Bielefeld. Am Freitag hat nach dem brutalen Hooligan-Überfall auf acht Werder-Anhänger erstmals einer der Beschuldigten ausgepackt und den Ermittlern seine Sicht des Überfalls geschildert. Der 20-jährige Student aus Bad Oeynhausen ist aus dem Ausland zurückgekehrt und hat sich in Begleitung seines Anwalts gestellt.
Vor dem Haftrichter machte er offenbar eine umfassende Aussage über die Entwicklung der Ultra-Szene und den geplanten Angriff auf die Werder-Anhänger. Denn im Anschluss wurde sein Haftbefehl aufgehoben.
Vier Stunden dauerte die Vernehmung des 20-Jährigen. Danach hoben die Haftrichter den am Donnerstag erlassenen Haftbefehl gegen ihn wieder auf, bestätigte Polizeisprecher Friedhelm Burchard. Dennoch werde er weiterhin als Tatbeteiligter beschuldigt.
Zahlreiche Erläuterungen zur Ultra-Bewegung
Bisher hatten alle anderen Verdächtigen "entweder die Aussage verweigert oder geblockt", wie Staatsanwalt Christoph Mackel betonte. "Ihre Aussagen waren bisher nicht glaubhaft." Das scheint am Freitag anders gewesen zu sein: Nach Angaben seines Rechtsanwaltes Dr. Lutz Klose habe sein Mandant zahlreiche Erläuterungen zur Ultra-Bewegung und zu ihrem Selbstverständnis gemacht.
Vor dem Haftrichter räumte er auch ein, dass die Gruppe tatsächlich geplant hatte, die acht Bremen-Fans abzufangen, um sie anzugreifen. "Das wollten alle. Die haben eine gewalttätige Auseinandersetzung gesucht", so der Anwalt. Den jungen Männern soll es auch darum gegangen sein, Werder-Jacken, -Schals und -Fahnen zu erbeuten, die die Gästefans in einem Rucksack verstaut hatten.
In gewissen Kreisen gelten solche Fan-Utensilien als Kriegsbeute, die beim Rückspiel provokativ über den Zaun gehängt werde, so die Argumentation, die auch Rechtsanwalt Torsten Giesecke von seinem Mandanten (22) hörte. "Da Bielefeld mit dem HSV sympathisiert, wollte sich die Gruppe gezielt mit den in Hamburg verhassten Werder-Bremen-Fans anlegen."
Einer der am Samstag Angegriffenen widersprach dieser Darstellung auf Anfrage: "Das ist totaler Blödsinn. Niemand hat auch nur eine Hand an diesen Rucksack gelegt. Niemand hat daran gerissen oder eine Forderung geäußert. Für mich sind das Ausreden, um von den lebensgefährlichen Körperverletzungen abzulenken."
Haupttäter überraschend dazugestoßen
Die beiden Haupttäter sollen laut dem 20-Jährigen aus seiner Sicht kurz vor dem Überfall überraschend dazugestoßen sein. "Die waren gar nicht im Stadion, sind dann aber aus einem Café gekommen und sofort auf die Bremer draufgegangen", so Giesecke. Beide Anwälte lassen durchblicken, dass die Gruppe nicht angegriffen hätte, wenn sie gewusst hätten, wer plötzlich dazukommt. Im Gegensatz zu den Haupttätern sind die übrigen nicht vorbestraft.
Der 20-jährige Tatverdächtige gab laut Klose an, Mitglied der "Lokal Crew" (LC) zu sein. Die Ultra-Gruppe gehört nicht nur auf der Süd-Tribüne zu den aktivsten in Bielefeld (Derby-Marsch, Becher-Sammlung, ehrenamtlicher T-Shirt-Verkauf erst am Samstag). Nach dem Überfall will der 20-Jährige alle Kontakte zur Szene abgebrochen haben, so Klose.
Aus Kreisen der LC hieß es, dass tatsächlich ein aktives und ein Ex-Mitglied bei dem Angriff beteiligt gewesen sind. "Wir sind darüber völlig schockiert. Unser Mitgefühl gilt dem Opfer. Das betroffene Mitglied wird unserer Gruppe nicht mehr angehören." Dass der Bad Oeynhauser dazugehörte, bestritt man vehement. Er gehöre nicht mal dem Dunstkreis rund um die LC an.
Obwohl das Opfer am Donnerstag aus dem Koma erwacht ist, sei sein Zustand weiter kritisch, so ein Kliniksprecher. Der 26-Jährige sei ansprechbar, erinnere sich aber nicht mehr an den Überfall. Sein Langzeitgedächtnis sei aber in Takt, so Freunde.
wo wir leben? In der Realität, dort wo es regelmäßig zu Verletzungen kommt, die durch die Anwendung von Pyrotechnik verursacht sind. Ich vermute mal, dass es auch in deiner Welt eine Internetsuchmaschine gibt. Dann kannst du die ja mal benutzen und staunen, was du da so alles findest.