Bielefeld. Ganz ohne Turbulenzen läuft bei Fußball-Drittligist Arminia Bielefeld wohl keine Jahreshauptversammlung ab. Anders als in früheren Jahren einigten sich die Mitglieder mit ihrem Präsidium in beiderseitiger Zufriedenheit.
Am Ende gab es Applaus für das Präsidium. Und die Vereinsoberen der Arminia dankten den Mitgliedern für deren gute Mitarbeitet während der JHV. Zuvor gab es einiges zu besprechen. Arminias Schatzmeister Hermann J. Richter hatte zu Beginn die gute Nachricht verbreitet: "Ich sehe den Pleitegeier nicht mehr."
Doch weiterhin trägt die Arminia eine Schuldenlast von, so Richter, insgesamt rund 27 Millionen Euro mit sich herum. Doch anders als früher hat das Präsidium nun einen klaren Plan, wie sie die Arminia raus aus den Schulden bringen wollen.
Stadiongesellschaft wichtig
Ein wichtiges Instrument dazu ist die bereits gegründete Stadiongesellschaft. Sie soll dem Verein ermöglichen, Darlehen in Eigenkapital umzuwandeln. "So können wir den Verein von etwa 50 Prozent der Schulden entlasten." Dazu sei es notwendig, dass Gläubiger bei ihren Darlehen Zinssenkungen zustimmen oder auf Tilgungen vorerst verzichten. "Das ist auch schon bei einigen passiert", sagte Richter.
Die Stadiongesellschaft ist eher als mittel- bis langfristiger Plan zu verstehen. Kurzfristig kann die Arminia durch eine Eigenkapitalerhöhung der Aktiengesellschaft (die Profiabteilung) an Geld kommen. Dem Antrag dazu, 49 Prozent der Anteile zu veräußern, stimmten die Mitglieder nach einigem Gesprächsbedarf zu.
Das Präsidium unterbrach die Versammlung kurzfristig, um den zuvor gestellten Antrag zu verändern. Der geänderte Fassung, die unter anderem besagt dass kein Investor mehr als die Hälfte der genannten 49 Prozent besitzen darf, stimmten die Mitglieder dann mit deutlicher Mehrheit zu.
Stadionzeitung nicht mehr per Post
Derweil werden auch weitere Sparpotenziale ausgelotet. So erklärte Arminias Geschäftsführer Marcus Uhlig, dass die Stadionzeitung halbvier ab 1. Januar nicht mehr kostenfrei zu den Mitgliedern nach Hause geschickt wird. "Das ist einfach zu teuer, aber wir arbeiten an Lösungen, etwa dass die Zeitung vorher im Internet zu lesen ist." Es gebe zahlreiche weitere Sparmöglichkeiten die ebenfalls umgesetzt werden.
Zum Ende der Versammlung fasste ein Mitglied die Stimmungslage der Arminen zusammen: "Ich möchte dem Präsidium danken, zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass wir Mitglieder ernst genommen wurden." Mit Applaus schloß Präsident Zillies die Versammlung.
Der Verlauf des Abends
Noch bevor die Jahreshauptversammlung von Arminia Bielefeld um 19.05 Uhr offziell begann, standen die drei Präsidiumsmitglieder Hans-Jürgen Laufer (Abteilungen/Vizepräsident), Dr. Jörg Zillies (Präsident) und Prof. Dr. Hermann J. Richter (Schatzmeister) für erste Fragen zur Verfügung.
Dabei sendete das Trio einen ersten Appell an die Öffentlichkeit und die 162 Mitglieder, die den Weg in den Buiseness-Club der Schüco-Arena gefunden hatten. "Wir werden uns nur zu Dingen äußern, zu denen wir wirklich etwas sagen können." Gemeint ist damit, dass es keine vorschnellen Wasserstandsmeldungen geben soll. Dennoch ließen bereits die erste Ausführungen zur finanziellen Lage der Arminia ein winziges Licht am Ende des Tunnels erkennen.
Schatzmeister Prof. Dr. Hermann J. Richter sagte: "Ich sehe den Pleitegeier nicht mehr über uns." Die Arminia sei zwar keineswegs aus den Problemen raus, aber der Weg in sicherere Fahrwasser sei mehr und mehr zu erkennen. Besonders tragen dazu die vielen Partner bei, die zu Zinsstundungen und langfristigen Rückzahlungen bereit sind. Die bereits gegründete Stadiongesellschaft soll die Arminia von weiteren Problemen entlasten. Doch bis diese ihre Arbeit aufnehmen kann, sei noch einiges mit Darlehensgebern zu besprechen.
Mutterverein soll frei von Schulden werden
Zur derzeitigen Schuldenlast Arminias sagte Richter, dass Arminia etwa 27 Millionen Euro Verbindlichkeiten habe. Dieser Stand werde aber derzeit weniger, da erste Gläubiger Zinsen ausssetzen oder vorerst auf eine Rückzahlung verzichten. Der Verein, dass betonte das Präsidium immer wieder, sei aber keineswegs überschuldet. Die Zahl sei wenig Aussagekräftig, da die Habenseite (etwa das Stadion) nicht berücksichtigt sind.
Auch aus diesem Grund soll die Stadiongesellschaft schnell mit Leben gefüllt werden. Jörg Zillies erklärt: "Wir wollen den Verein frei machen von Schulden." Dies soll über die beiden Töchtergesellschaften des Vereins funktionieren. Eine für das operative Geschäft, "also für die sportliche Abteilung, dort gilt die 50+1 Regel", sagte Zillies.
In der Stadiongesellschaft sollen alle Immobilien der Arminia zusammengefasst werden. Außerdem können in der Gesellschaft in einem komplizierten Finanzverfahren aller Voraussicht nach Darlehen in Eigenkapital umgewandelt werden. Richter erklärt: "Darlehen haben Spielräume, etwa eine Aussetzung, Zinssenkung und ähnliches." Mit einer solchen Maßnahmen könne der DSC seine Schuldenlast spürbar senken und wieder in sicherere Fahrwasser kommen.
Diskussionsbedarf bei Eigenkapital
Die Jahreshauptversammlung bei Arminia Bielefeld wurde zwischenzeitlich für einige Minuten unterbrochen. Einige Mitglieder äußerten Bedenken bei einem Antrag des Präsidiums über eine Kapitalerhöhung der Aktiengesellschaft (dem Profibereich).Die Bedenken richteten sich an die Forderung des Präsidiums, das Dritte bis zu 49 Prozent der Anteile der Arminia kaufen können. Einer der Teilnehmer sprach davon, dass so ein Sponsor theoretisch alle diese 49 Prozent kaufen könne und so zu mächtig wird. Das Präsidium zog sich zurück um zu diskutieren, wie es im Falle das der Antrag abgelehnt wird weitergehen soll.
Nach der Pause wandte sich Präsident Jörg Zillies noch einmal an die Mitglieder: "Ich will ihnen das nicht verkaufen, ich mache das ehrenamtlich, sie tun mir keinen gefallen, aber Arminia will diese Kapitalerhöhung, wir können keine weitere Darlehen annehmen, aber sie sollten diesen Rettungsring nicht ablehnen."
Verein hat sich verändert
Der Präsident erklärte, dass er die Befürchtungen der Mitglieder, ihr Verein könne durch die Regelungen nicht mehr der sein der er mal war, verstehen. Doch schon jetzt sei der Verein aufgrund der Darlehen nicht mehr das was er einmal war. Er könne nicht ausschließen, dass Anteilseigner mitsprechen wollen, aber nur in der Aktiengesellschaft. Es gehe darum den Verein, den "e.V." zu retten. Die Investoren sollten nicht denken, dass Partner in der Tochtergesellschaft nicht erwünscht sind.
Zum Ende seiner kurzen Zwischenansprache wurde Zillies noch einmal deutlich: "Wir müssen uns klar sein, dass wir ein Zeichen nach außen senden an Investoren, die uns helfen können.
Nach einer kurzen weiteren Diskussion fand sich eine deutliche Mehrheit für den Antrag des Präsidiums zur Kapitalerhöhung. Nur 24 Mitglieder stimmten gegen den Antrag in der neuen Fassung. Damit kann die Arminia neues Kapital von Investoren versuchen zu bekommen. Das Ergebnis wurde mit großem Applaus verkündet.
Das war vor der Unterbrechung passiert
Update 21.45 Uhr: Gerade wurde ein Satzungsänderungantrag mit deutlicher Mehrheit beschlossen. Dieser soll dem Präsidium ermöglichen, Einblicke und Kontrollfunktionen sowohl im Gesamtverein als auch in der Aktiengesellschaft des Profibetriebs zu haben. Auf Nachfrage, was anders sei als unter dem in Bielefeld stark kritisierten Roland Kentsch, kam die klare Antwort: Das Präsidium kann nur in einer der beiden Abteilungen handelnde Person sein, also selbst Dinge entscheiden und vorbereiten. Das war in früheren Zeiten anders. Es sei aber wichtig für das Präsidium, Einblicke in alle Bereiche zu haben.
Update 21.20 Uhr: Arminias Wirtschaftsprüfer erklärt nüchtern und sachlich die Zahlen. Eine eindeutige Aussage lässt er sich aber entlocken: "Ohne das Stadion ist Arminia voll lebensfähig." Auch Steuerberater Torben Ostreich glaubt voll an Arminias Zukunft.
Update 20.50 Uhr: Schatzmeister Richter hat zu den Mitgliedern gesprochen. Er erklärt, dass Arminias Probleme mit einem Schiff im Eismeer verglichen werden kann. Zunächst habe man den Kollisionskurs mit einem Eisberg gestoppt. Jetzt muss das Schiff wieder auf Kurs kommen, wozu es struktruelle Neuerungen braucht. Um den Motor zur Kurskorrektur in Gang zu bringen braucht es Sprit, also Geld bzw. Eigenkapital. Der Steuerberater Arminias sagte aber deutlich: Arminia steht nicht davor, einen Insolvenzantrag stellen zu müssen.
Update 20.21 Uhr: Gerade hat der sportliche Leiter Samir Arabi seine Rede beendet. Sein Rückblick ist zurückhaltend, aber mutmachend. Stefan Krämer habe auch während der Trainersuche stets das Vertrauen genossen. Heute sei jeder im Verein froh, dass Krämer mit Marco Kostmann die Arminen trainiert. Arabi sagte, dass es auch weiterhin keine Wasserstandsmeldungen zu Spielerverträgen geben werde. Aber er verriet, dass der Verein alles im Rahmen seiner Möglichkeiten stehende tue, um Mittelfeldspieler Marc Rzatkowski zu halten.
Update 19.47 Uhr: Jetzt findet der Präsident auch deutliche Worte: "Arminia war Anfang September im freien Fall." Mittlerweile sei aber Ordnung in Arminias unübersichtliches Finanzgebaren gekommen. Zur Stadiongesellschaft sagt Zillies, dass sie der Arminia eine langfristige Perspektive biete. Geplant werde zunächst aber weiter kurzfristig. Nämlich mit dem Verbleib der Arminia in Liga 3. Die Planungen sollen konservativ sein. "In der zweiten Liga wurde zu viel Geld für Spieler auf Pump ausgegeben." Dann ist Zillies fertig und bekommt viel Zustimmung und Applaus für seine Rede.
Update 19.35 Uhr: Präsident Jörg Zillies spricht zu den Mitgliedern. Mit lockeren Sprüche hat er das Publikum auf seiner Seite, aber er bringt auch viel Inhalt. Seine erste wichtige Aussage: Vor 2-3 Jahren hatte Arminia noch einen Umsatz von 25 Millionen, heut von 6 bis 7 Millionen. Die Präsidiumsarbeit sei bisher ähnlich die eine Zahnarztes: "Der Patient Arminia hatte jetzt 3 Monate (seit Amtsbeginn von Ziellies) den Mund offen. Jetzt wissen wir wo die Probleme sind."
Update 19.22 Uhr: Derzeit werden langjährige Mitglieder geehrt. Leider ist der treueste Arminia-Anhänger nicht gekommen. Helmut Schierhorn ist seit 65 Jahren DSC-Mitglied.