Bielefeld. Der Name Stefan Ortega war nach dem 3:2-Erfolg über Darmstadt in aller Munde. Ob von Trainerseite, Mitspielern oder Offiziellen – Arminias Keeper erntete für seine starke Vorstellung großes Lob. "Stefan hat uns im Spiel gehalten", sagte Johannes Rahn, und Gästetrainer Kosta Runjaic legte sogar noch einen drauf: "In der ersten Halbzeit hieß es Darmstadt gegen Ortega. Er hat überragend gehalten."
So weit wollte Thomas Schlieck nicht gehen. Arminias ehemaliger Torwarttrainer, der jetzt für Schalke 04 den Torwartbereich koordiniert und auch weiter auf dem Platz mit den Torleuten arbeitet, hielt sich mit wertenden Äußerungen zu seinem ehemaligen Schützling zurück.
Immerhin verriet er, dass er "beruflich", in seiner Funktion als Torwart-Scout an alter Wirkungsstätte sei und ihn Darmstadts Keeper Jan Zimmermann nicht interessiere. Schalke soll sich nach einem dritten Torwart umschauen – da liegt nahe, dass Schlieck sich ein aktuelles Bild von Ortega verschaffen wollte.
Dessen Entwicklung verfolgt Schlieck kontinuierlich. Eine Pauschalbewertung lässt sich der Torwart-Fachmann aber nicht entlocken. "Man muss schon differenzieren. Wie gegen Aalen ging auch ein Abschlag gegen Darmstadt zum Gegner", stellte Schlieck nüchtern fest, um anzufügen: "Er hat zwei Distanzschüsse gefangen, davon hat einer ziemlich geflattert."
Schlieck bleibt unverbindlich. So wie früher schon. Über die Stärken und Schwächen Ortegas dürfte er sich indes längst ein Bild gemacht haben. Dass er hohe Maßstäbe ansetzt, wird deutlich, wenn er vergleichend feststellt: "Ortega ist ein Jahrgang mit Leverkusens Bernd Leno und Gladbachs Marc-Andre Ter Stegen."
Gegen Darmstadt brauchte sich Ortega auf jeden Fall nicht zu verstecken. Er zeigte auf der Linie gute Reflexe, bewies "Auge", als er einige Bälle an der Strafraumgrenze abfing, und er fischte einige Schüsse aus dem Winkel. Von der eigenen Leistung wollte der DSC-Keeper nach dem Spiel kein großes Aufheben machen. "Letztlich ist egal, wer die Zweikämpfe gewinnt. Hauptsache, wir gewinnen die Spiele."
Am Samstag hat das geklappt, eine Woche zuvor nicht. Während Ortega einräumte, in Aalen nach seinem Patzer in der zweiten Halbzeit "verunsichert" gewesen zu sein, zog er gegen die Lilien Selbstvertrauen aus einer starken ersten Halbzeit. Ob es für Schalker Ansprüche reicht, muss letztlich Thomas Schlieck entscheiden.