Bielefeld. Markus Stenger, Abteilungsleiter Spielbetrieb für die 3. Liga beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), befragte gestern Morgen seine Mitarbeiter, ob denn Post aus Bielefeld mittlerweile eingetroffen sei, in der Arminia Bielefeld wegen einer möglichen Wettbewerbsverzerrung eine Verlegung des Meisterschaftsspiels bei Alemannia Aachen an diesem Samstag beantragt. Die Antwort seiner Sekretärin war ein klares Nein.
Um 13.38 Uhr informierte Arminia Bielefeld per Mail die Medien, dass "Arminia nach ausführlicher Beratung mit allen Ansprechpartnern, insbesondere auch sehr konstruktiven Gesprächen mit dem DFB und gründlicher verantwortungsbewusster interner Prüfung und Abwägung entschieden hat, auf die Beantragung einer Verlegung des anstehenden ersten Rückrundenspiels bei Alemannia Aachen zu verzichten.
DSC-Geschäftsführer Marcus Uhlig: "In dieser Situation hatten wir die Pflicht, den Sachverhalt und die Entscheidung auf alle möglichen Optionen hin zu prüfen. Das haben wir sehr ausführlich getan. Nicht zuletzt aufgrund der Eindeutigkeit der Regularien des Spielbetriebs werden wir auf die Beantragung einer Verlegung verzichten."
Stärkste Formation
Der DSC befürchtet, dass die Alemannia wegen der drohenden Insolvenz im Rahmen der Transferphase (1. bis 31. Januar 2013) Spieler verkaufen muss. Das hat zur Folge, dass Aachen in den Rückrundenspielen gegen Arminia (1. Dezember), Burghausen (8. Dezember), Dortmund II (15. Dezember und Saarbrücken (26. Januar) noch seine stärkste Formation aufbieten kann, in den folgenden Partien aber nur mit einer schwächeren U-23-Elf antritt.
DFB-Funktionär Stenger hatte Arminias Vorhaben ohnehin nur geringe Chancen eingeräumt. "Der Verein hat sich informell in Person von Herrn Uhlig mit dem DFB ausgetauscht. Da kein Antrag eingereicht wurde, kann natürlich auch der DFB-Spielausschuss nicht in Aktion treten, um diese Problematik zu erörtern", sagt der DFB-Abteilungsleiter Spielbetrieb. Zudem, so Stenger, seien die anderen drei betroffenen Vereine medial nicht in die Offensive gegangen.
Arminias Trainer Stefan Krämer hatte bereits im Vorfeld nicht mit einer Verlegung gerechnet. "Ich brauche keine Geschenke. Wir sind gut genug, um uns im Wettkampf mit den Aachenern zu messen." Gleichwohl erinnerte Krämer an eigene Probleme innerhalb des Vereins: "Wir Arminen haben selber auf diesem Gebiet nicht eine so tolle Vergangenheit aufzuweisen. Deshalb sollten wir vorsichtig sein."
Jetzt sind die Aachener Alemannen am Zuge, die anstehenden Spiele sportlich fair zu bestreiten.
Was den Aachener Kader angeht, so wären mMn Schwertfeger, Kefkir und Pozder geeignnete Kandidaten. Schwertfeger als vielseitige Alternative in der Abwehr (RV!), Kefkir als dynamisches und vor allem "rtichtigfüßiges" Gegenstück zu Hille auf dem linken Flügel und Pozder als Stürmer, der ähnliche körperliche Voraussetzungen wie Klos mitbringt, also einen Ersatz bietet, der nicht zwangsläufig zu weiteren Umstellungen führt. Alle drei sollten günstig zu haben sein, sind noch entwicklungsfähig, aber schon in dieser Liga akklimatisiert und passen eben ziemlich gut zu den erkennbaren Schwachstellen unseres Kaders, aber auch ins Gefüge. Eine sehr gute Gelegenheit für relativ kleines Geld die Aufstiegsambitionen zu unterstreichen. Und aufsteigen müssen wir, da kann mir das Präsidium noch so sehr einen vorsäuseln. Beschwichtigung, Schall und Rauch. Substantiell ist da wieder einmal exakt gar nix gekommen, nach wie vor ist es völlig nebulös wie der Kapitaldienst im nächsten Jahr in der dritten Liga bedient _und zugleich_ ein aufstiegsfähiger Kader finanziert werden soll. Man muss also davon ausgehen, dass die jetzige Chance auf absehbare Zeit die beste bleiben wird. Wenn die Geldgeber tatsächlich ein konstruktives, auf nachhaltige Gesundung zielendes Commitment für diesen Verein an den Tag legen sollten (was man mir ja gebetsmühlenartig allerorten versichert), dann müssen sie jetzt entschlossen die sich bietende Gelegenheit ergreifen und Krämer ein paar Optionen mehr geben um einer guten Hinrunde eine hervorragende und mit dem Aufstieg gekrönte Rückrunde folgen lassen zu können. Andernfalls können wir getrost davon ausgehen, dass die Herrschaften nur vorhaben ihre Verluste zu minimieren und den Verein dafür noch etliche Ehrenrunden im finanziellen Nirwana drehen lassen werden.
Ich spreche mal aus, was anscheinend keiner zu sagen wagt: Durch die Aachener Insolvenz entsteht nun ein direkter Vergleich der beiden grundlegenden Wege mit so einer Situation umzugehen: Entweder der harte Schnitt oder die langsame Entschuldung. Aachen wird in einem Jahr schuldenfrei in der Regionalliga spielen, wenn der jetzige Plan aufgeht, und dann wohl spätestens in zwei Jahren wieder in der Dritten Liga. Wir dagegen... sind bis dahin entweder aufgestiegen und damit in Gefilden, in denen der Verein trotz unverändert bedrohlicher Finanzsituation wenigstens ein Mindestmaß an Handlungsfähigkeit zurückgewonnen hat oder immer noch am Rande des Abgrunds in der dritten Liga - und am Gängelband der Geldgeber, denen bis dahin dann wohl Stadion und 49% der KGaA gehören werden. Kurz und gut, der Faktor Zeit wird im Kontrast so langsam deutlicher. Ob die momentane Ruhe dann immer noch vorherrscht? Möglicherweise schon, aber das wäre kein gutes Zeichen.