Bielefeld. Paukenschlag beim Fußball-Zweitligisten Arminia Bielefeld: Zwei Tage vor dem Rückrundenstart gegen den FSV Frankfurt steht der Präsident auf der Kippe. Laut Informationen der Neuen Westfälischen aus mehreren Quellen hat der Verwaltungsrat des Klubs der Ostwestfalen Wolfgang Brinkmann das Vertrauen in seine Person und in seine Handlungsfähigkeit entzogen.
Dieses Gremium bittet laut Satzung den Ehrenrat gemeinsam mit dem Präsidium und dem Verwaltungsrat, diese schwierige Situation zeitnah zu erörtern. Im Klartext: Der Verwaltungsrat legt Brinkmann den Rücktritt nahe. Dem Gremium gehören Alexander Geilhaupt (Vorsitzender), Thomas Lauritzen (Stellvertreter), Dr. Olaf Köster und Friedrich Straetmanns an.
Hieß es zunächst, dass die Entscheidung einstimmig getroffen worden sei, gab es am Nachmittag von Mitgliedern des Verwaltungsrates widersprüchliche Stellungnahmen.
Wolfgang Brinkmann (66) ist Chef der Bielefelder Stadtwerke und erst seit dem 7. Juni 2010 Präsident von Arminia Bielefeld. Laut der am 5. Mai 2010 beschlossenen Satzungsänderung des Vereins bestellen die Mitglieder des Verwaltungsrates, die auf der Jahreshauptversammlung gewählt worden sind, das Präsidium inklusive des Präsidenten.
Hindrichs kritisiert Präsidium und Verwaltungsrat
"Die Schlussfolgerung des Verwaltungsrates in der Konsequenz, den Präsidenten in Frage zu stellen, ist mindestens überzogen. Viel mehr geht es auch um die Frage unseres Umgangs miteinander bzw. mit den Mitgliedern und nicht zuletzt mit der Öffentlichkeit", erklärte Aufsichtsratsvorsitzender Dirk U. Hindrichs am Nachmittag.
Auslöser der öffentlichen Auseinandersetzungen bei Arminia Bielefeld ist anscheinend die vom Präsidium des Clubs verschobene Mitgliederversammlung, die am gestrigen Donnerstag stattfinden sollte. Dabei sollte es um die geplante Ausgliederung der Schüco-Arena in eine externe Stadion-Gesellschaft gehen. Die Mitgliederversammlung soll nun nach der Saison stattfinden. Auch dazu äußerte sich Hindrichs: "Ich finde es nicht richtig, dass das Präsidium ohne Konsultation der anderen Gremien die politisch und emotional so wichtige Mitgliederversammlung verschoben hat. Die Gründe sind aber nachvollziehbar und insofern wären wahrscheinlich alle Beteiligten unter Hinzuziehung der gleichen Informationen, zum gleichen Schluss gekommen." (
Link: Die Stellungnahme des Aufsichtsratsvorsitzenden im Wortlaut)
Präsidium stellt sich hinter Brinkmann
Am Abend äußerten sich Arminias Präsidium und der Sponsorenbeirat pro Präsident Brinkmann. "Alle Mitglieder des Präsidiums stellen sich uneingeschränkt hinter den Präsidenten Wolfgang Brinkmann. Unverständlich ist dem Präsidium insbesondere, dass ohne Angabe von sachlich bezogenen Gründen dem Präsidenten die Handlungsfähigkeit abgesprochen wird", hieß es in einer Stellungnahme des Präsidiums. (
Link: Stellungnahme des Präsidiums im Wortlaut)
Der Machtkampf bei Arminia war natürlich auch das Thema beim Neujahrsempfang der Stadt Bielefeld. Zur Überraschung vieler erschien Brinkmann trotz der erneuten Querelen beim Zweitligisten gegen 17.15 Uhr im Rathaus. Er wirkte sehr ruhig und demonstrierte Handlungsfähigkeit.
Den großen Hintergrundbericht lesen Sie am Samstag in der Neuen Westfälischen.