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02.10.2007
Ernst, aber ratlos
Chefcoach Middendorp kommt ins Grübeln
VON RAINER KLUSMEYER

Bremen. Ganz leise, damit nur nicht allzu viel nach außen dringt aus dem kleinen Bielefelder Debattierklub, macht Ernst Middendorp auf eine kleine Episode des großen Debakels aufmerksam: "Man darf es ja fast nicht sagen, aber: Die ersten 17 Minuten sind genauso gelaufen, wie wir das geplant hatten. Und wir hatten ja durch Andre Mijatovic die erste Chance des Spiels." Dem Gedankengang folgen ein gedachtes Wenn (Andre das 1:0 gemacht hätte) und viele unausgesprochene Abers.

Ganz laut, damit nur jeder in ganz Fußball-Deutschland es mitbekommt, hatte der gleiche Middendorp via Bild vor nicht einmal zwei Wochen getönt, wie wohl er sich als Bayern-Jäger fühle, dass der Aufschwung eine sich seit April anbahnende Entwicklung sei, darum im bescheidenen Bielefeld nun durchaus mal über eine zukünftige Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb geredet werden dürfe. Tabellenzweiter war der DSC Arminia damals nach einem 4:2 über Hansa Rostock, lag gerade mal einen Zähler hinter dem Rekordmeister FC Bayern, aber zehn Punkte vor den geschlagenen Hanseaten.

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Da konnte Sport-Geschäftsführer Reinhard Saftig noch so oft mäßigend von einer "Momentaufnahme" reden, da konnte diese Zeitung in ihrer Kommentierung noch so deutlich darauf hinweisen, dass die Zehn-Punkte-Ausbeute eher die Pflichterfüllung eines angenehmer Auftaktterminplanes war denn die brillante Kür fußballerischer Spielkunst - der stets nach Höherem strebende Chefcoach wollte unbedingt und gerade wegen des um ihn herrschenden Realismus ein paar ostwestfälische Visionen malen. "Middendorp spuckt große Töne" formulierte als Reaktion eine Agentur in ihrer Zusammenfassung der Ereignisse. Zu Arminia Blödfeld ward der DSC in besagtem Boulevardblatt schon nach dem 0:3 auf Schalke.

,,Si tacuisses" (Wenn Du bloß geschwiegen hättest) - an den weisen Ratschlag des spätantiken christlichen Philosophen Boethius wird sich Middendorp spätestens dann erinnert haben, als mit dem 1:8 im Weserstadion Anlass geboten war, kleinlaut zu sein. "Für mich geht es heute nur noch darum, mit einer gewissen Fassung ans Ende des Tages zu kommen", gab der DSC-Trainer zu. Restlos bedient war er angesichts der "nicht bundesligatauglichen" Vorstellung seiner Mannschaft. Glücklicherweise sprach Middendorp nicht von einer zweitligatauglichen Leistung, denn das hätte ihm zu allem Übel womöglich auch noch eine Beleidigungsklage des SC Paderborn eingebracht . . .

Notwendigerweise werde er in dieser "komplett neuen Situation" ab sofort "über jede Position nachdenken", kündigte der Arminia-Coach an, zum Heimspiel gegen Hamburger SV am Samstag werde er eine "Neubestückung" vornehmen. In personeller und taktischer Hinsicht, definiert durch "zwei, drei klare Ziele", von denen das oberste die "Festigkeit" der defensiveren Reihen sein soll.

Was auch sonst nach den zum größten Teil den Bundesligafußball eher karikierenden Abläufen in der DSC-Abwehr? "Flanken werden nicht geblockt. Der Gegner kann in aller Ruhe den Ball verarbeiten. Das Zentrum ist nicht dicht. Bälle werden leichtfertig verdribbelt. Es gibt kein Aufbäumen. Jeder einzelne hofft nur darauf, dass er nicht den entscheidenden Fehler macht, für den er hinterher angeprangert wird." Middendorps Mängelliste ist bedrohlich lang - und wäre anhand des Spiels in Bremen beliebig verlängerbar, weil "wir derzeit als Mannschaft einfach nicht funktionieren".

Dass ein Bundesligateam im Laufe einer Saison irgendwann mal in ein Leistungsloch fällt, ist normal. Aber, so Middendorp: "Bei uns kann man nicht mehr von einem Loch sprechen - das ist schon ein Krater."
Immerhin: Trotz aller Bemühungen schafften es die stets auf Rekordjagd befindlichen Arminen nicht, die Negativbestmarke vom 6. November 1982 zu brechen. Damals unterlag der DSC bei Borussia Dortmund mit 1:11, was im Nachhinein optimistisch als so ziemlich einziger positiver Fingerzeig gewertet werden darf. Kurz vorher stand auch das damalige Team von Trainer Horst Köppel ganz oben in der Tabelle, ließ auf die zweistellige Pleite am nächsten Spieltag einen 3:2-Heimsieg über Schalke folgen und wurde am Saisonende Achter.

Mehr zum Thema in nw-news.de

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