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22.01.2010
Die Doppelspitze
Lindgren und Olsson sollen Schweden auf WM-Kurs bringen
VON HANS-JOACHIM KASPERS

Entgeistert | FOTO: AP

Innsbruck. Team-Coaching hat in Schweden Tradition. So führten Tommy Söderberg und Lars Lagerbäck die Fußballnationalmannschaft zur WM 2002 und zur EM 2004, bei denen sie bis ins Achtel- beziehungsweise Viertelfinale kam. Von dem neuen Führungsduo im Handball erwarten die Nordländer sich noch mehr: Die beiden mehrfachen Welt- und Europameister Ola Lindgren und Staffan Olsson sollen spätestens bei der WM 2011 im eigenen Land an die glorreichen Zeiten der "Tre Kronors" anknüpfen, die die Szene - nicht zuletzt dank der herausragenden Leistungen der heutigen Nationaltrainer - von 1990 bis 2002 mehr als ein Jahrzehnt beherrschten.

Ola Lindgren findet das Job-Sharing mit seinem alten Teamkollegen und Freund optimal. "Zwei Meinungen sind immer besser als eine, und wir glauben einfach, dass wir zu zweit mehr bewirken können als einer allein", sagt er. Weil beide sich in alle Bereiche einbringen wollen, gibt es auch keine grundsätzliche Arbeitsteilung. "Manchmal sehe ich etwas in der Abwehr, das ich anspreche, manchmal macht das Staffan, und zum Angriffsspiel haben wir natürlich auch beide etwas zu sagen", lacht Lindgren.

Eine klare Rollenaufteilung ist nur während der Spiele zu beobachten: Da gibt Olsson an der Seitenlinie den großen Motivator, der Anweisungen aufs Feld schreit und insbesondere die Abwehrarbeit gestenreich begleitet. Lindgren wirkt dagegen kühl bis ans Herz und ist für die Instruktionen während der Auszeiten zuständig. "Das hat auch etwas mit unserem unterschiedlichen Naturell zu tun", erklärt Lindgren, "Staffan ist halt der etwas emotionalere Typ." Und das obwohl "der Alte", wie ihn in Schweden viele nennen, mittlerweile äußerlich stark an Timothy B. Schmitt, den absolut stoischen Bassmann der Popruppe "Eagles", erinnert.

Über 350 Länderspiele auf dem Buckel

Die schwedischen Spieler kommen mit der Doppelspitze gut zurecht. "Beide besitzen großes Fachwissen und viel Erfahrung. Außerdem ergänzen sie sich in ihrer Art unheimlich gut, und der eine sieht das, was der andere nicht sieht - das hilft uns allen enorm", sagt zum Beispiel Mattias Gustafsson.

Der Kreisläufer bestätigte gestern übrigens Berichte, dass der TuS N-Lübbecke Interesse an seiner Verpflichtung hat. "Ich bin mit dem Verein in Kontakt und möchte auch unbedingt in die Bundesliga, aber es gibt da noch andere Möglichkeiten, die ich erst prüfen möchte", meinte der 31-Jährige, der in Dänemark für AaB Handbold spielt.

Doch zurück zu den beiden Handball-Ikonen, die viel gemeinsam haben: Beide sind 45 Jahre alt - Lindgren ist gerade mal einen Monat älter als Olsson -, beide debütierten 1986 in der Nationalmannschaft, beide haben über 350 Länderspiele auf dem Buckel, und beide vergoldeten sich ihr handballerisches Talent in der deutschen Bundesliga, in der Lindgren für Dutenhofen, Düsseldorf und Nordhorn und Olsson für Hüttenberg, Niederwürzbach und natürlich für den THW Kiel spielte.

Hätten auch 15.000 bis 20.000 Karten verkauft werden können

Lediglich bei der Anzahl der geworfenen Länderspieltore klaffen die Werte (Olsson 855, Lindgren 482) weit auseinander, was damit zu tun hat, dass Lindgren sich ab dem Herbst seiner Karriere überwiegend als Abwehrchef betätigte, während Olsson bis zu seinem letzten Spiel im linken Rückraum hochstieg und traf. Unter anderem Sekunden vor Schluss des EM-Finales 2002 zum Ausgleich gegen Deutschland - in der Verlängerung setzte sich dann Schweden durch.

Auch heute geht es wieder gegen die DHB-Auswahl, eine Partie, die als erste aller EM-Begegnungen ausverkauft war. Deutschland gegen Schweden - das ist halt ein Klassiker. Und da beide Teams über große Fan-Gemeinden verfügen, hätten die Organisatoren wohl auch 15.000 oder 20.000 Karten verkaufen können.

In der Vorbereitung lässt Olsson ausnahmsweise seinem Kollegen ein wenig den Vortritt. "Weil Ola ja gleichzeitig auch noch die Rhein-Neckar Löwen betreut, kann er zu den Stärken und Schwächen der deutschen Mannschaft mehr sagen", sagt er. Für Lindgren sind die Duelle mit Deutschland besonders interessant, "weil sich alle Beteiligten gut kennen". Den Vorteil der Deutschen, deren Spieler anders als vor allem diejenigen Schweden, die noch in der Heimat aktiv sind, von Woche zu Woche voll gefordert würden, müsse sein Team mit einer besonders konzentrierten und disziplinierten Leistung auszugleichen versuchen, sagt Lindgren. Und will nicht ausschließen, dass er ein bisschen in die Trickkiste greifen wird, um seiner Mannschaft zum Erfolg zu verhelfen. Alles natürlich schön abgestimmt mit Staffan Olsson.


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