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22.04.2008
Sieger beim einzigen Start
Bahnspezialist Weidler bringt 1987 die Organisatoren in die Bredouille
VON JÖRG FRITZ

Gütersloh. Es war ein heißer Frühlingssonntag, an dem sich viele Spaziergänger in Cafés entspannten und die warmen Sonnenstrahlen bei kühlen Erfrischungsgetränken genossen. An jenem 26. April 1987 gab es jedoch auch Menschen in dieser Region, die nichts Besseres zu tun hatten, als 30,6 Kilometer von Detmold-Hiddesen zur Bielefelder Sparrenburg zu laufen. 2.916 Läufer, Jogger und Wanderer nahmen den Kampf bei der Tort(o)ur durch den Teuto auf sich.

Einer dieser Aktivisten war der Gütersloher Frank Weidler. Der damals 23-Jährige, der zu den stärksten Bahnläufern auf der Mittel- und Langstrecke in OWL gehörte, sollte nach einer Laufzeit von 1:47:13 Stunden Hermannslauf-Geschichte schreiben. Weidler lief gemeinsam mit dem Engländer Toni Marshall durchs Ziel, was zur großen Verwirrung bei den Organisatoren vom Bielefelder Skiclub führte. "Es gab natürlich nur einen Siegerkranz", erinnert sich Weidler. Den nahm Marshall mit nach Hause, während Weidler ein Paar Laufschuhe, "die mir auch noch zu klein waren", als Prämie erhielt.

Siegerkranz und passende Treter wurden ihm nachgereicht. Von seinem Mitgewinner hat er niemals wieder etwas gehört. Statt dessen musste sich der gelernte Goldschmied heftige Kritik aus Läuferkreisen gefallen lassen. Sich dem Spurtduell nicht gestellt zu haben, kam damals schlecht an. Dieser Nichtangriffspakt wurde ihnen als Schwäche ausgelegt. Weidler: "Erst Jahre später haben die Leute verstanden, dass unser Agreement auf der Promenade als gegenseitige Anerkennung zu verstehen war."

Weidler, der heute in der Gütersloher City als Juniorchef im Juweliergeschäft seines Vaters tätig ist, hat während seiner Laufbahn nur ein einziges Mal am Hermann teilgenommen. "Als Bahnläufer war mir die Hermannslauf-Strecke zu lang", begründet Weidler seine distanzierte Einstellung zu dieser Veranstaltung. Um aber mitreden zu können, entschied er sich dann doch kurzfristig für eine Teilnahme; auch, weil die Generalprobe beim Spiegellauf glückte. "Dem Favoriten Martin Sprenger habe ich eine Minute abgenommen. Da wusste ich, welche Stärken ich habe."

Auch wenn mittlerweile 21 Jahre vergangen sind, kann sich Weidler noch sehr gut an den Streckenverlauf erinnern. Der Anstieg zum Ehberg sei schmerzhaft für die Muskulatur gewesen, sagt der gebürtige Schwäbisch Gmünder. Ab der Panzerbrücke in Augustdorf begann für ihn Teil zwei des Laufes, der bis zu den Treppen in Lämershagen führte. "Dort bin ich mehr gegangen als gelaufen." Und im letzten Drittel, meint Weidler, lasse sich ohnehin niemand hängen, da an der Promenade in Bielefeld viele Zuschauer stehen und Applaus spenden." Für Weidlers Image war der Sieg von großer Bedeutung. "Viele Leute verbinden Vorstellungen mit dem Hermannslauf. Meine Bahntitel zählen hingegen weitaus weniger in der öffentlichen Wahrnehmung." An einen zweiten Start verliert er keinen Gedanken. "Diesen Ehrgeiz habe ich nicht mehr. Ich habe mich einmal der Herausforderung gestellt. Das reicht."


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