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23.04.2008
Abenteurer und Idealist
Gründer Schlüter über Motivation und Aufbauphase
VON CLAUS-WERNER KREFT

Bielefeld. Seit fünf Jahren ist Prof. Dr. Wolfgang Schlüter Schirmherr des Hermannslaufs; aber er hat ihn 1971 auch initiiert. Der 73-Jährige erinnert sich an die "zarte Idee eines Laufs von Bielefeld nach Detmold oder umgekehrt". Sie kam ihm, als er mit Peter Gehrmann auf der Bielefelder Promenade lief. Inspiriert hatte ihn auch seine Teilnahme am großen schwedischen Wasalauf, von dem er Anregungen wie die Busfahrt zum Startort oder den Siegerkranz übernahm

Die sportliche Vita des Bielefelder Anwalts für Steuerrecht, der zudem in Hannover an der Juristischen Fakultät lehrt, liest sich wie ein großes Abenteuer. Den Extrembergsteiger führten Expeditionen siebenmal in den Himalaya (zuletzt nach Buthan); ihm gelangen 13 Erstbesteigungen in der Arktis und zwei in Südamerika. Als Skilangläufer startete er fünfmal beim Wasa und zweimal beim finnischen Hiito, beendete als erster Europäer eine fünfteilige Superserie. Zu seinem Repertoire zählt auch das Fallschirmspringen.

Als junger BTG-Leichtathlet lief er in einer Staffel mit dem späteren Olympiavierten Paul Schmidt und einmal auch gegen Herbert Schade (5.000-Meter-Bronze 1952 in Helsinki). Während des Studiums in Freiburg hatte er Kontakt zur Trainerlegende Woldemar Gerschler. Er absolvierte 30 Marathons und mehr als zwei Dutzend 100-km-Läufe, die Hermannslaufstrecke lief er bis zum Alter von 70 Jahren 106-mal, davon 16-mal im Wettkampf.

Schon als 17-Jähriger war Schlüter an den Lämershagener Treppen unterwegs. Schmunzelnd erinnert er sich an den Kommentar kopfschüttelnder Anwohner: "Da löppt er wieder, der Verrückte." Später setzte er gegen Widerstände das Startrecht von Frauen und Kindern beim "Hermann" durch. Er schätzt die von diesem Lauf ausstrahlende Wärme und möchte den ursprünglichen Charakter bewahren; Stars mit Geld zu locken, lehnt er strikt ab. Ideelle Beweggründe bestimmten schon die Aufbauphase: Zu Zeiten des Fußballskandals wollte man den Bielefelder Sport aus den Negativ-Schlagzeilen herausholen. Als der "Hermann" nach fünf Jahren Überschüsse erwirtschaftete und diese dem karitativen Kinderprojekt einer Fernsehsendung zufließen sollten, lehnte der veranstaltende Ski-Club ab. Dessen Läufer spalteten sich ab, gründeten die ASG. Vor 20 Jahren trat der Ski-Club die Veranstalterrechte an den TSVE 1890 ab.

"Der Hermannslauf ist ein Stück meines Lebens", bilanziert Wolfgang Schlüter, der als Ideengeber ein Tandem mit dem kraftvollen Organisator Peter Gehrmann bildete. Unkonventionell hat er den Erfolgsweg des Teuto-Klassikers geebnet und beispielsweise als junger Anwalt sein Büro zum Organisationsstützpunkt gemacht. Dem Widerstand von Leichtathletikverband und Behörden begegnete er, indem er den durchsetzungsfähigen Sportfunktionär Willi Weyer für die Schirmherrschaft gewann.

Heute findet Schirmherr Schlüter viel Lob für den TSVE und seine Hilfskräfte. Er hofft, dass der mit neuen Größenordnungen ("7.000 Aktive sind eigentlich schon zu viel") konfrontierte Verein nicht müde wird. Und sein sportlicher Wunsch? "Es müsste mal wieder ein junger, strahlender Stern kommen und den Lauf gewinnen."


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