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08.09.2011
Zillies sieht Aufbruchstimmung bei Arminia
Kandidaten für neues Präsidium stellen sich vor
VON JENS REDDEKER

Das zukünftige Präsidium von Arminia? | FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Bielefeld. Mit einem neuen Team an der Klubspitze will der angeschlagene Fußball-Drittligist Arminia Bielefeld die Rettung schaffen. Für das Trio um den Präsidentschaftskandidaten Jörg Zillies (65) steht nach eigenen Angaben zunächst die Aufarbeitung der aktuellen Finanzmisere im Vordergrund: "Unsere Aufgabe kann nur lauten, jetzt nüchtern und handwerklich eine Bestandsaufnahme der Zahlen zu machen", so Zillies am Donnerstag bei der offiziellen Vorstellung gemeinsam mit dem Schatzmeisterkandidaten Hermann Richter (54) und dem für die Abteilungen zuständigen Hans-Jürgen Laufer (62). Die Kandidaten stehen am Sonntag im Rahmen der außerordentlichen Mitgliederversammlung zur Wahl.

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Zillies, ein Mann, der sich der Presse mit klaren Worten und klarer Linie vorstellte, wurde vor gut drei Wochen durch Arminia-Sponsor und Modeunternehmer Gerhard Weber ins Boot geholt: "Nach einem Anruf fand ich mich in einem Arminia-Krisenstab wieder. Dort habe ich eine kameradschaftliche Atmosphäre, aber auch Not gespürt."

Seitdem er einen Tag später seine Bereitschaft zur Kandidatur signalisierte, beschäftigt sich Zillies mit dem Schicksal des Klubs. Dabei gab es für ihn schon jetzt Überraschungen: "Ich dachte, hier ist schon Totentanz, aber es herrscht Aufbruchstimmung", so der Wirtschaftsfachmann, der in seinem Berufsleben mit manchen Unternehmenssanierungen betraut war. Ob es bei Arminia, der aktuell liquide Mittel fehlen, allerdings für die Sanierung reicht, lässt Zillies offen:"Wir müssen jetzt erstmal unsere Engpässe, Chancen, und Spielräume kennenlernen. Sicher ist nur, dass Arminia nicht länger ein Fass ohne Boden sein darf."

"Es ist knapp, es ist wirklich sehr knapp"

Zillies gab für den Fall seiner Wahl die Losung aus, dass es nur noch mit dem Dreiklang "Solidität, Geschlossenheit und Glaubwürdigkeit" weitergehen könne. Schließlich befinde sich der Klub, wie Schatzmeisterkandidat Richter erläuterte, "auf einem Schiff, das gerade dabei ist, auf einen Eisberg zuzusteuern". Zillies sagt klipp und klar: "Es ist knapp, es ist wirklich sehr knapp." Ein erstes Fazit seiner Arbeit will das neue Präsidium zur ordentlichen Jahreshauptversammlung ziehen, die turnusgemäß noch in diesem Jahr stattfinden muss.

Um das Schiff wieder auf Kurs zu bekommen, soll in naher Zukunft auch ein neuer Geschäftsführer kommen, dabei sei der Verein aber nicht unter Druck, so Zillies. Ein Anforderungskatalog werde aber erarbeitet.

Ein Bewerbungsverfahren für Trainer plant das neue Präsidium derzeit nicht: "Die sportliche Leitung imponiert mir", so Zillies über sein Zusammentreffen mit Trainer Markus von Ahlen, Co-Trainer Stefan Krämer und Manager Samir Arabi "Die drei Jungs sind geradeaus und sie sind stolz, dass sie bei Arminia sind. Solche Dinge motivieren mich."

Wie sehr ein Zillies-Präsidium nur als Erfüllungsgehilfe von Geldgebern wie Gerhard Weber fungiert, wollte der Präsidentschaftskandidat nicht vorab einschätzen: "Die Zeit wird es zeigen. Jede Art der Kraftmeierei ist in dieser Angelegenheit eine Gratwanderung. Ich fühle mich nur der Stadt und dem Verein verpflichtet."

Angesprochen auf die Ziele seiner Führungscrew, formuliert Zillies mit drastischen Worten: "Arminia muss sich den Hintern in Zukunft wieder selber abwischen können."

Kommentare
Die Anlagen-Zeichner und Verlängerer müssen sich doch blau ärgern, wenn nicht mal ein Ergebnis der ganzen Aktion bekannt gemacht wird.

Was ist denn so schwer daran, einen Kontoauszug zu lesen?

@bleifrei und leo armine: Ihren Kommentaren stimme ich ausnahmslos zu. Auch mir hat sehr gut gefallen, dass zuerst die Überlebensfähigkeit des Vereins (wo stehen wir denn?) angegangen werden soll. Aber in Ergänzung meines Kommentars von 21.26 h stellen sich mir doch weitere gravierende Fragen. So will ich nicht an der Reputation der Neuen zweifeln, die steht für mich außer Frage, aber wissen die eigentlich, auf welche Kommandobrücke sie sich da begeben? Warum war es in der Woche, seit der öffentlichen Nominierung nicht möglich, sich ein einigermaßen klares BIld über Arminia machen zu können? Das beunruhigt mich außerordentlich! Zwei erfahrene Persönlichkeiten haben nach eigenen Angaben noch keinen Überblick über die Finanzsituation. Und dennoch wollen sie ans Ruder?? Warum war/ist es eigentlich sooo schwer, Licht ins Dunkel zu bringen? Diese Fragen müssten doch rasch zu klären sein:
1) Stand der "offenen" Verbindlichkeiten aus:
- Fananleihe
- DFB - Auflagen
- zugesagten Rückzahlungen an Sponsoren
- offene Rechnungen an Unternehmen etc.
- rückwirkende und künftige Gehaltszahlungen
- Finanzbedarf zur Sicherstellung des Spielbetriebs
- Zahlungen an Krankenkassen, Finanzämter etc.
- sonstige offene und fällige Rechnungen
2.) Konsequenzen nach Ablauf der Stundungsvereinbarungen, Annuitätenzahlungen
3.) anstehende Kosten für Investitionen?
4.) Sonstiges, noch nicht Bekanntes?
5..) Schlussfolgerungen nach den Erkentnissen

Zur Beantwortung der Fragen stehen doch die Herren Leopoldseder, Anders, Brinkmann, Lüttkemeier, Mamerow, Schnitzmeier und Heerhausen zur Verfügung, viele sogar vor Ort. Nicht zu vergessen: die Kontrolleure aus AR und VR.
Was mich mehr als nur irritiert: wieso kommen da beim Umdrehen der Steine immer neue Zahlen raus? Was ist da durch die Verantwortlichen in den letzten 24 Monaten eigentlich geschehen? Unterstellt, dass nicht Zahlen manipuliert oder sogar Täuschungen vorgenommen wurden, dafür habe ich nicht den geringsten Hinweis, dann müssten doch versierte Herren binnen Wochenfrist in der Lage sein, mit der viebeschworenen neuen "Offenheit" uns auch diese zu präsentieren. Um es noch deutlicher zu sagen: falls hier rechtsrelevante "Spielchen" gelaufen sind, diplomatisch ausgedrückt, dann sollte man schleunigst "Konsequenzen" ziehen. Oder aber sagt, warum ihr kein "klares" Bild bekommen habt. Schlicht und einfach!
Fazit: zur Person bekunde ich den beiden Herren meinen Respekt, allerdings kann ich angesichts der Lage nicht nachvollziehen, warum sie nicht v o r Übernahme des Amtes sich ein halbwegs vermittelbares Bild gemacht haben. Wenn ich sie wortwörtlich nehmen darf: so unbedarft hat noch keiner "freiwillig" ein solches Amt übernommen. Mein Dank gebührt dennoch ihrer Bereitschaft, dieses Himmelfahrtskommando übernehmen zu wollen, mir wäre wohler, ich hätte die Gewissheit, die wissen, was sie tun.
Schlussbemerkung: alle meine Bedenken könnten Herr Zillies und Herr Richter "leicht und sofort" zerstreuen, wenn sie dazu auf der MV hinreichende und substantielle Erklärungen abgeben. Machen Sie von der angekündigten Offenheit Gebrauch !

@Szenekenner
Ich habe schon öfter von diesen ominösen Investor aus dem Norden gehört. Laß uns doch an deinem Szenewissen teilhaben. Er scheint ja nur bei der Wahl Steins zum Präsi bereit gewesen zu sein Geld zu geben, da scheint ja die Liebe zu Arminia nicht sehr groß gewesen zu sein.

@szenenkenner: Welche Kompetenz hätte Herr Stein mitgebracht? Er hat gut Fussballgespielt - und was noch???
Ein Unternehmen zu führen verlangt einiges mehr...sportlicheKompetenz bringt der zukünftige GF mit - die anderen Jungs die jetzt das sagen haben werden - kümmern sich um die Zahlen..und haben die Kompetenz - .Herr Stein hat meines Wissens nach keinerlei BWL Kompetenz und war nichtmal Mitglied im Verein...
Wir brauchen keinen der das macht - um sich selbst zu prsentieren...wir brauchen Leute die anpacken und sich nicht in den Voerdergrund stellen - und genau das bringen zillies und co mit! Ein Herr Zillies muss sich nix beweisen...der Antrieb ist die Herausforderung Arminia wieder zum Leben zu erwecken!!! Was hatte Herr Stein denn für ein Konzept?
Nix gegen Ulli als Spieler - er war super und dafür bin ich als Fan auch dankbar - doch als Präsi hätte ich ihn nie gewählt - wir dürfen uns keine Fehlgriffe mehr erlauben....

Eigentlich wollte ich nur schreiben: Hr. Zillies gefällt mir und vor allem seine sachliche, direkte und vor allem pragmatische Ansage.
Aber, die zahlreichen Kommentare veranlassen mich doch noch ein paar Sätze mehr zu schreiben: Erstens, ist Hr. Zillies noch nicht gewählt. Wenn er also nun sagen würde, wir tun dies oder jenes, heißt es doch umgehend: "Anmaßend!" Zweitens, er und seine Mannen wollen sich zunächst einen ungetrübten Blick auf die derzeitige Situation verschaffen. ER verweist darauf, dass die angeblichen Ist-Zahlen zuletzt nahezu im Minutentakt ständig (nach unten) korrigiert wurden bzw. werden mussten. Wo bitteschön gibt es da Kritikpunkte? Genau diese Situation hat doch zum massiven Vertrauensverlust geführt. Bei Fans und Sponsoren/Geldgebern. Also, der absolut richtige Schritt, zunächst einmal glasklar das Zahlenwerk zu durchdringen. Sicherlich ist das für den Aussenstehenden mehr als verwunderlich, dass dieser Schritt nun zum x-ten Mal unternommen wird. Aber, bitte: wer würde denn in einer solchen Situation, in der der Wagen mit Höchstgeschwindigkeit in Richtung Mauer rast sich bei solch elementaren Dingen wie den Finanzen darauf verlassen, dass der bisherige Fahrer den Tacho richtig geeicht hat und das Lenkrad richtig eingestellt hat? Also, da müssen wir wohl nochmal durch und wohl ein letztes Mal Vertrauen aufbringen, dass die Zahlen nun wirklich mal belastbar erstellt werden.
Dass ein Bestandsaufnahme unabdingbar für alle weiteren Schritte ist, dürfte wohl jedem einleuchten. Natürlich können Ideen, Konzepte, Visonen, was auch immer existieren, jedoch brauche ich für eine Reiseplanung immer den Ausgangsort. Zumindest hilft das ungemein, wenn ich mal ankommen möchte ;-) Also, mache ich einen dicken Haken hinter Hr. Zillies Aussage, dass zunächst einmal "der Blick in die Kasse" stattfinden muss. Prioritäten richtig gesetzt. Wenn er etwas von neuen Trainer oder Spielern gefaselt hätte, dann wäre er bei mir bereits durchgefallen.
Drittens, wurde das grobe Vorgehen doch beschrieben: Kassensturz, Erkennen der Verbesserungspotentiale, Priorisieren der Arbeiten, Angehen der Verbesserungen. Was sollen die Herren Zillies und Richter denn nach zwei (drei?) Wochen mehr sagen? Mehr als die hier mehrfach kritisierten Platitüden würde da doch nicht kommen können.
Fazit: Mein Eindruck ist, dass hier kompetente und sachlich orientierte Herren am Werke sind, die trotzdem in der Lage sind Emotionen einschätzen zu können und eine positive Stimmung verbreiten können. Und wenn jemand, der mehrfach Unternehmen saniert hat davon redet, dass er trotz erwarteter Untergangsstimmung eine Aufbruchstimmung wahrgenommen hat, dann sollte dies positiv bewertet werden. Wer eine Unternehmenssanierung auch schon durchgemacht hat, der weiss, dass es sehr schnell zu Stagnation, Frustration und einer emotionalen Abwärtsspirale kommt, die die Arbeit lähmt. Sehen wir es also als weiteren positiven Aspekt, dass bei Arminia trotz aller Nackenschöläge der letzten Jahre immer noch die Ärmel hochgekrempelt werden.
Und ja, nach 100 Tagen werden wir wie bei allen Führungswechseln auch an den Herren einen "Blick in die Kassen" machen. Aber, diese Zeit sei ihnen nun wirklich zugestanden. Dass sie gewählt werden, steht für mich außer Zweifel.



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