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26.04.2008
Sansars Respekt vor Brand
Viele Favoriten: Das Männerrennen ist offen wie lange nicht mehr
VON CLAUS-WERNER KREFT

Bielefeld. Selten war die Favoritenfrage so spannend, so offen – trotz eines Titelverteidigers, der darauf hofft, nach dem Gütersloher Theo Pyl dreimal zu gewinnen und das nach Hattrick-Art sogar in Folge. Beim Einstand 2006 und auch 2007 siegte Elias Sansar souverän; aber in den letzten Monaten machte er wegen seiner Wadenverletzung eine schwierige Phase mit wenig überzeugenden Ergebnissen durch. Und drei, vier hoch motivierte Konkurrenten lauern auf ihre Chance.

Eine Kampfansage kommt vor allem vom Vorjahreszweiten, dem Schwaben Jürgen Wieser. Hoch gehandelt wird auch der Ostwestfale Michael Brand aus Brakel, der 2007 hinter Sansar und Wieser Dritter wurde. Als Geheimtipp gilt der norddeutsche Crossmeister Thomas Bartholome, als chancenreicher Außenseiter auf einen Medaillenrang der Bielefelder Lokalmatador Volkmar Rolfes, für den Michael Brand Favorit ist.

Ex-Sieger Philipp Brouwer muss wegen eines Bänderrisses im Fuß passen. Und eine Erkältung gefährdet den Start des unberechenbaren, stets zu einer Überraschung fähigen Jörn Strothmann, der 2004 Bronze holte. Auch Mark Day, vermeintlicher Favorit aus England, tritt offenbar nicht an.

"Wenn ich acht Kilometer vor dem Ziel noch dabei bin, könnte es klappen", sagt Elias Sansar, um mit einer selbstbewussten Ansage gleich noch etwas deutlicher zu werden: "Ich will unbedingt gewinnen und glaube auch, dass es reicht." Andrerseits geht der 28-Jährige von der LG Lage-Detmold davon aus, dass die Konkurrenz mit bis zu 200 Wochenkilometern mehr als das Doppelte seines eigenen Pensums investiert hat. Früher waren auch Sansars Umfänge ähnlich hoch; jetzt aber bremste ihn die Wade.

"Bei den Westdeutschen im Halbmarathon war ich mit 1:13:13 Stunden Welten von meiner Bestzeit entfernt", grübelt er, "ich hatte alles gegeben, war aber kaputt." Es überrascht, dass Sansar nicht Jürgen Wieser als seinen Hauptgegner sieht. Respektvoll äußert er sich über Michael Brand, der im Winter oft sein Partner beim Intervall- und Tempotraining war: "Ich weiß, dass Michael viel drauf hat." Der spielt den Ball zurück: "Elias ist so talentiert und erfahren, dass man ihn immer hoch einschätzen muss."

Brand, mit 25 der Jüngste im Favoritenkreis, hat sich beim Training auf Mallorca an Wärme gewöhnt, bevorzugt aber kühleres Wetter. Maximal 150 bis 180 Kilometer betrug sein Wochenumfang. "Alles ist okay, ich bin nicht krank gewesen und sehr gut drauf", verrät er. Ähnlich äußert sich Jürgen Wieser: "Ich bin topfit und optimal vorbereitet, alles passt." Der Ellwanger, neunmaliger Gewinner des schweren Alb-Ultramarathons über 50 Kilometer, hatte schon auf seiner Homepage angekündigt, "zwei echte Hammerwochen runterreißen" zu wollen, um am 27. April punktgenau in Bestform zu sein.

"Extreme Tempoläufe" liegen hinter ihm. Auch mental gehe er ganz anders heran als beim Debüt, sagt Wieser, der als Coach vierzig Gildemeister-Mitarbeiter vorbereitete. Er war von Februar bis April dreimal auf der Strecke, hat sie sich genau eingeprägt und ist überzeugt, dass die Karten am Berg gemischt werden ("Im Flachen können viele schnell laufen"). Die Gefahr eines Einbruchs sieht er diesmal nicht. "Das heißt aber noch nicht, dass ich der Sieger sein werde", übt er sich in Bescheidenheit.

Wieser ist 1999 den Marathon in 2:23:27 Stunden gelaufen; Thomas Bartholome, sein Alterskollege vom reifen Läuferjahrgang 1969, war früher noch zwei Minuten schneller. Unvoreingenommen möchte der einzige Debütant unter den Favoriten das Rennen erleben: "Ich wollte schon immer mal den Hermann laufen, über den ich viel Gutes gehört habe." Mit seinen Chancen hat sich der Senioren-Vizeeuropameister noch nicht beschäftigt; aber die komplett absolvierte Cross-Saison, auch die am 13. April bei den "Norddeutschen" erzielten 30:53 Minuten über 10 Kilometer, sind ein Signal.


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