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30.01.2010
Mimi sucht seinen Weg
Der viel gescholtene Lemgoer Kraus stellt sich der Kritik und gibt sich kämpferisch

Beißt sich durch | FOTO: DPA

Innsbruck (dogi). Sie haben die EM alle zusammen vergeigt: Von den deutschen Nationalspielern, die die Bühne der europäischen Handball-Festspiele erstmals seit zehn Jahren vorzeitig verlassen mussten, zeigten nur wenige Normalform. Und doch konzentriert sich die Kritik nach dem enttäuschenden Abschneiden auf einen Spieler: Michael "Mimi" Kraus vom TBV Lemgo.

Der Kapitän der DHB-Auswahl bekam es knüppeldick, vor allem vom früheren Europameister Daniel Stephan. "Mimi ist ein hervorragender Handballer, aber er kann eine Mannschaft nicht führen", sagte der Ex-Lemgoer – starker Tobak, der sonst in der immer noch recht heilen Handballwelt nur selten gebraucht wird. Auch die Teamkollegen sehen, dass Kraus in Innsbruck mehr mit sich als mit den Anforderungen von außen zu tun hat. "Er tut mir auch ein bisschen Leid, vielleicht ist das Kapitänsamt im Moment für ihn mehr eine Last", erklärte etwa Torwart Johannes Bitter.

Der Gescholtene weiß natürlich auch, "dass das eine enttäuschende EM von mir war". Aber er stellt sich der Öffentlichkeit, "auch wenn es für mich mal nicht rosig aussieht." Die vielen "Baustellen" in seinem Körper – zu den schon vor der EM aufgetretenen Problemen mit Knie und Oberschenkel gesellte sich noch eine bei einem Duell mit dem Franzosen Abalo zugezogene Nasenverletzung – verhinderten, dass er der Mannschaft so helfen konnte, wie er das vorhatte. "Vielleicht muss ich in Zukunft überlegen, so ein Turnier doch abzusagen, wenn ich angeschlagen bin", sagt Kraus, dem jetzt eine enttäuschende Erkenntnis bleibt: "Wie ich hier gespielt habe, ist es fast so, als wäre ich gar nicht da gewesen."

Mimi Kraus wirkt nachdenklich in diesen Tagen. Von dem Sonnyboy der WM 2007 oder dem Tunichtgut, dem Heiner Brand nach der EM 2008 wegen mangelhafter Einstellung eine Denkpause verordnet hatte, ist nichts mehr zu sehen. Auch Außenstehende merken: Da ringt einer um seinen künftigen Weg. Der wird zwar kein leichter sein, doch Kraus will den Kampf annehmen und sagt: "Ich bin noch jung und muss noch in diese Rolle hineinwachsen. Dafür werde ich alles tun." Wünschen wir ihm eine gute Reise.


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