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Halle. Die späten Erfolge, noch dazu die unerwarteten, sind vielleicht die schönsten. Im Alter von 31 Jahren holte sich Thomas Haas den Sieg bei den Gerry Weber Open und zugleich seinen ersten Titel auf Rasen. Angefeuert von 12.000 Zuschauern spielte der Underdog beim 6:3, 6:7 (4), 6:1 gegen den auf dem Papier favorisierten Serben Novak Djokovic die dominierende Rolle auf dem Haller Rasenteppich. Und trug sich als vierter Deutscher nach Michael Stich (1994), Nicolas Kiefer (1999) und David Prinosil (2000) in die Siegerliste ein.
Gedankenverloren saß Thomas Haas in Erwartung der Siegerehrung auf der Bank. Im Zeitraffer müssen ihm die Ereignisse der vergangenen zwei Jahre durch den Kopf gegangen sein. Sein bis gestern jüngster Turniererfolg war datiert auf Februar 2007, als er im Finale von Memphis den US-Amerikaner Andy Roddick bezwang. Danach erreichte er noch die Halbfinals von Dubai und Stockholm, schlug sich in Delray Beach, Indian Wells, Houston, Washington und bei den US Open bis ins Viertelfinale durch und machte mit der Achtelfinalteilnahme beim Hallenmasters in Paris noch einmal von sich reden. Und dann – Ende 2007 die Nachricht, dass er zum dritten Mal wegen einer Schulter-OP länger pausieren muss.
Der in Florida beheimatete Hamburger führt ein Leben in dauernder Ungewissheit. Momente wie jenen nach dem verwandelten Matchball im Finale gegen Djokovic will er deshalb nur noch genießen. "Das ist meiner", habe er gedacht, als er den Rückhand-Passierball unerreichbar für Djokovic cross konterte und in den Jubel der Menge eintauchte. "Das ist ein großartiger Tag für mich hier. Ein Sieg in Deutschland und zudem gegen einen Spieler von dieser Klasse ist etwas ganz Spezielles", wird er seinem Publikum später sagen.
Von der Grundlinie entzaubert
37 Ranglistenplätze liegen zwischen Haas (ATP 41) und dem serbischen Himmelsstürmer. Doch die Art und Weise, wie der Deutsche von Beginn an auftrumpfte, erweckte den Eindruck, als sei Haas und nicht Djokovic der an der Weltspitze Etablierte. Mit Variationen beim Aufschlag und druckvollem Grundlinienspiel legte er die Basis für den Gewinn des ersten Satzes. Nicht einen Breakball ließ der in Florida lebende Hamburger bei eigenem Service zu, nutzte seinerseits aber die zweite Möglichkeit zur 5:3-Führung und damit zur Vorentscheidung im ersten Durchgang.Aber als alles auf einen sicheren Zweisatz-Erfolg hindeutete, zeigte Haas sein zweites Tennis-Gesicht. Aus heiterem Himmel servierte er im Tiebreak des zweiten Satzes drei Doppelfehler und ließ den Serben zurück ins Match. "Nur deshalb habe ich den Satz gewonnen. Andernfalls hätte ich verloren", erklärte der faire Verlierer aus Belgrad, der seine Wiederkehr nach Halle fürs nächste Jahr ankündigte.
Happy-End auf dem Centre Court
Es gab Zeiten, da hätte Haas dieses Finale wohl noch verloren. Aber einer, der durch alle Höhen und Tiefen einer Karriere gegangen ist und zudem die 30 überschritten hat, geht bewusster mit den seltener gewordenen Titelchancen um. "Ich war ziemlich frustriert beim Seitenwechsel. Aber dann habe mich gefragt, wie oft ich diese Momente wohl noch erleben darf und habe mich wieder aufgerafft", erzählt der frühere Weltranglisten-Zweite, in Halle noch ohne Trainer, aber in Begleitung seiner Verlobten Sara Foster.Haas war schon in den Tagen vor dem Happy-End auf dem Centre Court der spielbestimmende Mann gewesen. Nur ein einziges Mal geriet seine Mission Titelgewinn in Gefahr, beim 2:5-Rückstand im entscheidenden Satz gegen Landsmann Philipp Kohlschreiber. "Ich bin vielleicht nicht mehr der Jüngste, aber mit meiner Erfahrung mache ich vieles wett", sagt Haas zur Aufholjagd im Halbfinale, die ihm erst die Chance auf den Gewinn des ersten Rasentitels seiner Karriere ermöglichte. Dass er damit Turniere auf allen Belägen gewonnen hat, bedeute ihm sehr viel. "Man hat oft gesagt, dass ich ein Allrounder bin. Jetzt konnte ich es belegen." Für manches ist es eben nie zu spät.











