Bielefeld. Mit einem neuen Team an der Klubspitze will der angeschlagene Fußball-Drittligist Arminia Bielefeld die Rettung schaffen. Für das Trio um den Präsidentschaftskandidaten Jörg Zillies (65) steht nach eigenen Angaben zunächst die Aufarbeitung der aktuellen Finanzmisere im Vordergrund: "Unsere Aufgabe kann nur lauten, jetzt nüchtern und handwerklich eine Bestandsaufnahme der Zahlen zu machen", so Zillies am Donnerstag bei der offiziellen Vorstellung gemeinsam mit dem Schatzmeisterkandidaten Hermann Richter (54) und dem für die Abteilungen zuständigen Hans-Jürgen Laufer (62). Die Kandidaten stehen am Sonntag im Rahmen der außerordentlichen Mitgliederversammlung zur Wahl.
Zillies, ein Mann, der sich der Presse mit klaren Worten und klarer Linie vorstellte, wurde vor gut drei Wochen durch Arminia-Sponsor und Modeunternehmer Gerhard Weber ins Boot geholt: "Nach einem Anruf fand ich mich in einem Arminia-Krisenstab wieder. Dort habe ich eine kameradschaftliche Atmosphäre, aber auch Not gespürt."
Seitdem er einen Tag später seine Bereitschaft zur Kandidatur signalisierte, beschäftigt sich Zillies mit dem Schicksal des Klubs. Dabei gab es für ihn schon jetzt Überraschungen: "Ich dachte, hier ist schon Totentanz, aber es herrscht Aufbruchstimmung", so der Wirtschaftsfachmann, der in seinem Berufsleben mit manchen Unternehmenssanierungen betraut war. Ob es bei Arminia, der aktuell liquide Mittel fehlen, allerdings für die Sanierung reicht, lässt Zillies offen:"Wir müssen jetzt erstmal unsere Engpässe, Chancen, und Spielräume kennenlernen. Sicher ist nur, dass Arminia nicht länger ein Fass ohne Boden sein darf."
"Es ist knapp, es ist wirklich sehr knapp"
Zillies gab für den Fall seiner Wahl die Losung aus, dass es nur noch mit dem Dreiklang "Solidität, Geschlossenheit und Glaubwürdigkeit" weitergehen könne. Schließlich befinde sich der Klub, wie Schatzmeisterkandidat Richter erläuterte, "auf einem Schiff, das gerade dabei ist, auf einen Eisberg zuzusteuern". Zillies sagt klipp und klar: "Es ist knapp, es ist wirklich sehr knapp." Ein erstes Fazit seiner Arbeit will das neue Präsidium zur ordentlichen Jahreshauptversammlung ziehen, die turnusgemäß noch in diesem Jahr stattfinden muss.
Um das Schiff wieder auf Kurs zu bekommen, soll in naher Zukunft auch ein neuer Geschäftsführer kommen, dabei sei der Verein aber nicht unter Druck, so Zillies. Ein Anforderungskatalog werde aber erarbeitet.
Ein Bewerbungsverfahren für Trainer plant das neue Präsidium derzeit nicht: "Die sportliche Leitung imponiert mir", so Zillies über sein Zusammentreffen mit Trainer Markus von Ahlen, Co-Trainer Stefan Krämer und Manager Samir Arabi "Die drei Jungs sind geradeaus und sie sind stolz, dass sie bei Arminia sind. Solche Dinge motivieren mich."
Wie sehr ein Zillies-Präsidium nur als Erfüllungsgehilfe von Geldgebern wie Gerhard Weber fungiert, wollte der Präsidentschaftskandidat nicht vorab einschätzen: "Die Zeit wird es zeigen. Jede Art der Kraftmeierei ist in dieser Angelegenheit eine Gratwanderung. Ich fühle mich nur der Stadt und dem Verein verpflichtet."
Angesprochen auf die Ziele seiner Führungscrew, formuliert Zillies mit drastischen Worten: "Arminia muss sich den Hintern in Zukunft wieder selber abwischen können."
Was ist denn so schwer daran, einen Kontoauszug zu lesen?