Nach Achtelfinalsieg gegen Chiudinelli wartet im Viertelfinale ein noch besserer Schweizer
VON STEPHANIE FUST
Halle. "Wenn er so spielt wie in den ersten zwanzig Minuten, ist er sicher auch für Roger gefährlich", meint Marco Chiudinelli über seinen Achtelfinal-Bezwinger Philipp Kohlschreiber. 6:4, 7:5 gewann der Augsburger gegen den Landsmann und Freund des berühmtesten Sportlers der Schweiz und legte dabei los wie "die Feuerwehr" (Chiudinelli). Bis zum 1:4 mit Doppelbreak im ersten Satz stand der Eidgenosse mit Zweitwohnsitz in Halle auf verlorenem Posten, weil Kohlschreiber einen Winner nach dem anderen auf des Gegners Seite schickte. "Es war ein bisschen Glück dabei. Ich habe selbst stark serviert und bei seinen Aufschlag gut spekuliert, so dass ich den Ball immer optimal auf dem Schläger hatte", gibt sich der Daviscupspieler später bescheiden.
Aber es wäre ungewöhnlich, wenngleich es solche Matches gibt, wenn Kohlschreiber dieses hohe Niveau bis zum Ende hätte halten können. So lauerte Chiudinelli, der später erzählte, dass er sich trotz des Rückstands gut auf dem Platz gefühlt habe, auf seine Chance. Die kam und nutzte er zum Rebreak zum 2:4, als Kohlschreiber dreimal nicht "aufgepasst" hatte. Für den Satzgewinn zugunsten des Deutschen reichte es noch, der Schweizer präsentierte sich aber fortan als gleichwertiger Gegner, der mit drei – nicht genutzten – Breakchancen zunächst näher am Satzgewinn war. Eine schwache Aufschlagquote des Baslers beim Stand von 5:5 nutzte Kohlschreiber jedoch zur Entscheidung.
Zu diesem Zeitpunkt saß Roger Federer schon nicht mehr auf der Tribüne. Der sechsmalige Wimbledonsieger hatte sich einige Spiele des zweiten Satzes angesehen, wohl eher aus Freundschaft zu Chiudinelli als aus Interesse am nächsten Gegner. "Er weiß, wie er mir weh tut", sagt Kohlschreiber frei von Illusionen. Deshalb will der Weltranglisten-35. das Viertelfinale gegen die Nummer zwei auch nicht so hoch gehängt wissen. Er habe eine Strategie – früh attackieren, überraschende Momente einbringen –, "aber das ist immer leichter gesagt, als getan." Der Bayer muss es wissen, vier Mal hatte er bereits das Vergnügen mit Federer, drei Mal auf Rasen. Seine Bilanz: Ein Satzgewinn in Wimbledon 2009.
Der Aufschlag wird wie immer auf Rasen eine entscheidende Rolle spielen. "Wenn er eine Chance haben will, muss er gut servieren – durchgehend", rät Chiudinelli, der im Doppel an der Seite des Serben Viktor Troicki m Halbfinale steht. "Es wird sicher ein gutes Spiel, mein Geld würde ich aber schon auf Roger setzen."
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