Bielefeld. Carsten Fischer machte kein großes Aufhebens um seine Person. Am Montagabend trat der Betreuer beim Training der Bielefelder Amateure vor die Mannschaft und teilte den verdutzten Spielern mit, dass "es das für mich war". Er werde seine Arbeit bei den Blauen beenden. Vor dem Team gab er persönliche Gründe an, in der Öffentlichkeit wollte er keine schmutzige Wäsche waschen.
Dennoch sickerte aus dem Umfeld durch, dass Fischer, der sich beim DSC um die komplette Ausrüstung der Teams bis runter zur U 10 gekümmert hat, das Menschliche im Verein abhanden gekommen sei. Was sich zunächst banal anhört, sollten die Vereinsoberen als schrilles Alarmsignal begreifen. Ein Mann wie Fischer, der immer das offene Wort pflegte und für den der DSC Arminia in seinen 15 Jahren Tätigkeit stets mehr war als bloß ein Verein, geht verärgert und geknickt. Der Umgangston und die Umgangsformen seien harsch bis cholerisch – einfach unerträglich – geworden. Thomas Krücken, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ), bescheinigt ein anderer Mitarbeiter in diesem Zusammenhang eine "Halsschlagader XXL". Carsten Rump, Kapitän der Amateure, war von Fischers Abschied geschockt. "Wenn ein alter Haudegen wie er aufhört, reißt das immer eine große Lücke.
Einen gleichwertigen Ersatz für ihn zu finden, wird lange, lange dauern." Auch Rump meint, dass "das Wir-Gefühl nicht mehr so wie früher ist". Er führt dies auf die vielen neuen Gesichter in der Geschäftsstelle zurück. Dort hatte es zuletzt elf Entlassungen gegeben. "Die meisten sind erst kurz hier, mit denen kannst du eben nicht über die gute alte Zeit plaudern", sagt Rump. Kritiker unterstellen Krücken und seinem Team, dass sie ihren selbst ausgerufenen "Bielefelder Weg" falsch interpretieren – nämlich nach dem Motto: Alle Bielefelder weg! Tatsächlich haben in den vergangenen Monaten reichlich Mitarbeiter den Club verlassen, die auf eine langjährige Tätigkeit bei den Blauen zurückblicken können. Jörg Böhme, Andreas Knetter, Ilka Görmer oder Andreas Schneider, um nur ein paar zu nennen. Carsten Fischer ist aktuell der letzte, der sich verabschiedet hat. Andere, so ist zu hören, überlegen bereits. "Es steckt mittlerweile zu wenig Arminia in der Arminia", formuliert ein Betroffener.
Natürlich spielt in dieser Geschichte auch Geld eine Rolle. Obwohl der Verein nach außen stets propagiert, in diesen schwierigen Zeiten am Nachwuchs nicht sparen zu wollen, weil die Talente die Basis für die Zukunft seien (der Bielefelder Weg eben), hantiert die Klubleitung dennoch beim Unterbau fleißig mit dem Rotstift. Krücken bestätigt die Einsparungen: "Allerdings deutlich geringer als im Profibereich". Zunächst sollten die Mitarbeiter des NLZ eine Kürzung von 25 Prozent hinnehmen. Jetzt seien daraus 50 Prozent geworden. "Wir können nicht mehr zahlen wie ein Erstligist", begründet Krücken. Im Gegenzug für den geringeren Lohn sollten Helfer mehr arbeiten. Das habe bei einigen das Vertrauensverhältnis komplett zerstört. Einer flucht: "Wenn du denen die Hand gibst, musst du nachher nachzählen, ob du noch alle Finger hast." Krücken sieht dies naturgemäß anders: "Das ist die Meinung einer Minderheit." Er hat vielmehr vor dem anstehenden Saisonstart insbesondere bei den Trainern eine Aufbruchstimmung ausgemacht.
Carsten Fischer indes wird seinen Job bei der Arminia pflichtbewusst zu Ende bringen. "Bis ein Nachfolger gefunden ist, werde ich mich noch um alles kümmern. Es soll schließlich einen vernünftigen Übergang geben", sagt er. Auch die Amateure wird er noch einmal zu einem Abschiedsfrühstück zu sich einladen. Solche Leute werden dem DSC fehlen.