Bielefeld. Nach vier Hermannslaufsiegen darf das Selbstbewusstsein in der Tat groß sein. "Nur eine Verletzung kann mich stoppen, um den fünften Sieg in Folge zu verhindern", meinte Elias Sansar wenige Minuten vor dem Startschuss zur 39. Ausgabe des 31,1 Kilometer langen Geländelaufes zwischen dem Hermannsdenkmal in Hiddesen und der Bielefelder Sparrenburg.
Die Aussage des 30 Jahre alten Ausnahmeläufers der LG Lage-Detmold kam keinesfalls arrogant herüber, vielmehr war sie Ausdruck seiner sportlichen Souveränität. "Ich habe mich sehr gut vorbereitet", sagte Sansar am Sonntagmittag um 12.50 Uhr, nachdem er – wie erwartet – in 1:47:27 Stunden – mit großem Vorsprung ins Ziel einlief und seinen fünften Triumph verzeichnete.
Knapp drei Minuten später erreichte Michael Brand (NSU Brakel) in 1:50:14 Stunden als Zweiter das Ziel und war einfach nur glücklich. "Ich bin froh, dass meine Schulter gehalten hat", sagte der 28 Jahre alte Ingenieur. Noch am Samstag musste sich Brand wegen der Schmerzen spritzen lassen. Nach zwei dritten Plätzen 2007 und 2008 feierte Brand trotz dieses Handicaps seine bisher beste Hermannslauf-Platzierung. Für einen Sieg kam er jedoch nie in Frage. "Elias ist auf diesem Kurs unschlagbar."
Mit Frank Schouren aus Passau belegte ein echter Bayer den Bronzerang. Der 39 Jahre alte Chemiker, der in seiner Juniorenzeit zur deutschen Spitzenklasse zählte, benötigte bei seinem zweiten Hermann nach 2008 1:53:09 Stunden. Schouren, vor 24 Monaten Zehnter, bestimmte die Anfangsphase des Rennens. "Ich bin ein Bergab-Läufer", erzählte Schouren, der an der ersten Steigung zum Ehberg Sansar und Brand jedoch ziehen lassen musste.
1997 hatte Schouren mit dem Leistungssport aufgehört, um sich seiner beruflichen Karriere zu widmen. "Vor zweieinhalb Jahren habe ich wieder mit dem Training begonnen und beim Hermann 2008 mein Comeback gefeiert", erläuterte Schouren. 2011 will er auf jeden Fall wieder antreten – "bei einem der schönsten Läufe in Deutschland überhaupt."
Als die Läufer um 11 Uhr bei Temperaturen um 15 Grad Celsius am Hermannsdenkmal starteten, fehlte mit Helmut Schießl der letztjährige Zweitplatzierte. "Fuzzy, wie Schießl in Läuferkreisen genannt wird, musste wegen einer entzündeten Blase am Fuß passen.
Medaillen nicht rechtzeitig in Bielefeld
Verzichten mussten alle ins Ziel angekommenen Hermanslauf-Bezwinger erstmals auf ihre Auszeichnungen. Wegen der Probleme im internationalen Flugverkehr erreichten die in Südostasien produzierten Medaillen nicht rechtzeitig Bielefeld. Wie der ausrichtende TSVE Bielefeld mitteilte, werden die Medaillen per Post nachgeschickt, was Zusatzkosten von mehreren tausend Euros bedeutet. Statt Medaillen wurde den Läufern und Läuferinnen Schokoladen-Stückchen überreicht.
Süßes hatte sich Elias Sansar wahrlich verdient, der erstaunlich frisch bei gemessenen Temperaturen um 24 Grad Celsius unter dem Jubel tausender Zuschauer noch ein flotten Spurt auf der Zielgeraden hinlegte. "König Elias der Fünfte" war mit sich vollauf zufrieden: "Ich war fix unterwegs. Für einen neuen Streckenrekord war es jedoch zu heiß." Dass Elias Sansar 2011 seinen sechsten Hermannslaufsieg anvisiert, gilt als beschlossene Sache. "Der Hermann ist einmal im Jahr, ein irres Spektakel und zudem mein Heimrennen. Ich werde wohl wieder starten." Nach seinem fünften Sieg hatte Elias Sansar nur einen Wunsch: "Ich muss auf die Couch und mich ausruhen." Seine Laufparty auf der Strecke hatte Spuren hinterlassen.