Leverkusen. Im Block tobten die Anhänger. Auf dem Platz tanzten die Profis Pogo, auf der Tribüne lagen sich die Verantwortlichen in den Armen. "Ich bin überglücklich. Wir haben ein weiteres Jahr erste Liga. Was will Bielefeld mehr!", sagte Finanz-Geschäftsführer Roland Kentsch mit Tränen in den Augen, nachdem ihn sein eineinhalb Köpfe größerer Vorstandskollege Andreas Mamerow wieder auf dem Boden abgesetzt hatte.
Der überraschende 2:1-Erfolg der Arminen ließ nicht nur bei Verteidiger Heiko Westermann "eine Zentnerlast von den Schultern plumpsen". Für Roland Kentsch war das Erreichen des Klassenerhalts "Millionen wert". Allein die Vermarktung der neuen Tribüne bringt dem Klub in der ersten Liga wesentlich mehr ein als im Fußball-Unterhaus. "Der Klassenerhalt ist wichtig für unsere Stadt", sagte Bielefelds Bundestagsabgeordneter Rainer Wend.
Er war eigens nach Leverkusen mitgereist, um dabei zu sein, wenn der Klassenerhalt zwei Tage vor dem Ligaende schon perfekt gemacht werden konnte. "Es ist Wahnsinn, dass diese Mannschaft, die nach der Niederlage gegen Frankfurt am Boden war, wieder zurückgekommen ist", sagte Wend, während sich Vorstandsmitglied Andreas Mamerow bestätigt fühlte: "Ich hatte nach den beiden jüngsten Siegen ein gutes Gefühl. Diese Mannschaft kann immer wieder zurückkommen."
Kein Wunder, dass nach drei Siegen in Folge der dritte und im Punkteschnitt beste Trainer als Vater des Erfolges genannt wurde. "Ernst Middendorp hat großen Verdienst an diesem Erfolg", sagte Mannschaftskapitän Mathias Hain: "Der Motor war aus, aber wir haben den Zündschlüssel gefunden und den Neustart geschafft."
Middendorp habe "alles aus uns rausgekitzelt", meint Heiko Westermann über den Coach, der sich über eine Nichtabstiegsprämie in geschätzt sechsstelliger Höhe freuen dürfte und die der Klub sicherlich gern bezahlt.
"In der Rückschau haben wir mit dem Trainerwechsel alles richtig gemacht", fühlte sich Kentsch bestätigt. Die Saison hat Middendorp indes noch nicht abgeschlossen: "Jeder Spieler muss selbst entscheiden, wie ausgedehnt er feiert. Aber am Montag früh ist Training."
Möglicherweise wird der eine oder andere dann Kopfschmerztabletten benötigen, denn das erste Bier gab es bereits Minuten nach dem Spiel in der Kabine. Doch ausgerechnet, den, der sich am meisten auf ein Nichtabstiegsbier freute, ließen die Arminen zurück. Mutterseelenallein stand Jonas Kamper um 20.30 Uhr auf dem Parkplatz der Bay-Arena. "Die haben mich vergessen", meinte der Däne.
Doch ohne ihren Siegtorschützen wollten die Arminen natürlich nicht feiern. Nachdem Kamper sich im Bus gemeldet hatte, kehrte der DSC-Tross zurück und lud ihn unter großem Gejohle wieder ein. Mit Kampers Treffer und dem damit verbundenen Klassenerhalt "haben wir nun Planungssicherheit", freute sich Reinhard Saftig.
Einige Verhandlungen mit potenziellen Verstärkungen seien schon weit gediehen, sagte der Sport-Geschäftsführer. Nach dem Eigengewächs Robert Tesche, der in den nächsten Tagen einen Profivertrag unterschreiben werde, sollen auch die ersten Neuzugänge bald gebunden werden.













