Bielefeld. "Hallo", ertönt es am anderen Ende der Leitung. Die Stimme Lena Goeßlings klingt erfrischend klar und vermittelt den Eindruck, dass es ihr gut geht. Abgehakt scheint die verkorkste Heim-WM im Sommer, die Fußball-Nationalspielerin aus Löhne blickt nach vorn.
Die Qualifikation für die Europameisterschaft 2013 in Schweden ist zu bewältigen. Nach einem 4:1-Sieg gegen die Schweiz steht am Samstag (16 Uhr/ARD) das zweite Spiel in der Gruppe 2 gegen Rumänien in Bukarest an. Mit Stephanie Fust sprach die 25-Jährige, die zur neuen Bundesligasaison von Bad Neuenahr nach Wolfsburg wechselte und mit ihrem Team den vierten Tabellenplatz belegt, über Wohlfühlfaktoren, Professionalität und neue Ziele.
Frau Goeßling, für Sie hat sich in der Nach-WM-Zeit einiges verändert. Neuer Wohnort, neuer Arbeitgeber – wie geht es Ihnen?LENA GOESSLING: Mir geht es gut. Mir macht es Spaß in Wolfsburg und ich fühl mich dort wohl.
Wohlfühlen ist das Stichwort. Es hieß immer, Sie können nur gute Leistungen zeigen, wenn Sie sich in Ihrer Umgebung wohlfühlen. Deshalb haben Sie den Weggang aus Bad Neuenahr lange gescheut. Sind Sie nun froh über diesen Schritt?GOESSLING: Ich habe sehr gute Erinnerungen an Bad Neuenahr, habe mich da auch sehr wohl gefühlt. Aber ich habe eine neue Herausforderung gesucht. Hinzu kam, dass ich wieder näher an den Wohnort meiner Eltern (Löhne, Anmerk. der Red.) gezogen bin. Es passte alles und jetzt bin ich froh, dass ich den Schritt gewagt habe.
Was ist in Wolfsburg anders als in Bad Neuenahr?GOESSLING: Der Verein ist professioneller aufgestellt als Bad Neuenahr. Das liegt natürlich daran, dass ein großer Verein dahinter steht. Uns wird vieles abgenommen. Zum Beispiel müssen wir uns nicht mehr um die Wäsche kümmern. Wir kommen wirklich nur noch mit Kulturbeutel zum Training.
Hat ihr Wechsel zu den in der Liga ambitionierten Wolfsburgern auch ihr Standing in der Nationalmannschaft beeinflusst? GOESSLING: Das kann ich nicht beurteilen. Da gehe ich aber nicht von aus.
Nach der WM in Deutschland hat es einen Schnitt gegeben: Einige verdiente Spielerinnen sind altersbedingt aus der Nationalmannschaft zurückgetreten, junge hinzugekommen. Fühlt sich das an wie ein Neuanfang?GOESSLING: Nein. Es werden jetzt neue Spielerinnen integriert. Wir machen da weiter, wo wir aufgehört haben, haben aber aus unseren Fehlern gelernt. Natürlich haben wir uns jetzt neue Ziele gesetzt, wollen die EM-Qualifikation und dann auch die EM erfolgreich bestreiten.
Empfinden Sie es als positiv, dass Spielerinnen zum Team gestoßen sind, die die Enttäuschung bei der WM nicht aktiv miterlebt haben?GOESSLING: Die Spielerinnen gehen unbefangener an die Sache heran, weil sie das WM-Turnier nicht gespielt haben. Aber es wäre bestimmt nicht schlechter gewesen, wenn die anderen noch weiter gemacht hätten. Das waren ja deren persönliche Entscheidungen.
Tauchen die Bilder vom Viertelfinal-Aus in Ihrem Gedächtnis noch manchmal auf? GOESSLING: Wenn ich in Wolfsburg an der WM-Arena vorbeifahre, denke ich schon noch öfter daran. Aber im Großen und Ganzen habe ich das Thema abgeschlossen.
Haben Sie die Enttäuschung für sich verarbeitet oder haben Sie sich helfen lassen?GOESSLING: Das habe ich mit mir selbst ausgemacht. Ich habe mich bei meinen Eltern und in den Urlaub mit Freunden zurückgezogen, um Abstand zu gewinnen. Später haben wir im Kreis der Nationalmannschaft die WM nachbereitet und dann abgehakt.
Haben Sie nachhaltig Positives für sich aus der WM gezogen? GOESSLING: Natürlich sind die tollen Erlebnisse noch haften geblieben, die Euphorie im Land und die ausverkauften Stadien. Das erlebt man ja so bei Bundesligaspielen nicht.
Die Zuschauerzahlen in der Bundesliga haben sich nicht wesentlich erhöht und auch Länderspiele finden jetzt wieder vor überschaubaren Kulissen statt. War es schwer wieder in den Alltag zurückzufinden? GOESSLING: Nein. Ich habe diesen Riesenboom ohnehin nicht erwartet. Mir macht das Fußballspielen unabhängig von den Zuschauerzahlen Spaß.