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22.01.2010
Bei einem Remis ist alles gut
Die starke zweite Halbzeit gegen Slowenien macht Mut für die Partie gegen Schweden

Spielkultur wiedergefunden | FOTO: HEUBERGER

Innsbruck. Am Ende des Pressetermins nahm sich Christian Schwarzer den Göppinger Rückraumschützen Lars Kaufmann zur Seite. "Zieh’ nicht immer gleich zur Mitte, behalt deinen Außen im Blick - und bleib ruhig", ermahnte der bei der EM in Österreich als ZDF-Experte tätige Weltmeister von 2007 den bislang wenig überzeugenden Jungspund. Der hörte brav zu und gelobte für das alles entscheidende Gruppenspiel gegen Schweden (heute, 18.15/ARD) Besserung.

"Natürlich hat Heiner ihm das auch schon gesagt, aber man muss die Spieler immer und immer wieder nerven, damit sie solche Anweisungen verinnerlichen und irgendwann umsetzen", begründete Schwarzer seinen Vorstoß, den ihm der Bundestrainer keineswegs übel nahm. "Blacky ist ja nicht irgendjemand, der darf solche Dinge ruhig mal ansprechen", meinte Heiner Brand.

Der Coach selbst sieht sein Team im Aufwärtstrend und konnte deshalb in der Nacht nach dem Slowenien-Spiel "zum ersten Mal nach einer Woche wieder mehr als vier Stunden schlafen". Wäre es gegen die Slowenen allerdings nach der Pause so weiter gegangen wie in der ersten Halbzeit, hätte man ihn wohl noch um vier Uhr morgens - mit sich und den Seinen hadernd - durch die Innsbrucker Hofgasse streunen sehen können. "Ich habe beim Videostudium mal eine Strichliste angelegt und herausbekommen, dass wir in den ersten zehn Minuten gegen Slowenien neun einfache Fehler gemacht haben. Das ging natürlich gar nicht", berichtete Heiner Brand, dem auch auffiel, "dass die Mannschaft im Angriff einfach nicht frei wirkte". Dank einer tollen Aufholjagd, bei der im Angriff endlich einmal mehr richtige als falsche Entscheidungen getroffen worden seien, habe sein Team aber viel Selbstbewusstsein getankt, was vom Kopf her gegen die zweimal als unglückliche Verlierer vom Platz geschlichenen Schweden
entscheidend sein könne.

Vielleicht können sich ja bislang hinter den Erwartungen zurück gebliebene Akteure - wie etwa auch die Lemgoer Mimi Kraus und Holger Glandorf - an Michael Müller ein Beispiel nehmen. Der mit 38 Länderspielen international noch relativ unerfahrene Rückraumspieler der Rhein-Neckar Löwen war mit seinen fünf Treffern nicht nur maßgeblich am Umschwung gegen Slowenien beteiligt, sondern sorgte mit schönen Pässen auf Theuerkauf und Sprenger auch endlich für die von Heiner Brand bislang so schmerzlich vermisste Spielkultur.
"Die Slowenen liegen mir, weil man gegen sie oft in 1:1-Situationen kommt; gegen die kompakter stehenden Schweden wird das aller viel schwieriger", erklärte Müller. Gegen die Nordländer ist der 25-Jährige aber besonders motiviert, weil sie von seinem Klubtrainer Ola Lindgren gecoacht werden. "Klar will ich ihm, bei aller Freundschaft, eins auswischen und zeigen, dass ich gut drauf bin", sagt der gebürtige Franke - vielleicht bekommt er dann ja in der Rückrunde bei den Löwen endlich mehr Spielanteile.

Auch Manuel Späth hat einen wichtigen Grund, sich heute mehr denn je ins Zeug zu legen. "Bei meinem ersten großen Turnier will ich doch nicht in der Vorrunde ausscheiden", sagte der Göppinger. Hoffen wir also, dass wie beim Supercup Ende Oktober in Halle zumindest wieder ein Remis für die DHB-Auswahl herausspringt. Das würde nämlich schon zum Weiterkommen reichen.


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