Präsident Brinkmann bestätigt Gespräche mit mehreren Kandidaten / "Helmer ist kein Berater"
Bielefeld. In der Kabine saßen 18 Spieler und die Betreuer wie ein Häufchen Elend. Die achte Niederlage (1:2 gegen Union Berlin) im zehnten Meisterschaftsspiel bewirkte eine gespenstische Ruhe. "Diese 90 Minuten waren wieder einmal Nadelstiche für den Verein und Christian Ziege", sagte Mittelfeldspieler Manuel Bölstler nach einer schlaflosen Nacht.
Der Trainer gewährte seiner Mannschaft nach drei Spielen in acht Tagen zwei trainingsfreie Tage. "An diesem Montag werden wir die Vorbereitungen für das Auswärtsspiel in Augsburg aufnehmen", sagte der Europameister von 1996.
Arminia Bielefelds Präsident Wolfgang Brinkmann sagte bereits unmittelbar nach der Niederlage am Freitagabend, dass der Verein sich weiterhin an die Vorgabe von sechs Punkten aus drei Spielen für Ziege halten werde. "Jetzt muss Herr Ziege eben zwei Siege aus zwei Spielen holen", beschrieb Brinkmann die neue Situation. Gleichwohl bemüht sich der DSC-Vorstand intensiv um einen Nachfolger für Christian Ziege.
Geschäftsführer Ralf Schnitzmeier meinte bereits am Freitag, dass im Falle einer Niederlage in Augsburg der neue Trainer schon am Sonntag präsentiert werden könnte. Brinkmann geht diese Problematik beschaulicher an. "Ein Nachfolger für Christian Ziege steht noch nicht fest. Wir haben ihn noch nicht gefunden. Mehrere Kandidaten stehen zur Verfügung. Wir werden mit allen Anwärtern in dieser Woche reden."
Eine Beurlaubung Zieges muss nicht unbedingt eine Auswirkung auf die Vertragsverhältnisse der beiden Co-Trainer Mario Himsl und Ralf Santelli haben. Brinkmann: "Der neue Trainer und Arminias Gremien werden darüber zum richtigen Zeitpunkt entscheiden."
Eine wichtige Rolle bei der Trainerfrage spielt auch der Aufsichtsrat des Vereins, der mit einer Zweidrittel-Mehrheit sich für einen neuen Trainer entscheiden muss. Das bedeutet, dass sich die derzeit sieben Aufsichtsrats-Mitglieder vorab schon ein Bild der Rettungskonzepte der Trainerkandidaten machen müssen, ehe sie ihre Wahl treffen. Der mögliche Ziege-Nachfolger wird auch in Doppelfunktion beim Schlusslicht der 2. Bundesliga arbeiten müssen. "Die Installation eines Sportmanagers ist sicherlich sinnvoll", betonte der DSC-Präsident. "Derzeit fehlt uns aber das Geld für eine Besetzung dieser Position."
Als falsch bezeichnete Brinkmann Mutmaßungen, am Freitag vor dem Spiel mit Thomas Helmer verhandelt zu haben. "Es war eine erste Kontaktaufnahme. Ich werde weitere Kontakte mit ihm pflegen, da er als ehemaliger Armine und Moderator von Sport 1 sich gut in der 2. Bundesliga auskennt", erklärte Brinkmann. "Er ist kein DSC-Berater", verdeutlichte Bielefelds Präsident.
Bielefelds Negativserie bekommen Arminias Spieler auch außerhalb des Spielfeldes zu spüren. "Man wird auch im privaten Bereich ganz schön angemacht", bestätigte Manuel Bölstler. "Es macht keinen großen Spaß mehr, in Bielefeld rauszugehen."
Bölstlers Ansichten zur nahen Zukunft: "Wir brauchen einen menschlichen Trainer, der vor allem mit den jungen Spielern gut umgehen kann. Christian Ziege macht dies überragend." Bei den Punkten allerdings liegt Ziege nicht im grünen Bereich.