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17.05.2012
FUSSBALL
DFB-Vizepräsident über die Eskalationen beim Relegationsspiel
Das vollständige Interview mit Hermann Korfmacher

Im Interview | FOTO: DPA

Gütersloh. Jubelnde Fortunen stürmen vor Spielende auf den Rasen und riskieren einen Spielabbruch: Ist es für solch ein bedeutungsvolles Spiel eine übliche, nur zeitlich knapp verfehlte Szene oder der Gipfel zahlreicher Entgleisungen fanatischer Fußballfans. DFB-Vizepräsident Hermann Korfmacher aus Gütersloh sprach mit Uwe Pollmeier über die jüngsten Ereignisse, deren Folgen und die Möglichkeiten des DFB.

Herr Korfmacher, waren Sie im Düsseldorfer Stadion live dabei?
HERMANN KORFMACHER: Ich konnte aus terminlichen Gründen nicht dort sein und habe das Spiel am Fernseher verfolgt. Es waren natürlich keine schönen Bilder, aber sie waren auch nicht einzigartig. Selbst beim Pokalfinale wurden Feuerwerkskörper abgebrannt. Es gibt nun einmal eine Gruppe von Fans, die mit allen Mitteln erreichen will, Pyrotechnik in deutschen Stadien zu legalisieren.

Umfrage
In Düsseldorf kam bei dem Relegationsrückspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC Berlin zu Fantumulten. Soll das Spiel wiederholt werden?




Wie ist da die Haltung des DFB in dieser Angelegenheit?
KORFMACHER: Unser Standpunkt ist ganz klar. Eine Aufhebung des Pyrotechnik-Verbots wird es auf gar keinen Fall geben. Durch bengalische Feuer können Menschen zu Schaden kommen, da erübrigt sich jede Überlegung einer Verbotslockerung oder gar -aufhebung.

Aber stärkere Personenkontrollen könnten doch die Anzahl der bengalischen Feuer eindämmen?
KORFMACHER: Noch mehr Körperkontrollen sind nicht umsetzbar. Allein aus zeitlichen Gründen. Oder sollen wir an den Stadiontoren Zustände wie am Flughafen haben, wo jeder durchleuchtet wird? Die Konsequenz wäre, dass die Zuschauer zwei oder drei Stunden vor Anpfiff am Stadion sein müssten.

Wie kann man die Problematik jüngster Gewaltausbrüche in den Griff bekommen?
KORFMACHER: Es wird einen Sicherheitsgipfel der Liga geben und es werden Gespräche mit der Regierung stattfinden. Die Probleme sind uns bekannt, die Häufung der Vorfälle ist nicht zu leugnen, aber niemand weiß, wie diese in den Griff zu bekommen sind. Der DFB tut viel für die Fanbetreuung und steht in engem Kontakt mit szenekundigen Beamten, aber wir haben keinen Lösungsansatz.

Wie sehen Sie als 1. Vizepräsident Amateure die Situation im Amateurbereich? Gibt es dort einen Trend wie bei den Profis?
KORFMACHER: Ich sehe dort keine Veränderung. Kleine Auseinandersetzungen oder auch Spielabbrüche gehören seit Jahren zum Amateurfußball. Wenn in Westfalen an einem Wochenende eine von insgesamt rund 3.000 Partien im Seniorenbereich auffällig ist, ist das keineswegs besorgniserregend.

Wie ordnen Sie in der Reihe der jüngsten Ausschreitungen die Stürmung des Spielfelds von hunderten Fortuna-Fans ein?
KORFMACHER: Die Bilder während des Spiels nach der 2:1-Führung in der Berliner Kurve waren unschön. Die Stürmung des Platzes gehört in eine andere Kategorie. Im ersten Moment erschienen sie entsetzlich, aber mit dem nötigen Abstand sehe ich die Situation anders. Nach solch einem Spiel ist es normal, dass die Fans aufs Feld laufen und Rasenstücke als Trophäen mitnehmen. Die haben einen Pfiff des Schiedsrichters falsch gedeutet und sind zu früh losgelaufen. Im Freudentaumel ist das verständlich.

Was bekräftigt Ihre Meinung, die Fortuna-Fans haben in friedliche Absicht den Platz gestürmt?
KORFMACHER: Der supergute Schiedsrichter Wolfgang Stark ist ruhig geblieben und hat besonnen reagiert. Es ist gelungen, alle Leute innerhalb weniger Minuten wieder vom Platz zu bekommen. Es gab weder Ausschreitungen noch Verletzte. Nach dem regulären Abpfiff hat sich die Szene ja auch wiederholt und alles war in Ordnung. Das Ereignis an sich war nicht außergewöhnlich, lediglich der Zeitpunkt.

Könnte der Wiederaufbau von Sicherheitszäunen, also die Rückkehr zur "Käfighaltung", helfen?
KORFMACHER: Das ist kein Thema. Die Zäune wurden vor der WM 2006 abgeschafft und durch umfangreiche Sicherheitskonzepte ersetzt. Wir müssen ein gewisses Augenmaß bewahren. Sollen wir unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielen, um Risiken zu minimieren?

Wie schätzen Sie Herthas ProtestChancen ein?
KORFMACHER: Das wäre jetzt Kaffeesatzleserei Man müsste schauen, wie die Berliner ihn begründen und welche handfesten Argumente sie vorzulegen haben. Ich persönlich freue mich für die Düsseldorfer, kann aber auch die Enttäuschung der Berliner nachvollziehen.

Fotostrecke
Fussball: Fortuna-Fans stürmen Rasen nach Spiel gegen Hertha BSC
 
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Kommentare
Bedauerlicherweise gibt es unter dem Beitrag "Urteil erst am Montag" keine Kommentarmöglichkeit. Deshalb hier meine Anmerkung:
Wenn es stimmt, was heute diverse Zeitungen behaupten, der Richter habe die Entscheidung vertagt, weil er rechtzeitig den Flieger nach München noch bekommen wollte, dann sagt das mehr aus über die sog. DFB Machenschaften als 1000 Beiträge dies belegen könnten. Es fällt ferner auf, dass fast alle Kommentatoren - auch die NW - sich eindeutig von dem Geschehen und deren Verharmlosungen distanzieren und endlich von den Vereinen mehr erwarten, als reine Lippenbekenntnisse. Um beim Gerichtsverfahren zu bleiben: es fällt auf, dass der Vorsitzende intensiv den Schiri zu den Vorkommnissen befragt hat, das ist ok. Aber: die Entgleisungen der Spieler im Kabinengang - die in keinster Weise zu billigen sind - gehören in ein eigenes Verfahren und haben nichts mit den gemeingefährlichen Vorkommnissen auf dem Platz zu tun. Hier ist der Schiri zu befragen, ob er aus eigener Verantwortung das Spiel wieder angepfiffen hat oder auch auf "Bitten" der Polizei. Der Schiri sagt, er sei nicht "gezwungen" worden. Ok, wie auch, aber vielleicht doch "gebeten"? Das lässt sich doch sehr schnell durch Befragung der Polizei klären, das braucht nicht bis Montag! Ferner: warum hat der Schiri nicht sofort das Spiel unterbrochen, als die Fans bis an die Seitenlinien "stürmten"?? Ist das ein regulärer Ablauf eines Spieles? Ferner: für einen regulären Ablauf - im Rechtssinne - kommt es nicht darauf an, welcher Fan "gezündelt" hat, die Tatsache an sich, die Verletzung der Aufsichtspflicht durch den Gastgeber, ist nach den Statuten des DFB entscheidend. Das sollte auch der Richter wissen. Nein, ein Gericht, dem erkennbar - so die Medien - die Teilnahme am Spiel in München wichtiger ist, als für Klarheit in einer eskalierenden Lage zu sorgen, bringt so Schande und Blamage über den deutschen Fußball. Richtig die Kommentierung in der FAZ: so verdirbt man - nicht nur - den Spaß am Finale in München.
Letzter Satz: Ja, mit Recht verlangen die Bürger nach Sicherheit, Gefahrenabwehr und Risikominimierung, Wer dies in verantwortlicher Position nivelliert, verharmlost oder mit fadenscheinigen Argumenten bei Seite schiebt, macht sich mitschuldig.

Es ist "normal" und "im Freudentaumel verständlich", dass Zuschauer das Spielfeld stürmen? Na toll, wenn sogar der Vizepräsident Verständnis für jeden Mist hat. Und das Argument, dies hier war ja nicht so "einzigartig", es habe ja auch im Pokalfinale Bengalos gegeben, ist an Schwachsinn kaum zu überbieten. Über die Gefahr, die von der Meute ausging, besteht ja wohl kein Zweifel, auch wenn sie ohne Randale-Absicht losgestürmt sein mag. Aber das Spiel war nicht zu Ende. Was, wenn Hertha ein Tor schießt? Haben die 2.000, die bei Wiederanpfiff im Innenraum standen, dann immer noch gute Feierlaune? Das Spiel hätte bei dem nicht mehr vollständigen Rasen und dem kaputten Tornetz sowieso gar nicht wieder angepfiffen werden dürfen, weil der Platz so und mit den eng an der Linie stehenden Zuschauern im Prinzip unbespielbar war. Und das haben allein die Zuschauer zu verantworten. Ich wünsche mir eine nachhaltige Lösung des Problems, die diesen Chaoten mal so richtig weh tut, damit sie endlich begreifen, dass sie sich die Regeln im Stadion nicht nach ihrem Geschmack basteln können. Als sofortige Maßnahme: Neuansetzung auf neutralem Platz ohne Publikum, gelbe bzw. rote Karten für die beweisbaren Spielerentgleisungen ( das ist sogar für Vergehen in der Kabine noch möglich ) und der Appell an die wirklichen Fußballfans, endlich diese falsche Loyalität gegenüber den neben ihnen stehenden Idioten aufzugeben.

Realist, Deine Kommentare lese ich in der Regel sehr gerne , weil Du oft den Nagel auf den Kopf triffst. Nur diesmal muß ich Dir deutlich wiedersprechen. 1. Die Bengalos wurden zuerst von den sogenannten Hertha-Fans losgelassen. 2. Wenn wir wirklich Flughafenverhältnisse vor den Stadien haben (2-3 Std. Kontrolle) werden die Zuschauer mit weiter Anreise gar nicht mehr ins Stadion gehen. 3. Brauchen wir die Flughafenkontrolle überhaupt nicht. 4. Wie in Mainz (da bin ich beruflich sehr oft) werden die problematischen Ecken rund um die Uhr lückenlos per Kameras gecheckt. Der Münzewerfer aus dem Kölnspiel war im Moment des Wurfes schon gescannt. D.h. Bengalos und Feuerwerker werden festgestellt, bekommen Stadionverbot ( bei harten Fällen auch Lebenslang) und haben beim wieder betreten schon einer strafbaren Handlung (Hausfriedensbruch) begangen. Das konsequent durchgeführt wird diese Idioten nach und nach aus unserem Sport herausbringen und keine Kontrolle (100% Sicherheit gibt es nicht) durch die wir am Ende den Sport ruinieren und die Menschen von Sport-Events abschrecken. Zudem hat es früher schon wegen großer Emotionen Spielunterbrechungen gegeben und das ist auch ein Teil von Sportveranstaltungen und zum Glück wird es das immer wieder geben (Friedlich!). Die Vereine sind zum Teil selber Schuld an der Entwicklung von Feuerwerk und Gewalt, weil sie nicht nachdrücklich dagegen vorgehen. Es kann doch nicht sein das eine Fangruppe von Bielefeld bis Frankfurt von SEK begleitet werden muss . Habe ich selber auf der halben Strecke (in Hessen) mitbekommen als ich mit meinem Sohn zum damaligen Spiel von unserer Arminia zum FSV zu gestiegen bin. Wenn das der Sinn von "Fan`s" ist und die Vereine an solchen Kosten nicht beteiligt werden, darf sich über diese Auswüchse auch nicht wundern. Meine Meinung lasst solche Leute erst gar nicht in den Zug oder Bus ! Nur so werden wir diese Idioten wieder los und die haben wir leider von Hamburg bis München und von Bielfeld nach Mainz.

@M. Schlüts Kommentar:
sachlich bleiben heißt, nicht zu verharmlosen, sondern nüchtern zu betrachten was hätte passieren können. In diesem Sinne war dieser Fußballabend eine Katastrophe für den neutralen Beobachter,siehe auch Cliftons Kommentar.
Keine Chance den Chaoten, ich will auch weiter wenigsten unbeschadet IM Stadion sein können...

sie wollen doch nur spielen... das Verhalten von "Fans", Spielern, DFB, etc... ohne Worte



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