wirklich alles", habe der Verein in den letzten Wochen abgeklopft nach Einsparpotenzial und so drei Millionen erwirtschaftet. Und: Die Wirtschaft habe ihren Beitrag zur Sanierung geleistet. Als Gast des Hauptausschusses, der hinter verschlossenen Türen tagte, wollte Leopoldseder "einen letzten Versuch" starten, eine Mehrheit für Arminia zu finden.

Von der Überzeugungskraft seiner Argumente offenbar selbst nicht mehr überzeugt, gab Leopoldseder einen Einblick in sein Seelenleben: "Man muss sich einmal vorstellen: Die Mannschaft wäre sofort frei, die Spieler könnten überall verpflichtet werden. Und unsere vielen Mitarbeiter. Die haben den absoluten Kampfeswillen, brennen darauf, weiterzumachen, haben jeden Tag zehn Stunden für uns geschuftet. Was würde das für Emotionen freisetzen, wenn es doch noch klappt. Deshalb: Das kann doch nicht alles gewesen sein."

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Scheint es doch, wie auch Leopoldseders Mitstreiter Mamerow befürchtet. Dabei hatte er zunächst noch positiv registriert, "dass wir ein sehr offenes und konstruktives Gespräch im Hauptausschuss führen konnten, indem wir viele Detailfragen zu unserem Rettungskonzept beantwortet haben. Wir haben um Hilfe gebeten, nichts gefordert, denn das stand uns nicht zu. Aber am Ende habe ich vernommen, dass nur die SPD für den Kredit gestimmt hat."

In den heutigen Tag geht Mamerow mit der vielzitierten Floskel, nach der die Hoffnung zuletzt stirbt. "Es ist ja nicht das Schlechteste, noch einmal drüber zu schlafen", sagt er und meint die Politiker, die das Arminen-Ansinnen bislang ablehnen. "Außerhalb Bielefelds", betont Mamerow, "vor allem in den Bundesligastädten würde das keiner verstehen, sollte die Ablehnung Bestand haben." Die Ratsmitglieder müssten die Folgen einer Insolvenz von Arminia abschätzen. Mamerow benannte sie schonungslos am Beispiel des Stadions Schüco-Arena: "Das wird eine Bauruine, da machen wir uns nichts vor."


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Kommentare
...es ist nicht zu fassen- Herr Lux und "seine" CDU(die
unglaublichen Unterstützer der Arminen) üben jetzt noch heftig Kritik an den erfolgreichen Bemühungen von Herrn Brinkmann und seinem Team!
Lieber Herr Lux, man kann ja sicher mal ein Spiel verlieren, aber nachher noch den Besserwisser spielen, daß ist äußerst schlechtes Benehmen!
Spätestens seit heute kann ich solche Politiker einschätzen!l

Ich bin irgendwie traurig und auch wütend auf die armseligen Politiker dieser langweiligen Stadt. Allerdings steht auch eines fest: die Arminen konnten noch nie rechnen bzw. wirtschaften. Seit 1978 bin ich regelmässig zur Alm gegangen, habe mich auf den Plätzen der Oberliga genauso herum getrieben, wie auf denen der Bundeliga. Aber in den letzten Jahren hat mein Interesse immer mehr abgenommen. Da wird z.B. eine Tribüne gebaut und für die Plätze unverschämte Preise verlangt. Und als ich vor ca. 3 Jahren das letzte Mal da war (gegen Cottbus), wurde man genötigt "rote Karten gegen rechts" hoch zu halten. Da wird einerseits gesagt, Politik habe nichts im Stadion zu suchen und andererseits werden dann solche überflüssigen Aktionen durchgeführt. Na ja, das war`s dann wohl. Provinz bleibt eben Provinz und Bielefeld die lächerlichste "Großstadt" Deutschlands. Schade ist es trotzdem. Tschüs, Arminia....

Wenn ich die Aussage 'Fünf Monate gekämpft' lese, weiß ich nicht ob ich mich totlachen soll! Vor zwei Monaten hat man uns noch erzählt, mit einem 'guten Gefühl' aus Frankfurt von der Krisensitzung beim DFB zurückgekehrt zu sein. Anstatt alle Hebel in Bewegung zu setzen, um Geld rein zu bekommen, wurde erstmal wochenlang den Mitgliedern erklärt, die Lizenz gäbe es nur mit einer Satzungsänderung. Nun kommen Brinkmann und Mamerow aus dem Rathaus und jammern, daß sie kein Geld von der Stadt bekommen. Wie kann man so unfähig sein! Hätte man mich als Mitglied gefragt, ob ich mit vielen anderen einen finanziellen Beitrag für den Erhalt von Arminia gebe - ich hätte nicht Nein gesagt! Hätte man mich als Investor von 'Bau auf Blau' gefragt, ob ich auf einen Teil meiner Anlagesumme verzichte bzw. den Rückzahlungstermin verschiebe oder niedrigere Zinsen akzeptiere - ich hätte nicht Nein gesagt! Lieber Herr Mamerow, ich vermisse ihre Anfrage an mich und alle, denen Arminia am Herzen liegt, in meinem Briefkasten! Hätte man vielleicht auch die KGaA in eine AG umwandeln können, damit Mitglieder Anteile erwerben? Hätte man auch Benefizspiele ausrichten können? Hätte man zur Not auch Karten für ein 'virtuelles Spiel' verkaufen können? Andere Vereine kämpfen monatelang, jahrelang um ihre Existenz. Siehe St. Pauli, siehe Jena und viele andere. Bei uns wird uns monatelang was vorgegaukelt um am Ende die Politik in die Verantwortung zu bringen! Sollte es noch mal einen Arminia-Präsidium geben, dann will ich da keinen der jetzigen Amts-Inhaber mehr sehen, denn die haben komplett versagt!

Arbeitszeugnis für ALLE Ratsparteien in Bielefeld, Herr Brinkmann, Herr Leopoldseder, Herr Mamerow, Herr Schwick usw.:
"MAN HAT SICH STETS BEMÜHT!"= Mangelhaft/Unfähig!

Komme gerade von der Sitzung,als die mit 500.000
anfingen bin ich abgehauen.
Als ehemaliger CDU Dauerwähler muß ich sagen das sich die SPD,allen voran Pit Clausen bis aufs letzte für Arminia eingesetzt hat.Leider hat das die (...) von der CDU,Grüne usw.nicht überzeugt.
Die 500.000Euro sind nur Pseudogeld,nach dem Motto wir haben alles versucht aber die Wirtschaft ist Schuld das Arminia pleite ist,
Herr Brinkmann sah sehr angeschlagen aus,ich glaube der weiß echt nicht wo er bis Mittwoch 2.35 Millionen Euro auftreiben soll.
Lasst uns morgen alle Lotto spielen und weiter hoffen.



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