Bad Füssing. Einen solch hochdekorierten Spieler hat es in der mehr als 100-jährigen Geschichte bei Arminia Bielefeld kaum gegeben – außer Stefan Kuntz, den Europameister von 1996. Doch Oliver Neuville ist immerhin Vizeweltmeister 2002, WM-Dritter 2006 sowie Vize-Europameister 2008.
Von diesem letzten Titel will die Bielefelder Neuwerbung aus Mönchengladbach nicht so viel wissen. "Nur einmal gegen Österreich stand ich auf dem Platz. Und das auch nur für sieben Minuten", erzählt der 69-malige Nationalspieler.
Auch seine Einsätze in der 2. Bundesliga sollen wieder mehr werden. In der vergangenen Saison gehörte der 37-Jährige nur einmal zur Mönchengladbacher Startformation und wurde lediglich elf Mal eingewechselt.
Arminia Bielefelds Trainer Christian Ziege wird ihm mit Sicherheit ausreichende Zeiten zum Fußball spielen gewähren. In der vor allem im offensiven Bereich noch sehr jungen Bielefelder Mannschaft ist Neuville der Routinier, Lenker und Denker in einer Person.
Ziege und Neuville sind 2004 zeitgleich nach Mönchengladbach gewechselt. Zieges Versprechen damals beschreibt Neuville wie folgt: "Wenn ich einen Verein finde, hole ich dich."
Ziege hielt Wort. Im Frankreich-Urlaub erhielt Neuville einen Anruf Zieges. Gleichwohl lagen ihm weitere Angebote aus Australien, Amerika und Asien vor. Die beiden Freunde mussten nicht lange um den heißen Brei reden. Neuville sagte Ja zu Arminia. Er lobt seinen Freund und Trainer in den höchsten Tönen. "In Deutschland ist er ein Großer. Er weiß, wie Fußball funktioniert." Autoritätsprobleme sieht Neuville keinesfalls. "Auf dem Platz ist er der Boss. Er hat das Sagen. Und das ist auch richtig so."
In Bielefeld ist der Mann für die wichtigen Tore (WM 2002: 1:0-Schütze im Achtelfinale gegen Paraguay; WM 2006: Jokertor zum 1:0-Vorrundensieg gegen Polen) bestens angekommen. Das Zentrum gefalle ihm sehr gut, sagt Neuville, der bei täglich zwei anfallenden Trainingseinheiten in einem Hotel übernachtet. Ansonsten reist er so oft es geht zu seiner Lebenspartnerin Koula nach Mönchengladbach. Die Beiden haben spannende Wochen vor sich. Im Oktober wird Oliver Neuville zum zweiten Mal Vater. "Lars bekommt ein Brüderchen", verrät der Fußballprofi.
In der neuen Saison will Oliver Neuville vor allem mit guten Leistungen auffallen. "Schließlich habe ich die vergangenen zwei Jahre in Mönchengladbach kaum gespielt." Von seinen zahlreichen neuen jungen Mitstreitern ist Neuville angetan. Vor allem Marwin Studtrucker hat es ihm angetan. "Er wird sicher seinen Weg machen, wenn er weiterhin hart an sich arbeitet." Er selbst hat einen Einjahresvertrag unterzeichnet. "Vielleicht hänge ich noch ein Jahr dran", sagt Neuville. "Wenn es läuft."
Dafür soll Christian Ziege sorgen. Neuville vertraut ihm: "Er hat eine Philosophie. Wie müssen nur ein wenig Geduld aufbringen."