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20.01.2010
Brand-Rede verhallt ungehört
HANDBALL-EM: Deutsche Nationalmannschaft verliert zum Auftakt 25:27 gegen Polen

Brand | FOTO: DPA

Innsbruck. Das größte und gefährlichste Raubtier der Rocky Mountains ist der Grizzly, den die Indianer auch den Grauen Bären nannten. Doch obwohl sie sich im Innsbrucker Hotel "Grauer Bär" einquartiert hat, konnte sich die deutsche Nationalmannschaft im Auftaktspiel der Europameisterschaft von der Stärke dieses Furcht einflößenden Sohlengängers nicht viel abgucken. Sie unterlag Polen nach einer schwachen Angriffsleistung mit 25:27 (8:12). Und muss vor dem heutigen Spiel gegen Slowenien (18.30 Uhr/ZDF) kräftig um den Einzug in die Hauptrunde bangen.

Die Partie wurde eindeutig in der Offensive verloren. "Das ging mir alles zu schnell, es war eine viel zu große Hektik in unserem Spiel", analysierte Bundestrainer Heiner Brand, der an der Seitenlinie mit ansehen musste, wie sich seine Angreifer - allen voran Lars Kaufmann und Holger Glandorf mit zusammen über 20 Fehlschüssen - zu frühe und schlecht vorbereitete Würfe nahmen und ein ums andere Mal entweder an dem starken Szmal scheiterten oder den Ball in die Karpaten schickten.

"Wir wussten, dass die deutschen Halben, wenn wir sie aus neun, zehn Metern werfen lassen, eine hohe Fehlerquote produzieren können - und genau das haben sie heute gemacht", freute sich Artur Siodmiak, polnischer Abwehrchef in Diensten des TuS N-Lübbecke, diebisch darüber, dass das taktische Abwehrkonzept seines Teams hervorragend aufgegangen war.

Kraus macht letzten drei Minuten für Niederlage verantwortlich

Bis zur 27. Minute hielt die DHB-Auswahl, die beim 1:0 durch Lars Kaufmann das erste und einzige Mal in diesem Spiel in Führung lag, immerhin ein 8:8. Was vor allem daran lag, dass sich die Abwehr nach etwas wackeligem Beginn deutlich steigerte, den Polen zwischen der 10. und 19. Minute keinen Treffer gestattete und so einen zwischenzeitlichen Zwei-Tore-Rückstand egalisieren konnte.
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"In dieser Phase wäre auch mehr als nur der Ausgleich drin gewesen, aber gerade da haben wir zu überhastet abgeschlossen", meinte Kapitän Mimi Kraus. Der Lemgoer machte aber vor allem die letzten drei Minuten der ersten Halbzeit, in denen die Polen auf 12:8 davonzogen, für die Niederlage verantwortlich: "Solche Tiefschlafphasen dürfen wir uns bei diesem Turnier nicht viele erlauben, sonst wird es schwer."

Nach dem Wechsel steckte die deutsche Mannschaft zwar nie auf, kam aber lange Zeit nicht näher heran. Beim 15:21 schien sich nach 50 Minuten sogar ein Debakel anzubahnen, doch so happig wollten sich Brands Mannen dann doch nicht abservieren lassen und fanden mit einer starken kämpferischen Leistung sogar noch einmal Anschluss (20:22/55.). Spätestens aber als Lars Kaufmann in der 57. Minute freistehend an Szmal scheiterte - es war der zwölfte Fehlversuch des Göppingers - und im Gegenzug nach einem Frustfoul eine Zwei-Minuten-Strafe aufgebrummt bekam, war das Fell des Bären verteilt. Leider durfte Polen die Trophäe mit nach Hause nehmen.

Von Untergangsstimmung war im deutschen Lager allerdings nichts zu spüren. "Solche Niederlagen müssen wir akzeptieren - immerhin haben wir gegen den WM-Dritten von 2009 verloren - und daraus lernen, auch wenn wir dafür nur 22 Stunden Zeit haben", erklärte Brand. Sein Kapitän wusste genau, was die Stunde geschlagen hat: "Gegen Slowenien gibt es ein echtes Endspiel." Und weitere alles entscheidende Partien dieser Art dürften folgen.


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