Bielefeld. Am Tag danach gönnt sich der Sieger des 39. Hermannslaufes Hackbraten mit Pommes und Erbsen. Elias Sansar isst wie fast jeden Tag in der Mensa des Berufskollegs Dietrich Bonhoeffer in Detmold und belohnt sich für seinen erneuten Triumph mit einer deftigen Mahlzeit. "Was der französische Koch uns zaubert, schmeckt einfach phänomenal. Das Essen hier ist unschlagbar."
Unschlagbar – das ist auch das passende Attribut für den Ausnahmeläufer der LG Lage-Detmold. Durch seinen fünften Sieg in Serie stellte Sansar einen neuen Rekord beim traditionsreichsten Bielefelder Volkslauf auf. Ob der erst 30-Jährige seine Marke weiter ausbauen möchte, ließ der Serientäter offen: "Für den Start beim Hermann habe ich mich immer erst wenige Monate vorher entschieden. So bleibt es." Die Tendenz gehe aber Richtung sechste Teilnahme: "Ein Ende ist für mich noch nicht in Sicht", sagt Sansar.
Seit seiner ersten Teilnahme 2006 ließ Sansar keinen Zweifel mehr aufkommen, wer der wahre Hermann ist. Bei jeder seiner fünf Teilnahmen gewann er. 2006 siegte Sansar in 1:45:50 Stunden – mit 91 Sekunden Vorsprung auf Marcus Biehl. Näher kam dem Champion lediglich Jürgen Wieser, der 2007 in einem Abstand von lediglich 74 Sekunden folgte. Geradezu Welten trennten Sansar vom Rest des Feldes in den Auflagen 2008 und 2010, als der Dominator beinahe drei Minuten Unterschied herauslief.
"Die Freude darüber ist riesengroß", meint König Elias V.: "Der Lauf und die Stimmung waren Wahnsinn." Besonders angetan zeigt sich Sansar von der gewaltigen Atmosphäre in Oerlinghausen und an der Sparrenburg. Nach nur 1:47:27 Stunden erreichte der Detmolder das Ziel auf der Promenade. Dort ließ er sich im Massagezelt behandeln, um seine Muskeln zu entspannen. "Die Verletzungsgefahr ist nach so einem Lauf höher als sonst." Muskelkater hat der 30-Jährige am Tag danach noch nicht verspürt. "Das kommt aber noch." Entsprechend ruhig wird Sansar die kommenden Tage angehen lassen: "Ich muss mich jetzt erstmal erholen."
In den nächsten Wochen plant der Rekordhalter lediglich "einige kleinere Volksläufe wie vielleicht in Borgholzhausen". Priorität genießen für den Berufsschüler zunächst die Abschlussprüfungen zum Bürokaufmann. "Anfang Mai wird es ernst. Daher muss ich die nächsten Tage lernen." Sansars Glanzläufe begeistern auch den veranstaltenden TSVE. "Elias ist unser sportliches Zugpferd", sagt Sonja Kley: "Er lockt andere Spitzenläufer an." Die Pressesprecherin hofft aber für das nächste Jahr "auf einen spannenden Zweikampf auf der Ziellinie". Zu imposant sei Sansars Vorsprung bei den vergangenen Läufen gewesen. Kley sieht das Potenzial des Rekordhalters aber noch nicht ausgeschöpft: "Ich glaube, er kann seine Bestzeit noch knacken. Dieses Jahr war die Hitze jedoch zu groß."
Die sommerlichen Temperaturen machten nicht nur den Topläufern zu schaffen: "Dadurch blieben viele hinter ihren Erwartungen zurück", sagt Kley. Die widrigen Streckenbedingungen – bedingt durch den harten Winter – hätten den diesjährigen "Hermann" zusätzlich erschwert. "Trotzdem haben nur rund 200 Läufer aufgegeben." Für 40 davon endete der 39. Hermannslauf allerdings im Krankenhaus.
Herzinfarktpatienten geht’s besser
Zwei Hermannsläufer waren am Sonntag mit akutem Verdacht auf Herzinfarkt ins Krankenhaus gebracht worden. "Beide Patienten sind stabil", berichtete Jens Kornblum am Montag. Der Einsatzleiter der Rettungskräfte hatte angesichts der verschärften Situation an der Strecke Verstärkung angefordert: "Wir haben zehn Rettungshelfer von der Alm abgezogen. Die Einsatzkräfte kamen nach dem Abpfiff zur Sparrenburg." Dort behandelten die Rettungskräfte mehr als 100 Läufer – neuer Höchststand beim Hermann.
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