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21.01.2010
Der Felsen
HANDBALL-EM: Bei Abwehrchef Roggisch kann’s gerne mal ein bisschen weh tun
VON HANS-JOACHIM KASPERS

Es geht zur Sache | FOTO: NW

Innsbruck. Auf seiner Homepage nennt er sich "The Rogg", eine Mischung aus seinem Nachnamen und dem englischen Wort "rock" für Felsen: Oliver Roggisch kokettiert gerne mit seinem Image als eisenharter Abwehrchef der Rhein-Neckar Löwen und der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Er gibt mit Vorliebe und Bedacht den mächtigen Fels in der Brandung, an dem die gegnerischen Angriffe zerschellen.

"Mir liegt es, eine gewisse Härte ins Spiel zu bringen", sagt der 31-Jährige, der findet, dass es ganz gut sei, wenn der Gegner wisse: "Beim Roggisch kann’s ein bisschen weh tun." Mehr als für jeden anderen deutschen Nationalspieler ist Handball für ihn ein Kampfsport, ein Kräftemessen Mann gegen Mann, mit und oft genug auch ohne Ball. Den Angreifer früh Brust an Brust oder Schulter an Schulter zu stellen, ihn zu blocken oder mit dem Einsatz aller körperlichen Mittel mitunter an der Grenze des Erlaubten am Wurf oder am Zug zum Tor zu hindern - das ist der Job, den Oliver Roggisch im Lauf seiner Karriere perfektioniert hat und den er auch bei der EM in gewohnter Manier verrichtet: Der Defensivspezialist war zumindest gegen Polen ein Aktivposten der deutschen Nationalmannschaft.

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"Jeder Handballer muss darauf gefasst sein, dass er auch mal Schmerzen empfindet", erklärt er und spricht dabei nach unter anderem drei Nasenbeinbrüchen aus eigener Erfahrung. Im Spiel spüre er zwar selten etwas ("Da renkst du dir einen ausgekugelten Finger einfach selbst wieder ein"), doch am nächsten Morgen komme man sich manchmal vor, "als sei ein Lkw über einen drübergefahren". Abwehrspieler zu sein bedeutet halt ein ständiges Geben und Nehmen.

Roggisch als ganz passabler Kreisläufer

Irgendwann - es muss in grauer Vorzeit gewesen sein - galt Roggisch als ganz passabler Kreisläufer. Doch damit war es zu Ende, als der Villinger 2002 zu TuSEM Essen kam, wo ihm sein Vorbild Dimitri Torgowanow am Kreis vorgezogen wurde. "Bald war ich dann Abwehrspezialist", erzählt der 95-kg-Mann - doch was soll’s? "Damit bin ich Weltmeister geworden und zu den Olympischen Spielen gefahren - auch ohne Tore." Der 129-malige Nationalspieler sieht sich auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit. "Schneller und athletischer werde ich nicht mehr; ich muss versuchen, den aktuellen Stand so lange wie möglich zu halten", meint Roggisch, der deshalb noch mehr als früher in seinen Körper hineinhorcht. "Ich habe zwar immer für den Sport gelebt, aber man kann immer etwas effektivieren, zum Beispiel seine Ernährung", sagt der Modellathlet, der glaubt, dass eine fünf Prozent bessere Vorbereitung ein Jahr länger Handballspielen bedeuten könne.

"The Rogg" hat sich ganz besonders auf das Kräftemessen mit den besten Handballern der Welt bei der Europameisterschaft gefreut, "weil es in der Spitze nur kernige Typen gibt". Einen wie Didier Dinard etwa, den französischen Defensiv-Spezialisten, von dem sogar ein Oliver Roggisch noch etwas lernen kann. "Der spielt noch einen Tick sauberer als ich und kassiert noch weniger Zeitstrafen - aber er ist auch seit Jahren mit bärenstarken Nebenleuten hervorragend eingespielt", sagt der deutsche Abwehrchef. Er selbst musste sich im Innenblock wieder mal an einen neuen Partner gewöhnen: Da der Lemgoer Sebastian Preiß in Österreich nicht nur Verfügung steht, spielen in Innsbruck abwechselnd Michael Haaß, Manuel Späth oder Lars Kaufmann an seiner Seite.

Den im Vorjahr eingeleiteten Umbruch in der Nationalmannschaft hält der Routinier trotz der Anlaufschwierigkeiten bei der EM für nicht weiter problematisch. "Heiner Brand hat das clever gemacht, indem er immer wieder mal einen jungen Spieler dazu geholt und eingebunden hat", sagt Roggisch: Man merke gar nicht, dass der eine oder andere noch nicht so lange dabei sei, "zumal wir ja die gleichen Spielzüge wie vorher spielen". Außer mit ein paar kleinen Tipps für die Abwehr müsse er den Jungspunden nicht weiter auf die Sprünge helfen. "Die sind alle alt genug und brauchen Mamas oder Onkel Ollis Händchen nicht."

So kann sich Oliver Roggisch voll auf sein Spiel konzentrieren, kann dahin gehen, wo es brennt, und sich an den gegnerischen Rückraumschützen und Kreisläufern abarbeiten. Notfalls auch mit unfairen Mitteln. "Wenn es schon eine Zeitstrafe gibt, muss es sich aber lohnen. Dann muss es auch richtig scheppern", sagt er. Ein Mann, hart wie ein Fels - eben "the Rogg".


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