Gespräche über eine Vertragsverlängerung mit dem Nationalspieler sind beim TBV offenbar auf sehr gutem Weg
Lemgo. Das Mädchen im gelben Trikot, ein Handball-Mini, hat unter all den großen Männern den Überblick verloren. Es hat viele Autogramme gesammelt, aber dieses fehlt wohl doch noch. Vorsichtig fragt es nach: "Wer bist Duuu?" Der junge Mann im weißen Sportdress begreift sofort – und während er seinen Namen auf ihr Trikot kritzelt, sagt er fröhlich: "Martin Strobel."
Dass sie damit schon hat, was der TBV Lemgo gerne in den nächsten Tagen bekäme, kann der kleinen Nina nicht aufgehen. Verträge von Profisportlern sind jenseits der kindlichen Vorstellungskraft. Für die Erwachsenen beim TBV Lemgo jedoch bedeuten die Verhandlungen über eine Verlängerung der Zusammenarbeit mit ihrem Spielmacher eine Menge. Die Gespräche laufen seit Wochen mit unterschiedlicher Intensität.
Am Morgen nach dem überzeugenden 31:29-Heimsieg gegen Flensburg hat TVB-Geschäftsführer Volker Zerbe den Faden wieder aufgenommen. "Die Tendenz passt. Wir wollen, dass er bleibt, und er will es grundsätzlich auch", berichtet Zerbe, "ich gehe davon aus, dass wir uns einigen werden". Dem Vernehmen nach geht es um einen Zweijahresvertrag. Der kann jetzt sogar recht schnell abgeschlossen werden, denn Strobel hat am Dienstag nach der Befriedigung aller Fan-Autogrammwünsche für beide Seiten Handlungsbedarf festgestellt: "Ich möchte jetzt sehen, dass es voran geht. Es ist an der Zeit, dass alle Planungssicherheit erlangen."
Gut möglich, dass die Personalie Strobel vor dem nächsten Punktspiel in Lübbecke (Sa., 18. Februar) positiv für Lemgo geklärt ist. So wie der 25-Jährige sein Wohlfühlklima beim TBV beschrieb, wäre ein Scheitern der Gespräche wie ein Blitz aus heiterem lippischen Himmel. "Es macht", sagte Strobel, "einfach Spaß mit dieser Mannschaft und mit diesen Zuschauern. Heute haben wir gesehen, welches Potenzial wir haben. Jeder war auf den Punkt hin klar. So waren wir in der Lage, immer richtig zu reagieren."
17:16, 20:19, 29:28, 30:29 – so eng ging es dann trotz zwischenzeitlich deutlichen Führungen gegen den Champions-League-Aspiranten Flensburg bisweilen zu. Der TBV verlor aber nie das Vertrauen in die eigene Stärke und das passende Konzept. "Auch in den heißen Phasen hat Martin die Truppe gut geführt, er wusste, was zu tun war", lobte Trainer Dirk Beuchler und sprach von einer "richtigen Antwort, die er gegeben hat".
Worauf? Strobel war in Serbien vorläufig aus dem EM-Kader der Nationalmannschaft gestrichen worden, was die Verantwortlichen in Lemgo selbstredend nicht begrüßten. "Nicht nachvollziehbar" fand Zerbe diese Entscheidung des Bundestrainers Martin Heuberger.
Nach einem persönlich so unbefriedigend verlaufenen Turnier wirkt eine gute Leistung in der Bundesliga befreiend. "Das hat gut getan", sagte Strobel. Die Wertschätzung, die er dieser Tage beim TBV Lemgo erfährt, unterscheidet sich eben eklatant von jener bei der Nationalmannschaft. Jetzt fehlt nur noch diese eine Unterschrift.
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