Bielefeld. Als er vor zwei Monaten kam, da stand für ihn fest: Wenn es mit der Rettung nichts wird, dann schnellstens wieder weg, um nur kein zweites Mal wie 1998 als Mit-Verantwortlicher für den Abstieg aus der Bundesliga beschimpft zu werden. Ernst Middendorp hat mit dem DSC Arminia die Klasse erhalten ?" und seine Meinung geändert. Gestern Morgen unterschrieb der Trainer einen bis zum 30. Juni 2009 verlängerten Vertrag, der für 1. und 2. Liga Gültigkeit besitzt.
Der Coach will durch mit seinem Sinneswandel ein Signal aussenden: "Wenn ich sage, dass ich auch für die zweite Liga zur Verfügung stehen würde, so erreiche ich damit Bindung und weiß, dass ich nicht einfach davonlaufen kann." Middendorp will erst gar nicht in den Verdacht geraten die "eineinhalb Prozent weniger" zu geben, wie es eventuell ein Spieler macht, der nur einen Erstligakontrakt hat. Mittlerweile "kennen wir uns alle lange genug", so der Trainer weiter, um bedenkenlos ein solches mittelfristiges Projekt einzugehen, im März dagegen habe er "noch nicht gewusst, wie es um die Struktur der Mannschaft bestellt ist."
Den Gedanken, sich eines unschönen Tages wieder mit dem Thema Abstieg beschäftigen zu müssen, machte sich bei der Bekanntgabe der Vertragsverlängerung allerdings niemand. "Anfang der 80er Jahre ist Arminia mal fünf Jahre am Stück erstklassig gewesen. Diesen Vereinsrekord wollen wir mit Ernst Middendorp nicht nur einstellen, sondern nach Möglichkeit übertreffen", meinte DSC-Präsident Hans-Hermann Schwick.
Die vierte Bundesligasaison in Folge steht bevor ?" Schwicks Wunsch ließe sich also frühestens in der Saison 2009/10 verwirklichen. Auch dann hieße der Trainer noch Middendorp, denn eine Vertragsklausel besagt, dass sich im Falle des Klassenerhalts 2007/08 der Kontrakt automatisch um ein weiteres Jahr bis zum 30. Juni 2010 verlängern würde.
"Wir müssen bereit sein, ein kalkulierbares Risiko einzugehen"
Umgekehrt beinhaltet das Vertragswerk keine Ausstiegsklausel zugunsten des Trainers. Rainer Kempa, ehemaliges Arminia-Vorstandsmitglied und Berater Middendorps, erklärte, dass dieses Thema bei den Gesprächen zwar vom DSC-Vorstand angesprochen, seitens des Trainers aber ausdrücklich nicht gewünscht worden sei. Obwohl damals noch in Südafrika arbeitend, hat Middendorp sehr wohl mitbekommen, in welche Turbulenzen die Arminia zu Zeiten eines Uwe Rapolder und eines Thomas von Heesen wegen offener Vertragsfragen geriet. "Es ist mein Herzenwunsch gewesen, solche Diskussionen zu vereiteln", erklärte der Trainer.
Bei so viel Bekenntnis zu Vereinstreue ist es nicht verwunderlich, dass der Anschlussvertrag "in einigen Bereichen modifiziert" worden ist, wie es Finanzchef Roland Kentsch ausdrückte. Außer an der so verklausulierten Gehaltserhöhung erfreute sich Middendorp an der "Deckungsgleichheit in allen Punkten" bei der Bewertung der sportlichen Situation. Middendorp: "Wir alle wissen, dass wir bei Arminia Bielefeld arbeiten und nicht bei Real Madrid. Die Nachwuchsarbeit wird also bei uns immer ein wichtiges Element sein. Dennoch müssen wir in gewissen Situationen bereit sein, ein kalkulierbares Risiko einzugehen."







