Bielefeld/Detmold. Wie doch die Zeit vergeht. An diesem Sonntag bestreitet Marcus Biehl mittlerweile seinen 15. Hermannslauf. Es wird für ihn ein besonderes Rennen sein, da der 39-Jährige in den vergangenen zwei Jahren nicht dabei war.
Sein Ehrgeiz ist groß, zum siebten Mal in seiner Laufbahn bei seinem Lieblingslauf auf dem Podest zu stehen. "Die Zeit ist mir allerdings wichtiger als die Platzierung", sagt der Bielefelder. Ich traue mir schon zu, unter 1:50 Stunde zu laufen", lautet seine Selbsteinschätzung. "Das müsste für die Top 5 mit Sicherheit reichen."
Wie in all den Jahren zuvor wird Biehl am Sonntag mit dem Bus zum Hermannsdenkmal fahren. In den 60 Minuten vor dem Startschuss macht sich auch beim Routinier Nervosität breit. "Während meines 20-minütigen Einlaufens suche ich zweimal die Toilette auf, um während des Rennens kein Malheur zu erleben."
Rat an Normalläufer: Moderat beginnen
Um 11 Uhr ist es endlich so weit. Die ersten drei Kilometer geht es nur bergab. "2003 haben der damalige Gewinner Philipp Brouwer und ich diese Strecke in 8:30 Minuten absolviert – einfach Wahnsinn", erinnert sich Biehl. Den Normalläufern rät er zu einem moderateren Beginn. "Bloß nicht in dieser Frühphase zu viel powern – das könnte sich rächen."
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Der Anstieg zum Ehberg ist der erste Härtetest für alle Hermänner. "Dort ist man schlauer und weiß, wie es weiter geht", sagt Biehl. Bei seinen Triumphen 2000 und 2004 lag er am Ehberg bereits in Führung.
Das erste Gänsehautgefühl stellt sich an der Panzerbrücke in Augustdorf ein. "Von Jahr zu Jahr tummeln sich dort immer mehr Menschen und bilden ein Spalier. Einfach phänomenal", meint der beeindruckte Routinier. Bis Kilometer 15 gelte es dann, seinen Rhythmus zu finden. "Schließlich wartet der Tönsberg, das steilste Stück überhaupt", betont Biehl. Schon am Ehberg bereite er sich mental auf diesen Abschnitt vor, plaudert der aus Oerlinghausen stammende Hermannslauf-Star aus dem Nähkästchen.
Unterwegs Freunde grüßen
Beim Ablauf nach Oerlinghausen beginnt für ihn ein Heimspiel. "Ich darf durch die Stadt nicht zu schnell laufen. Schließlich muss ich viele Freunde grüßen", erzählt der Familienvater von seinem Lieblingsabschnitt. Doch nach der Freude kommt das Leid in Form des "Schopkelochs". Im Schopketal merkt auch Markus Biehl seine Beine. "Körner gehen verloren, weil es wieder bergauf geht."
Doch es kommt noch schlimmer: die Treppen in Lämershagen mit rund 121 Stufen, die viele nur gehend überwinden. Marcus Biehl hingegen findet sie weniger schlimm, da er dafür bestens gerüstet ist. Im Training läuft er die Himmelsleiter in Oerlinghausen mit 230 Stufen gleich zehnmal hoch. 65 bis 70 Sekunden benötigt er für einen Durchgang. "2006 ist mir Elias Sansar bei den Treppen weggelaufen", erinnert sich Biehl, der Sansar für unbesiegbar hält. "Er kann sich nur selbst schlagen, wenn er sich verläuft."
Drei Kilometer vor der Sparrenburg – der Habichtshöhe – geht es noch einmal richtig zur Sache. "Ich laufe mit dem Tunnelblick und gebe alles", verspricht Biehl, der wenig später auf der Promenade von tausenden von Zuschauern empfangen wird. "Ein unvergessliches Gefühl", schwärmt Biehl von den "fantastischen Fans" auf der fast 1.000 Meter langen Zielgeraden. Und wenn sein Plan aufgeht, wird er am Sonntagmittag gegen 12.50 Uhr einlaufen – "vielleicht ganz vorne"..
Das erste Bier seit September
Auch wenn Biehl sein gestecktes Ziel möglicherweise nicht erreichen wird, steht der Ablaufplan nach dem Hermann bereits fest. "Es wird gefeiert. Ich gönne mir ein erstes Bier seit Dezember vergangenen Jahres. Nach dem Hermann ist alles erlaubt."
Auf der After-Race-Party im Bielefelder Fichteheim lässt Marcus Biehl seinen 15. Hermannslauf gemütlich ausklingen, wohlwissend, dass er sich auch im nächsten Jahr der Tort(o)ur am Teuto stellen wird. Der Hermannlauf ist für Marcus Biehl Magie. Ihr kann er sich nicht entziehen.