Bielefeld. Kommt er mit dem Taxi, oder lässt er sich chauffieren? Gegen 16.30 Uhr wussten die wartenden Fernsehteams, eine Handvoll Journalisten und zahlreiche Fans, wie Arminen-Coach Ernst Middendorp den Verlust seines Führerscheins zum Dienstantritt am Montag kompensieren würde: Er wurde gebracht, von seinem Kollegen und Freund Frank Eulberg.
Ein wenig schmunzelnd nahm Middendorp das Empfangskomitee zur Kenntnis. Nachdem er zunächst nur Fragen zum Spielbetrieb beantworten wollte, äußerte er sich doch noch zu den Vorfällen in der Nacht zu Sonntag. Die Polizei hatte Middendorps Fahrerlaubnis einbehalten, nachdem sie ihn gegen 3 Uhr früh auf der B 68 in Halle schlafend am Steuer seines Autos vorgefunden hatte. Ein Alkoholtest hatten einen Wert ergeben, "der über der Marke der absoluten Fahruntüchtigkeit lag", wie ein Polizeisprecher mitteilte. Als fahruntüchtig gilt man ab 1,1 Promille.
Gegenüber der Mannschaft ging Middendorp mit seinem Aussetzer offensiv um. "Wenn bei einem Spieler die Abläufe nicht passen, bringe ich das auf den Punkt. Und wenn beim Trainer etwas nicht passt, muss man das auch ansprechen." Middendorp fand, dass "er das besonders dem alten Sack Jörg Böhme schuldig sei", einem Spieler, der in seiner langen Bundesligalaufbahn nicht gerade immer pflegeleicht war.
Dass der Vorfall Unruhe im Abstiegskampf erzeugen könnte, glaubt der 48-Jährige nicht: "Vielleicht bringt das Trainer und Mannschaft sogar näher zusammen. Wir sind alle human beings." Als menschlich bezeichnete auch Stürmer Artur Wichniarek den Vorfall. "So etwas passiert. Aus diesem Grund sollte man keinen großen Wirbel machen. Ich denke nicht, dass der Trainer deshalb an Autorität verloren hat."
DSC-Präsident Hans-Hermann Schwick versicherte, dass die Nachtfahrt des Cheftrainers keine größeren arbeitsrechtlichen Folgen haben werde: "Middendorp ärgert sich doch über den Vorfall am meisten. Wir werden jetzt nicht zur Freude der Konkurrenz unseren Trainer entlassen."
Dass Middendorp seinen Rücktritt angeboten habe, wollte Schwick nicht bestätigen. "Ein Rauswurf war zu keiner Sekunde Inhalt unseres Gesprächs", sagte Middendorp gegenüber der Neuen Westfälischen.
Über die möglichen juristischen Konsequenzen mochte Schwick, der Middendorp anwaltlich vertreten wird, nicht spekulieren: "Wir warten jetzt das Ergebnis der Blutuntersuchung ab und nehmen Einblick in die Akten." Dem DSC-Trainer droht ein Fahrverbot von über einem Jahr. Anfang der 90er Jahre war der Fußballtrainer schon einmal aufgefallen, als er unter Alkoholeinfluss auf Straßenbahnschienen in der Nähe des Bielefelder Landgerichts stecken geblieben war.
Hans-Hermann Schwick hofft, dass sich Mannschaft und Trainer nun ganz auf den Abstiegskampf konzentrieren: "Unser Hauptthema ist Bremen und nichts anders."







