Bielefeld. Hans-Hermann Schwick hatte mit dem Thema abgeschlossen. Ein letztes Mal wollte er als Präsident des DSC Arminia auftreten, ein letztes Mal verdiente Mitglieder ehren und Bilanz ziehen. Für seine finale Rede als Vereinsoberhaupt erntete Schwick am 22. Juni 2009 gefälligen Beifall.
Damit war nicht zu rechnen gewesen. Offenbar aber erinnerte sich die ihm mittlerweile überwiegend kritisch eingestellte Mitgliederschar daran, dass der Jurist seit seinem offiziellen Einstieg als Präsident 1991 an der Entwicklung des Vereins vom Dritt- zum Bundesligisten mitgewirkt hatte.
Viele klatschten aber auch erleichtert, als Schwick nach 18 Jahren als Vorsitzender den Weg freimachte. Frei für weniger belastete Kandidaten. Frei für eine Zukunft ohne verkrustete Strukturen. Bekanntlich endete der Abend im Chaos. Der von der Wirtschaft als Schwick-Nachfolger präferierte Klaus Daudel und sein potenzieller Gegenkandidat Dirk Obermann disqualifizierten sich selbst durch ihre Auftritte. Plötzlich war Hans-Hermann Schwick wieder da. Der aus dem Amt Gedrängte durfte sich wie der heimliche Sieger fühlen, als er damals auf Bitten des Versammlungsleiters Michael Vesper noch einmal antrat und – wenn auch mit knapper Mehrheit – tatsächlich gewählt wurde.
In schweren Stunden war er da
Ein Job auf Zeit, das wusste Schwick. Bedeutende Unternehmer hatten klar gemacht, dass sie von ihm nichts hielten, dass mit ihm keine Aufbruchstimmung zu erzeugen sei. Doch eine Arminia ohne Führung wäre in den Augen Schwicks blamabel gewesen. So übernahm er noch einmal Verantwortung. Wie schon zu Beginn seiner Vorstandsarbeit 1990 – von Präsident Wolfgang Walkenhorst gefragt – zu einer Zeit, da Arminia im Amateurlager zu verschwinden drohte. In schweren Stunden war Schwick da.
Wenn er aber im Juni 2009 gewusst hätte, dass Arminia gut neun Monate später die Insolvenz, gar die Streichung aus dem Vereinsregister drohte, und er bei vielen Fans stellvertretend als Verantwortlicher für dieses Desaster angesehen wurde, hätte er sicherlich gezögert, vielleicht sogar abgelehnt, weiterzumachen. Es hat ihn persönlich betroffen gemacht, dass sein Name mit Zahlungsunfähigkeit und Finanzchaos in Verbindung gebracht worden ist. Vieles, was er vorher geleistet hätte, sei deswegen verblasst, meinte er. Für jemanden, für den Arminia "Herzblut" ist, eine verständliche Gefühlslage.
Schwick hat stets das Wohl des Klubs im Sinn gehabt. Er bürgte sogar mit eigenen Mitteln in sechsstelliger Höhe, um den DSC vor dem Aus zu bewahren. Er wirkte aber auch oft hin- und hergerissen. Er schien mit sich zu ringen, weil er Probleme gesehen oder ungute Entwicklungen erkannt hat. Zu oft aber hat er sich dann zurückgehalten, zu selten Autorität bewiesen und die Dinge laufen lassen. Selbst langjährige Weggefährten hatten sich manchmal einen DSC-Chef mit mehr Charisma und größerer Überzeugungskraft gewünscht. Diesem Anspruch vermochte Schwick nicht gerecht zu werden. Gleichzeitig hieß es aber auch, dass kaum jemand den undankbaren Job haben wollte.
Die Reißleine zu spät gezogen
In der jüngsten und schwersten von zahlreichen Krisen, dem Ex-Präsidenten allein die Verantwortung aufzubürden, wie es im Umfeld viele tun, ist zu einfach. Schwick war weder der personifizierte Aufschwung, noch der alleinige Urheber für die fatale Situation, in der ein Rüdiger Lamm und ein Roland Kentsch eine für den Verein gefährliche Machtposition entwickeln konnten. Schwicks Führungsstil, den er selbst als zurückhaltend bezeichnete, mag dazu beigetragen haben, dass es zunächst Lamm, später Kentsch gelang, so starke Abhängigkeiten aufzubauen, dass die übrigen Verantwortlichen zu lange zögerten, die Reißleine zu ziehen.
Verwaltungsrat, Aufsichtsrat und Vorstand – alle haben zu lange weggeschaut, respektive ihrem Amt gemäß notwendige Entscheidungen zu spät getroffen. Beim Stadion beispielsweise, das Schwick einmal "als Lebenswerk des Vorstands" bezeichnete. Eine entlarvende Wortwahl, da man mittlerweile weiß, dass die Kostenexplosion von ursprünglich 12 auf am Ende knapp 20 Millionen für die luxuriöse, aber verwaiste neue Haupttribüne beinahe zum Grab für den Klub geworden ist.
Der Stadion-Neubau Anfang der 90er Jahre galt als Zeichen des Aufschwungs. Der Endausbau aber war eine der Ursachen für die aktuelle Talfahrt. So ist die Alm zum denkwürdigen Sinnbild für 19 Jahre Schwickscher Präsidentschaft geworden. Für ihre Höhen und für ihre Tiefen. Wenn am Sonntag der alte Vorstand entlastet werden muss, will Schwick dabei sein und wenn nötig, auch Rede und Antwort stehen.
a) Kein Rückgrat in Öffentlichkeit bei Druck - Trainer und Manager wurden vorschnell entlassen, wodurch riesige Abfindungen fällig wurden.
b) Zu hohes Risiko beim Stadionausbau / mangelndes Controlling