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11.02.2012
Konzentrierter durch Klänge
Der TuS N-Lübbecke arbeitet mit Schall-Therapeut Ulrich Conrady zusammen
VON RAINER PLACKE

Besprechung | FOTO: OLIVER KRATO

Lübbecke. Das Training ist beendet. Markus Baur hat seine Mannschaft ganz speziell auf die Partie beim SC Magdeburg vorbereitet. In der Trainingseinheit wurde intensiv das Rückzugsverhalten nach Ballverlusten im Angriff besprochen, um die gefürchteten Gegenstöße des SCM zu unterbinden. Kurz vor dem Ende der Einheit ist Ulrich Conrady in der Lübbecker Kreissporthalle erschienen. Er bespricht sich kurz mit Markus Baur, um dann wieder in den Hintergrund zu treten. Seine Arbeit beginnt erst ein paar Minuten nach dem offiziellen Trainingsende.

Markus Baur ruft Vierergruppen auf, die sich dann mit Ulrich Conrady zurückziehen. Conrady stellt den Spielern gewisse Hausaufgaben, die sie zu erledigen haben. "Es läuft vieles auf freiwilliger Basis. Es gibt manche Spieler, die sehr interessiert an dieser Methode sind", erzählt Conrady von seinen Erfahrungen beim TuS N-Lübbecke.

Conrady ist Erfinder von AVWF (Audiovisuelle Wahrnehmungsförderung), auch Schalltherapie benannt. Conrady moduliert Musik am Computer. Auf unbewusster Ebene soll Conradys Mixtur enorme Wirkung auf das vegetative Nervensystem entfachen. Signale lösen bestimmte Reaktionen im Stammhirn aus, eine Art neurologisches Antistress-Training. Sportler sollen mit dieser Methode besser schlafen, leichter entspannen. Schallwellen in einem Musikstück werden dabei so moduliert, dass sie über Nervenfasern im Mittelohr das autonome Nervensystem stimulieren und wieder in Balance bringen. "Vom Handball selbst habe ich keine Ahnung, da halte ich mich komplett raus", sagt Conrady, der seit Saisonbeginn ganz offiziell für den Handball-Bundesligisten TuS N-Lübbecke mit "AVWF-Neuro-Coaching" arbeitet. "Es geht darum die Spieler in einen ausgeruhten und konzentrierten Zustand zu bringen", erläutert Conrady die Methode.

Markus Baur hält viel von der Schall-Therapie, weil er sie persönlich vor der Handball-WM 2007 in Anspruch nahm und nach seiner Achillessehnenverletzung im Vorfeld enorm davon profitierte. "Für mich ist es sehr wichtig und interessant, dass ich von Ulrich Conrady Daten bekomme, die ich für die Trainingssteuerung und das Spiel benutzen kann", freut sich Baur.

"Bei Einzelsportlern erteilt man manchmal rigorose Anweisungen oder Verbote, bestimmte Dinge nicht zu tun", erzählt Conrady. So verbot er beispielsweise einer deutschen Biathletin, spät abends noch per Internet bis spät in die Nacht zu telefonieren. "Ruhe und Regeneration sind extrem wichtig in diesem Zusammenhang, um sich auf ein sportliches Ereignis vorzubereiten", ergänzt Conrady.

"Wir entwickeln aus meinen Beobachtungen heraus eine gemeinsame Strategie für jeden Wettkampf, und jeder hat die Aufgabe für sich individuell eine Lösung zu finden, die wiederum vor einem Spiel manchmal mit Markus oder mir besprochen werden", beschreibt Conrady seine Vorgehensweise. "Das ist ja keine Zauberei, sondern eine Ergänzung der normalen handball-spezifischen Trainingsarbeit", weiß Conrady, der drei Dinge als ganz wichtig erachtet. P (ositive Einstellung), A(ufmerksamkeit) sowie S (elbstvertrauen) lautet seine Erfolgsformel. "Es geht darum, die Spieler in einen Zustand der inneren Ruhe und Konzentration zu versetzen. Wenn man selbstbewusst und ohne Aggression ist, kann man nun einmal bessere Leistungen abrufen. Mit meiner Arbeit versuche ich den Spielern klarzumachen, bestimmte Dinge, die gut für sie sind, in Stress-Situationen abzurufen", erzählt Conrady.

Markus Baur, ohnehin ein offener Typ, hält sich total im Hintergrund, wenn Ulrich Conrady mit den Spielern Dinge bespricht. "Das ist seine Abteilung, da mische ich mich überhaupt nicht ein. Ich finde es auf jeden Fall interessant, neue Wege auch bei der Trainingsgestaltung zu gehen und die Arbeit für die Spieler immer individueller zu gestalten", sagt Baur.

Sowohl Baur als auch Conrady wissen nur zu genau, dass die positiven Ergebnisse des TuS N-Lübbecke im bisherigen Saisonverlauf nicht alleine auf die Schall-Therapie zurückzuführen sind. "Machen wir uns doch nichts vor. Letztlich geht es bei einem Handballspiel darum, ein Tor mehr als der Gegner zu werfen. Wir können den Spielern lediglich Hilfestellungen geben, mit bestimmten Situationen entspannter und zielgerichteter umzugehen", sagt Conrady.

Ob Ulrich Conrady auch in der kommenden Saison für den TuS N-Lübbecke arbeiten wird, steht noch nicht fest. Markus Baur ist sich sicher, dass er bei seinen künftigen Aufgaben auf die Hilfe von Ulrich Conrady "sehr gerne" zurückgreifen möchte. Und noch etwas hält Baur für wichtig. "Wenn wir mit dem TuS N-Lübbecke das Final-Four in Hamburg am ersten Mai-Wochenende erreichen sollten, dann soll sich Ulrich Conrady das Wochenende unbedingt freihalten", sagt Baur.



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