Bielefeld. Die Verfolgungsjagd endet hinter der Ziellinie. Drei junge Männer stürzen sich kurz vor dem Ende der 31,1 Kilometer über über die Absperrung. Sie rennen mit letzter Kraft ins Ziel. Erst dort entkommen sie ihren Verfolgern. "Was sind das denn für Rabauken", fragt sich Zuschauer Günter Rullkötter von den "Lübbecker Berglöwen". Doch keine Panik kommt auf, alles ist nur filmreif inszeniert. Die drei Agenten sind Schauspieler des neuen Kinofilms "Die Bielefeldverschwörung" und sorgen beim Hermannslauf für Furore auf der Promenade an der Sparrenburg.
"Der Hermannslauf ist ein echtes Bielefelder Produkt", sagt Mihaela Gucanin, "und damit die perfekte Kulisse für unseren Film." Gucanin ist MarketingChefin des im Juni anlaufenden Kinofilms, der unter anderem an der Bielefelder Sparrenburg spielt. Dort zieht die rasante Verfolgungsjagd der Darsteller der "Bielefeldverschwörung" die zahlreichen Zuschauer in ihren Bann.
Hektisches Treiben herrscht also schon, bevor die wahren Helden des Hermanns das Set betreten. Frenetischer Jubel treibt die Teilnehmer zu ihren persönlichen Triumphen. 5.528 Starter dürfen sich im Ziel feiern lassen, darunter sind 1.089 Frauen und 4.439 Männer.
Einer von ihnen ist Frank Schüttforth aus Avenwedde. Der 43-Jährige wird auf den letzten Metern von seinen Kindern verfolgt und erreicht gemeinsam mit Lena (8) und Erik (9) die Ziellinie. "Puh, das war hart bei der Hitze", stöhnt Schüttforth, "ohne meine Kinder hätte ich die letzten Meter wohl nicht mehr geschafft."
Diese hatten ihrem Vater mit einem handgebastelten Plakat Mut gemacht: "Du bist Hermann". Als knallbunte Hermänner starteten die zehn Teilnehmer des TV Georgsmarienhütte. Mit leuchtend roter und grüner Körperfarbe bemalt schleppten sie sich zusammen über die 31,1 höllischen Kilometer. "Anlass unserer Körperbemalung ist die Weltmeisterschaft in Südafrika", klärt Jens Waltermann auf. Der 35-Jährige betont, "dass die Moral steigt, wenn man zusammen unterwegs ist. Da feuert man sich gegenseitig an." Dieses Wir-Gefühl zahlt sich am Ende aus: Jochen Pöling zieht seine Schwester Christin Kulgemeyer auf Platz drei der Frauenwertung. "Bei diesen Temperaturen war das der schlimmste Lauf überhaupt", stöhnt Kulgemeyer völlig erledigt.
Mit allen Kräften am Ende sind die meisten der Läuferinnen und Läufer im Ziel. Auf den Wiesen an der Sparrenburg lassen sie sich die Sonne auf die müden Beine scheinen. Wer Glück hat, erwischt einen Platz in dem Massagezelt. "Rund 250 Starter versorgen wir beim Hermannslauf", berichtet Rainer Wicht, Pressesprecher der AG Physiotherapie. "Das ist für die Läufer kostenlos." Darunter Sieger Elias Sansar, der sich mit einer Beinmassage verwöhnen lässt. Von Starkult ist keine Spur, der wahre "Hermann" fügt sich in die allseits gelöste Stimmung im Zielbereich ein.
Dort feiert jeder seinen finalen Sieg über die inneren Qualen. "Michael, Du liegst vor Sansar", prangt auf einem Plakat. Gemalt hat es Marlene Koch, die Stieftochter von Michael Schwanke. "Vor Sansar hat zwar nicht geklappt," kommentiert er diese ironische Unterstützung, " aber ich bin super zufrieden." Die entspannte Stimmung an der Sparrenburg macht für ihn den Hermannslauf aus. "Hinter der Ziellinie ist jeder Sieger!"
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