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25.04.2008
"Mit einem Sieg bist du wer"
INTERVIEW: Michael Amstutz und Marcus Biehl sind die erfolgreichsten Hermänner

Bielefeld. Der Gütersloher Theo Pyl hat zwar drei Mal den Hermannslauf gewonnen, doch die erfolgreichsten Starter dieser OWL-Tour heißen Michael Amstutz (41) aus Bad Driburg und Marcus Biehl (38) aus Oerlinghausen, die neben jeweils zwei Siegen weitere Podestplätze zu verzeichnen haben. Vor der 37. Ausgabe am Sonntag sprach Jörg Fritz mit den beiden "Super-Hermännern".

Herr Amstutz, wie oft sind Sie bislang an den Start gegangen?
MICHAEL AMSTUTZ:
Am Sonntag höre ich zum 20. Mal das Startsignal am Hermanns-Denkmal.

Und Sie, Herr Biehl?
MARCUS BIEHL:
Ich habe es bislang auf nur 14 Teilnahmen gebracht. 2007 habe ich eine Babypause eingelegt. Und auch am Sonntag muss ich passen. Nach einer Nasennebenhöhlen-Operation bin ich noch nicht fit.

Wann war Ihr erster Hermann?
BIEHL:
1985. Ich wollte meinen Vater besiegen, der mitlief. Das klappte dann auch. 2:16 Stunden lief ich damals.
AMSTUTZ: Nach einigen Marathonläufen habe ich mich aus reiner Neugierde 1989 am Hermann versucht. Es funktionierte. Ich wurde gleich Zweiter.

Welchen Reiz vermittelt Ihnen der Hermannslauf?
AMSTUTZ:
Mit einem Sieg bist du wer in der Szene. Er ist ein Kultlauf, der mich auch weiterhin fasziniert. Ich will die Zahl 50 vollmachen.
BIEHL: Für mich besteht der Reiz darin, dass meine Heimatstadt Oerlinghausen eine wichtige Station ist. Der Hermann ist ein regionales Großereignis. Jeder kennt ihn und seine Sieger.

Gibt es eine Rivalität zwischen Ihnen?
AMSTUTZ:
Als Marcus sich zu einem starken Läufer entwickelt hatte, begann ich 1995 mit der Meisterschule und musste sportlich kürzer treten. Wir sind uns um den Sieg somit nie ins Gehege gekommen.
BIEHL: Ich bewundere Michael, dass er seine Siege 1990 und 1992 ohne Trainer erreicht hat. Ohne Coach hätte ich es nie geschafft.

Was sind für Sie die schönsten und schwierigsten Teilstücke der Strecke?
BIEHL:
Ich laufe immer wieder gerne durch Oerlinghausen. Schwierigkeiten bereitet mir hingegen ein kleiner Hügel hinter den Treppen am Eisernen Anton.
AMSTUTZ: Bis zum Tönsberg ist es schön. Dann zwicken die Waden. Und wenn die Zuschauer an der Strecke den Läufern dann noch applaudieren, ist die Gefahr groß, zu schnell zu laufen. Das rächt sich später bitter.

Wie viele Kilometer absolvieren Sie vor einem Hermannslauf-Start?
BIEHL:
Ich bin ein Kilometerfresser und habe bei meinen Siegen 2000 und 2004 jeweils im März bis zu 200 Kilometer in der Woche zurückgelegt. Viel Laufen bringt auch viel.
AMSTUTZ: Ich bin auch kein Tempobolzer und trainiere zu 90 Prozent nur die Ausdauer. Seit 25 Jahren fahre ich damit sehr gut und habe mir fast nie eine Verletzung zugezogen. Die Sportler, die nur auf Tempo trainieren, sind früh kaputt.

Wie fit sind Sie für Sonntag?
AMSTUTZ:
Ich habe mich mit meinem Laufkollegen Michael Brand eine Woche lang auf Mallorca gut vorbereitet. Ich verspüre zwar noch ein wenig Muskelkater. Der wird aber bis Sonntag verschwinden. Wenn ich mir nicht noch kurzfristig eine Erkältung zuziehe, traue ich mir einen Platz unter den ersten 20 zu. Mehr ist nicht möglich. Das Teilnehmerfeld ist zu stark besetzt.

Herr Biehl, werden Sie 2009 wieder an den Start gehen?
BIEHL:
Wenn ich gesund bin, ja. Allerdings wird es für mich auch nicht mehr zum Sieg reichen. Beruf und Familie sind jetzt wichtiger. Ich habe deshalb auch weniger Zeit für das Training. Letztlich habe ich beim Hermannslauf aber mehr erreicht, als ich es mir vorstellen konnte.

Wer ist Ihr Favorit für den Sieg am Sonntag?
BIEHL:
Es ist sehr schwer, eine Prognose abzugeben. Ich will mich nicht festlegen, wünsche mir aber, dass Michael Brand ganz vorne landet.
AMSTUTZ: Ich lege mich auf den Hannoveraner Thomas Bartholome fest. Er ist ein feiner Kerl und guter Läufer.


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