Mit dem Viertelfinal-Erfolg gegen Kohlschreiber erhöht Federer seine Rasenbilanz seit 2003 auf 75:1
Halle. Die Champions vergangener Jahre sind im Pressezentrum unterhalb des Centre Courts wie in einer Ahnengalerie ausgestellt. Am Freitag war das Siegerfoto aus dem Jahre 2008 plötzlich aus der Reihe gerutscht, von einem dünnen Nylonband gehalten. Manch einer vermutete ein Zeichen dahinter, sah die Chancen Philipp Kohlschreibers im Viertelfinale gegen Roger Federer gestiegen. Doch der siebte Halbfinal-Einzug des Schweizers hing keineswegs am seidenen Faden.
Ein Spiel mehr als im Gerry-Weber-Open-Finale 2008 konnte Kohlschreiber dem genialen Schlagproduzenten bei dessen 7:5, 6:3-Erfolg abnehmen. Zu mehr reichte es auch in diesem Jahr nicht, obwohl Federer zuweilen gar nicht so dominant auftrat, wie man es von dem netten Tennis-Diktator aus dem Alpenland kennt. Im dritten Spiel des ersten Satzes sah sich der Deutsche sogar mit dem Luxus konfrontiert, den ersten Breakball des Matches für sich zu haben. Den aber wehrte Federer souverän mit dem zweiten Aufschlag ab.
"Er hat insgesamt viel mehr Spielanteile gehabt, hat nur einmal gewackelt und ansonsten ist er locker durchgegangen", sagt Kohlschreiber frustriert darüber, dass der Weltranglistenzweite wiederum jede Schwächephase seines Gegners ausnutzt. Als der Augsburger im letzten Spiel des ersten Durchgangs über den zweiten Aufschlag gehen musste, die ein oder andere Situation nicht zwingend genug spielte, schlug der Basler zu.
Und wenn der Fed-Express erst einmal in Fahrt kommt, ist er schwer wieder zu stoppen. "Ich habe vom 5:5 bis zum 3:0 im zweiten Satz fünf richtig gute Spiele gemacht, das macht dann den Unterschied aus", meint der Schweizer. Dabei sei er auch nur ein Mensch, sagt Kohlschreiber. "Auch er spielt mal einen Ball zu kurz, aber man erwartet das nicht von ihm. Und dann stelle ich mich nicht richtig hin und schon ist die Chance vertan", erklärt der Unterlegene das Geheimnis um Federers unglaublich anmutende Rasenbilanz von 75:1-Siegen seit 2003.
Nichts zu machen | FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
Im Halbfinale gegen Philipp Petzschner am Samstag könnte er die Quote auf 76:1 erhöhen. "Wenn ich das höre, muss ich schon schmunzeln. Vor allem, wenn ich daran denke, dass ich 2003 bei den French Open in der ersten Runde ausgeschieden war und manch einer daran gezweifelt hatte, ob ich jemals ein Grand- Slam-Turnier gewinnen werde", erzählt Federer amüsiert.
Das mit der Vorsehung ist eben so eine Sache. Nach dem Halbfinal-Einzug des fünffachen Champions in der Lindenstadt hing das Foto von dessen Triumph 2008 übrigens wieder ordnungsgemäß an seinem Platz.
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