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12.06.2010
Der kritische Halbfinalist
Petzschner bemängelt Blackouts beim Sieg über Lacko / "Bei Roger sieht alles federleicht aus"
VON JÖRG FRITZ

Hadert mit sich | FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

Halle. Philipp Petzschner ist einfach anders. Während Berufskollegen nach dem Erreichen eines ATP-Halbfinales ihr freundlichstes Gesicht in die Kameras halten, frenetisch jubeln und sich feiern lassen, zeigt der 26 Jahre Kölner eine verwirrende Reaktion für das Publikum. Er schüttelt den Kopf, "weil ich mit meinem Spiel am Ende des zweiten Satzes unzufrieden war", lautet seine Begründung. "Vorhandschläge und Returns waren phasenweise schlecht. Ich hatte Blackouts. Ich musste kämpfen."

Fakt ist aber, dass Philipp Petzschner nach seinem 6:4, 6:3-Sieg gegen den Slowaken Lukas Lacko weiterhin beste Werbung in eigener Sache betreibt und ohne Satzverlust ins Halbfinale eingezogen ist. Auf dem Weg ins Finale an diesem Samstag ist die Hürde allerdings sehr hoch. Mit dem fünffachen GWO-Gewinner Roger Federer wartet eine unlösbar anmutende Aufgabe.

"Für mich geht ein großer Traum in Erfüllung, erstmals gegen Roger Federer spielen zu dürfen", sagt Petzschner. Der Schweizer ist für ihn das Maß aller Dinge. "Er ist der Beste, den es je gegeben hat. Alles sieht bei ihm federleicht aus." Eine besondere Vorbereitung gibt es für Petzschner nicht. "Ich habe Roger schon so oft spielen sehen. Ich weiß, was mich erwartet." Wichtig sei nur, an die eigene Chance zu glauben, beschreibt er seine Strategie.

Gegen Lacko erwischte die Nummer 41 der Weltrangliste gleich zweimal einen Traumstart. Jeweils zu Beginn der beiden Sätze gelangen ihm Breaks, was zur deutlichen Beruhigung seines Spiels führte, abgesehen von einigen schwächeren Perioden in der Endphase.

Petzschner ist im bisherigen Saisonverlauf Deutschlands erfolgreichster Tennisspieler. Die Gerry Weber Open sind nach Zagreb, Memphis und München bereits das vierte Halbfinale, in das er in den vergangenen sechs Monaten eingezogen ist. "Auf drei verschiedenen Belägen und vor allem bei zwei Turnieren in Deutschland", fügt der Daviscupspieler an, was ihn besonders stolz macht. Petzschner, so scheint es, ist auf dem besten Wege, sein Saisonziel, in die Top 30 derWeltrangliste einzuziehen, schon zur Jahresmitte zu realisieren.

In seiner Juniorenzeit galt er als Riesen-Talent – ein schwieriger Typ, der sich nicht in ein Schema pressen lassen wollte. Mit 22 galt er als abgeschrieben. Der schafft es nie mehr, so der Tenor. Mit 24 folgte dann sein Paukenschlag, als er als Qualifikant dasTurnier in Wien gewann. Zuvor hatte er bereits sein Daviscup-Debüt 2007 im Doppel gegen Russland an der Seite von Alexander Waske gefeiert.

Mit 26 erntet er endlich die Erfolge für die Schufterei in den vergangenen Monaten. "Was fehlt ist noch ein Ausreißer wie 2008 in Wien", meint Petzschner. Roger Federer und die möglichen GWO-Finalgegner Hewitt oder Becker werden ihm diesen Wunsch wohl kaum freiwillig erfüllen.

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